Das Kurwesen in Deutschland gewinnt nicht zuletzt durch den demografischen Wandel immer stärker an Bedeutung. Allerdings steht es gerade in finanzieller Hinsicht seit Jahren unter ungeheurem Druck, aus dem lediglich Großkonzerne der Reha-Branche Profite schlagen können. Die Gesundheit des Menschen scheint immer mehr zur Ware zu verkommen, um die hart gefeilscht wird. Und doch bieten sich auch Chancen für eine Kurstadt wie Bad Säckingen, die in den vergangenen Jahrzehnten selbst gravierende Einschnitte zu verkraften hatte.

So lautete die Botschaft des Verwaltungsdirektors des Reha-Klinikums und Geschäftsführers des Vincentiusvereins, Volker Kull, beim politischen Aschermittwoch der Freien Wähler Bad Säckingen. Hauptthema der diesjährigen Veranstaltung waren der Zustand und die Perspektiven des Gesundheitswesens vor Ort mit besonderem Blick auf das Reha-Klinikum. Kull machte keinen Hehl daraus: Der Gegensatz von Anspruch und Wirklichkeit könnte gerade auf diesem Sektor kaum paradoxer sein. Entsprechend entspann sich eine rege Diskussion darüber, mit welchen Herausforderungen gerade der Standort Bad Säckingen konfrontiert ist, aber auch welche Chancen sich bieten.

Schlechte Rahmenbedingungen im Bereich Rehabilitation

Die Rahmenbedingungen gerade im Bereich der Rehabilitation seien laut Volker Kull seit vielen Jahren schlecht – gerade im Hinblick auf die Finanzierung. Der Grundsatz „Reha vor Pflege“ werde von den Kostenträgern kaum noch ernst genommen, konstatierte auch Hartmut Fricke, Leiter des Pflegeheims Marienhaus: „Gesetzgebung und Realität klaffen weit auseinander. Reha-Empfehlungen, gerade für Senioren, werden meistens abgelehnt.“ Und das trotz massiv steigendem Bedarf und trotz nachweislicher Erfolge, auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht.

Die Kostensätze liegen laut Volker Kull zudem seit Langem jenseits aller Wirtschaftlichkeit. Folge: Hunderte Einrichtungen haben bereits schließen müssen, viele weitere werden folgen, ist sich Kull sicher. Bad Säckingen hat das durch den Wegfall etlicher Kurkliniken zu spüren bekommen. Vorläufiger Schlusspunkt dieser Entwicklung war die Schließung der Geriatrie im Marienhaus: „Zwischen Bodensee und Oberrhein gibt es jetzt keine derartige Einrichtung mehr“, so Kull, der durchaus Frustpotenzial in der Branche sieht: „Wir haben hier ein gutes und wichtiges Produkt, sitzen aber am Ende der Kette und haben wenig Einflussmöglichkeiten.“ Für ihn ist klar: „Wenn sich an der Gesetzeslage nichts ändert, hat das für die Reha-Landschaft in Deutschland verheerende Auswirkungen.“ Lohnend sei die gegenwärtige Situation nur für Großkonzerne aus aller Welt, die sich auf dem deutschen Reha-Markt immer stärker ausbreiten und aufgrund ihrer schieren Größe und Bettenzahl eine wesentlich stärkere Verhandlungsposition gegenüber Kostenträgern hätten.

Bad Säckingen soll Gesundheitsstandort werden

Und dennoch: Es gebe durchaus Chancen, etwa indem Bad Säckingen sein Profil als Gesundheitsstandort schärfe und gezielt vermarkte. Der Ausbau der Altersmedizin mit einer möglichst starken Vernetzung von Angeboten etwa, ist nach Kulls Ansicht eine lohnende Überlegung. Spital, Reha-Klinik, aber ebenso die psychiatrischen Kliniken, Aqualon und die Pflegeeinrichtungen müssten demnach ihre Verbindungen intensivieren und gemeinsam neue Potenziale erschließen. Dass etwa das Sigma-Zentrum die Anknüpfung an die „Gesundheitsregion Freiburg“ geschafft habe, sei ein großer Erfolg, und biete für den gesamten Gesundheitsstandort ein gewaltiges Marketingpotenzial.

Zugleich nimmt Kull aber durchaus auch die Politik auf allen Ebenen in die Pflicht. Diese müsse die allgemeinen Rahmenbedingungen erheblich verbessern. Vor Ort müsse etwa eine dauerhafte gute ärztliche und fachärztliche Versorgung gewährleistet sein, die ÖPNV-Anbindung müsse stimmen, ebenso aber auch das kulturelle Angebot für die Patienten, die letztlich hierherkommen.

 

Landtagskandidat der Freien Wähler

Ohne Landtagswahlkampf kam auch der politische Aschermittwoch der Freien Wähler Bad Säckingen nicht aus. Die Vereinigung gab dem Kandidaten der Freien Wähler Partei, Dieter Albrecht, Gelegenheit sich vorzustellen.

Der Kandidat: Dieter Albrecht (50) ist Kfz-Meister und Chef eines Notdienstleistungsunternehmens mit 30 Mitarbeitern. Er ist Vater dreier Kinder, lebt und arbeitet in Rottweil. Dort war er bis vergangenen Dezember 14 Jahre lang Stadtrat. Zur Landtagskandidatur im Wahlkreis 59 Waldshut sei er durch den Bezirksverband Südbaden animiert worden. Den Wahlkreis kenne er gut, „ich komme aus einer Gegend mit ähnlicher Struktur wie der Hochrhein“, betont er. Für den Fall seiner Wahl möchte er im Wahlkreis Waldshut einen Zweitwohnsitz und ein Wahlbüro eröffnen.


Politische Ziele: Er orientiere sich an den Bedürfnissen und den Rückmeldungen seiner Wähler, sagt Dieter Albrecht. Er wolle sich im Falle seiner Wahl insbesondere um die Verbesserung der Infrastruktur von Elektrifizierung der Hochrheinbahn über schnelles Internet bis Autohahn bemühen, aber auch um eine bürgernahe Gesundheitsversorgung. Albrecht sieht sich und die Freie Wähler Partei als politische Alternative zu den etablierten „durchideologisierten“ Parteien und zugleich zu extremistischen Parteien „die sich auf dem Rücken aktueller Probleme in den Landtag bomben wollen“.


Vereinigung contra Partei: Die Freie Wähler Partei versteht sich als landes- und bundespolitischer Arm der Freien-Wähler-Vereinigungen, die eigentlich als Bürgervereine konzipiert sind, die ihre Bestimmung in der Kommunalpolitik sehen. Umgekehrt distanziert sich der Landesverband der Freien-Wähler-Vereinigung scharf von der Partei. Bad Säckingens FW-Ortsverein gehört dem Landesverband nicht an, deshalb sah die Vereinigung kein Problem darin, dem Kandidaten der Partei eine Plattform zu bieten. Auch der Freie-Wähler-Kreisverband hat Dieter Albrecht zu einer Podiumsrunde eingeladen. (msb)