Frau Merkert, wie haben Sie zur Musik gefunden?

Mit meiner Mutter habe ich schon als Kind gerne Volkslieder gesungen und mit acht Jahren angefangen, Blockflöte zu spielen. Als ich elf war, haben mir meine Eltern den Wunsch erfüllt, Geigenunterricht zu nehmen, und mit 14 Jahren ermunterte mich mein damaliger Musiklehrer, in den Orchesterverein einzutreten. Das war in Rheinfelden, wo ich aufgewachsen bin. Es gab damals sowohl in Säckingen als auch in Rheinfelden einen Orchesterverein. Aber bald darauf haben sich beide Vereine zusammengeschlossen, weswegen es für mich der Verein ist, in dem ich seit mehr als 50 Jahren Mitglied bin und Geige spiele.

Und wann wurden Sie dann dessen Vorsitzende?

Ich war schon viele Jahre zweite Vorsitzende gewesen, als zwischen unserem früheren Dirigenten und uns Mitgliedern immer stärkere Spannungen entstanden. Mehrere Mitglieder haben oder wollten den Verein verlassen. In dieser Situation trat die damalige erste Vorsitzende zurück und plötzlich war ich erste Vorsitzende des Orchestervereins. Nie hätte ich mir vorstellen können, dieses verantwortungsvolle Amt einmal innezuhaben und meine erste Aufgabe bestand dann tatsächlich darin, den damaligen Dirigenten zu entlassen, um die weitere Existenz des Vereins zu gewährleisten. Zum Glück war Klaus Kunzmann bereit, unser neuer Dirigent zu werden. Das alles ist jetzt schon zehn Jahre her.

Das könnte Sie auch interessieren

Und die Zusammenarbeit mit Klaus Kunzmann ist gut?

Sie ist sehr gut und das Musizieren mit ihm macht einfach Freude. Die Stimmung bei den Proben ist immer gut. Er hat tolle Ideen für unsere Konzerte und bespricht sie mit uns. Meistens finden wir seine Vorschläge gut, nur wenn es zu modern wird, versuche ich, ihn zu bremsen, weil unser Publikum nicht ganz so experimentierfreudig ist – und wir selbst auch nicht unbedingt.

Würden Sie bitte den Orchesterverein Bad Säckingen etwas näher beschreiben?

Er wurde 1904 gegründet, ein Gründungsmitglied war übrigens Alfred Stoll, der Vater der inzwischen verstorbenen Modistin Ruth Stoll. Wir sind im Moment knapp 20 Streicher und – wie man uns immer wieder attestiert – ein gutes Laienensemble. Unsere Mitglieder kommen zum Teil aus Murg, Albbruck, Waldshut, Höchenschwand und Zell im Wiesental; jetzt haben wir sogar eine Interessentin aus Hohentengen. Es gibt eben hier am Hochrhein kein vergleichbares Orchester. Wir erarbeiten zwei Mal im Jahr interessante, abwechslungsreiche Programme und engagieren auch immer wieder gerne junge Solisten und Solistinnen aus der Region. Umgekehrt arbeiten die professionellen Musiker und Musikerinnen auch gern mit uns.

Das könnte Sie auch interessieren

Worin genau besteht Ihre Aufgabe im Verein?

Sie ist ganz auf das Gelingen unserer Konzerte gerichtet, das heißt, es geht unter anderem um rechtzeitige Terminplanung mit den externen Künstlern und Künstlerinnen, den Kontakt zum Kulturamt, zur Presse, dann die Werbung. Ganz wichtig ist es, Sponsoren für einzelne Konzerte oder auch Fördermitglieder zu finden, die uns dauerhaft finanziell unterstützen. Wir sind ja ein reines Streichorchester und brauchen immer wieder zusätzliche Musiker und Musikerinnen, die wir bezahlen müssen, seien es nun Bläser, Pianisten oder Schlagzeuger, je nachdem, wie die zu spielenden Werke besetzt sind. Ohne die großzügige Unterstützung durch unsere Fördermitglieder und immer wieder neu anzufragende Sponsoren wie die Volksbank- oder Sparkassenstiftung wären Konzerte mit großer Besetzung für uns nicht durchführbar. In der Vorbereitung und Durchführung der Konzerte kann ich auch immer zählen auf das gut zusammenarbeitende Vorstandsteam. Das sind neben dem zweiten Vorsitzenden Matthias Demmig die Schriftführerin Christine Friedlmeier, die beiden Kassiererinnen Maria Wasmer und Heike Freiberger sowie Notenwart Josef Vey.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Zwei Musiker haben eigens für unser Orchester Musikstücke komponiert: So hat der Pianist und Komponist Stefan Tuschewitzki aus Grefrath für uns ein „An Dante“ genanntes Stück geschrieben, „dem Orchesterverein und seinem Dirigenten Klaus Kunzmann gewidmet“. Es war ein sehr modernes Stück. Klaus Kunzmann war begeistert, aber wir hatten anfangs Mühe damit. Erst mit der Zeit konnten wir uns mit den modernen Klängen anfreunden. Dieses Werk haben wir im Dezember 2013 in der evangelischen Stadtkirche uraufgeführt und Stefan Tuschewitzki kam persönlich aus Grefrath angereist. Der Cellist und Bassist Martin Angell, der seit Jahren bei uns Kontrabass spielt, hat ein Konzert für Kontrabass, Pauke und Orchester komponiert und bei der Uraufführung im Januar 2015 natürlich selbst den Kontrabass-Part übernommen. Diese für uns geschriebenen Stücke aufzuführen, war schon ein besonderes Erlebnis, zumal jedes Mal die Komponisten anwesend waren – welches Laienorchester hat denn schon dieses Glück?

Das könnte Sie auch interessieren

Was ist Ihr zentrales Anliegen für die Zukunft?

Mir ist sehr wichtig, dass wir weiterhin eine so gute Gemeinschaft bilden und dass jüngere Musiker und Musikerinnen in unser Orchester finden. Ich meine, Orchester sollten sich fortwährend verjüngen. Jung und Alt können sich gegenseitig etwas geben. Sehr gern integrieren wir auch fortgeschrittene Musikschüler und Musikschülerinnen, die Orchestererfahrung sammeln wollen. Auch Erwachsene, die früher ein Streichinstrument gespielt und länger pausiert haben, sind herzlich eingeladen, ihr Können bei uns wieder auf Vordermann zu bringen.

Mit welcher Musik wird uns der Orchesterverein bei seinem nächsten Konzert am 12. Januar 2020 in der Kirche Heilig Kreuz erfreuen?

Es wird Musik aus Osteuropa geben. Fest steht bisher erst das Saxophonkonzert von Glazunov mit Frank Pohl als Solist. Geplant ist auch ein passendes Gesangsstück mit der Musikstudentin Julia Hilpert aus Dogern, die übrigens schon vor acht Jahren als Cellosolistin mit uns zusammen musiziert hat. Klaus Kunzmann ist gerade mit seiner Tochter einen Abschnitt des Meraner Höhenwegs gewandert, da ist ihm ganz bestimmt noch mehr eingefallen.