Bad Säckingen – Mit der Hitzewelle, die den Südwesten Deutschlands und damit auch Bad Säckingen seit Wochen im Griff hat, erreicht nun auch der Rhein Höchsttemperaturen: 26,6 Grad Celsius maß das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) an der Rhein-Messstelle bei Laufenburg am Sonntagabend – der höchste Wert seit Inbetriebnahme der Station 1971. Das hat gravierenden Folgen für das Ökosystem unter Wasser und die darin lebenden Tiere. Denn nicht nur der Mensch, auch die Fische leiden angesichts dieser Temperaturen unter enormen Hitzestress. Vielerorts sorgt das in Deutschland bereits für großes Fischsterben.

Äsche und Bachforelle besonders betroffen

Raymond Vöstel, der Vorsitzenden des Fischereivereins Bad Säckingen, blickt mit Sorge auf die aktuelle Hitzewelle: „Die Salmoniden – darunter Äsche und Bachforelle – sind angesichts dieser Temperaturen existentiell bedroht“, sagt der 69-Jährige. Sie benötigen besonders kalte, sauerstoffreiche Gewässer und fühlen sich bei Temperaturen zwischen 15 und 17 Grad am wohlsten. „Je kälter das Wasser, desto mehr Sauerstoff kann es binden“, erklärt Vöstel. Entsprechend gering sei derzeit der Sauerstoffgehalt im Rhein. „Unter den aktuellen Bedingungen sterben diese Fische auch hier bei uns. In einem Fluss wie dem Rhein bekommen das die Menschen aber nicht mit.“ Er ist sich sicher: „Dieses Jahr ist extremer als der Rekordsommer von 2003.“ Damals kamen nach Angaben des schweizerischen Bundesamtes für Umwelt mindestens 50 000 Äschen im Rhein um.

Zu wenig Niederschläge, zu hohe Temperaturen

Die Gründe für die steigende Wassertemperatur sind vielfältig: extreme Sonneneinstrahlung und ausbleibende Niederschläge, die die kühlen Quellbäche teilweise austrocknen und die Pegelstände sinken lassen; Wasser- und Kernkraftwerke, die einerseits die Fließgeschwindigkeit des Rheins verringern, andererseits aufgewärmtes Kühlwasser in den Fluss leiten. Geht es nach Peter Weisser, dem Fischereiaufseher des Regierungspräsidiums Freiburg, ist der kritische Punkt nahe: „Es ist eine Sekunde vor zwölf“, sagt Weisser. Bereits ein Grad mehr könne durch den sinkenden Sauerstoffgehalt im Wasser ein abschnittsweises Fischsterben auslösen.

Bild: Ute Schönlein

Das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) musste nach eigener Auskunft jedoch bisher keine Lastreduktion aufgrund der erhöhten Wassertemperatur vornehmen, da die Gesamtleistung des Reaktors derzeit ohnehin auf durchschnittlich 86 Prozent limitiert sei. Eingeleitetes Kühlwasser dürfe bis zu 30 Grad warm sein. „Diese Wasseraustrittstemperatur wird durch das KKL intensiv beobachtet und kann bisher durch eine darauf abgestimmte Betriebsweise eingehalten werden“, heißt es von Seiten der Pressestelle.

Auch der Bergsee ist zu warm

Aber nicht nur im Rhein leiden die Fische unter den Temperaturen. Auch in den umliegenden Stillgewässern ist die Lage kritisch. So bereitet Raymond Vöstel der Bergsee, der ebenso vom Fischereiverein Bad Säckingen genutzt wird, große Sorgen. Und das nicht erst seit diesem Jahr. „Der Bergsee hat von Haus aus einen geringeren Sauerstoffgehalt, wegen aufsteigender Faulgase durch den schlammigen Untergrund und durch die schlechte Wasserzirkulation“, erklärt Vöstel. Deshalb platzierten die Mitglieder des Vereins vor Jahren eine Pumpe in der Mitte des Sees, die seither das Wasser mit Sauerstoff anreichert. „Wenn bei den aktuellen Bedingungen aus irgendeinem Grund der Strom der Pumpe ausfällt, haben wir in kürzester Zeit ein Fischsterben“, sagt Vöstel. Denn bei seiner jüngsten Messung am vergangenen Wochenende betrug die Wassertemperatur im Bergsee 28 Grad.

In der Gewässerökologie gilt diese Marke als besonders kritisch. Jens Lange, Professor am Lehrstuhl für Hydrologie an der Universität Freiburg, erklärt, warum: „Fische haben bei hohen Temperaturen einen erhöhten Stoffwechsel und Energieverbrauch. Ab einer gewissen Temperatur können manche dann diesen nicht mehr decken“, so der Experte. Die Fische werden schwächer und anfälliger für Krankheiten. Ein Massensterben beginnt. Treten diese Extreme häufiger auf, durch den Klimawandel sei das durchaus möglich, so der Experte, dann werde es problematisch: „Fehlt nämlich auch die nächste Fischgeneration, erholt sich das Ökosystem nur sehr langsam davon.“

Artenvielfalt ist in Gefahr

Dass sich in der kommenden Zeit die Gewässer von diesem Hitze-Jahr nur schwer erholen werden, damit rechnet Raymond Vöstel. Wirklich tun können er und seine Mitstreiter nichts angesichts der Naturgewalt, die ihnen gegenüber steht: „Wer jetzt noch behauptet, es gebe keinen Klimawandel, da weiß ich nicht auf welchem Planeten der lebt“, sagt der 69-Jährige. Die Artenvielfalt in den Gewässern des Fischereivereins sieht er aufgrund der klimatischen Entwicklungen in Gefahr: „Wenn es so bleibt, werden die Fische, die viel Sauerstoff und geringe Temperaturen brauchen, verschwinden.“ Auch der künstlichen Besatz von Äschen und Bachforellen, wie er derzeit noch stattfindet, müsse hinterfragt werden. „Für die Sicherung der Artenvielfalt investieren wir jährlich mehrere tausend Euro. Dieses Geld nur aus dem Fenster zu werfen, sehe ich auf Dauer nicht ein“, sagt Vöstel. Alleine könne er eine solche Entscheidung aber nicht treffen.