Ausreichend: So schätzen Bad Säckingens Radler die Stadt im Bezug auf ihre Fahrradfreundlichkeit ein. Beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) erhält die Kommune eine Durchschnittsnote von 3,8. Bundesweit landet man mit diesem Ergebnis auf Platz 187 von 364 Städten mit einer vergleichbaren Einwohnerzahl.

Positiv bewerten die 102 Umfragen-Teilnehmer aus Bad Säckingen, dass das Stadtzentrum gut mit dem Rad zu erreichen sei. Überhaupt seien Ziele innerhalb des Stadtgebiets mit dem Fahrrad einfach anzusteuern. Das erklärt auch, warum immerhin 13 Befragte angeben, dass ihnen das Radfahren in Bad Säckingen insgesamt großen Spaß mache.

Negativ bewerten die Testteilnehmer das mangelnde Angebot an öffentlichen Leihfahrrädern. Auch die für Radfahrer ungünstige Verkehrsführung an Baustellen wird kritisiert. Man werde hier zu oft zum Absteigen oder Schieben gezwungen, finden die Teilnehmer des ADFC-Tests. Weiterhin schätzen 50 von 102 Befragten die Ampelschaltungen in der Trompeterstadt als für Radfahrer mangelhaft bis ungenügend ein. Die Testteilnehmer wünschen sich zudem, dass die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtert wird.

Auch wenn sich dieses Ergebnis des ADFC-Tests auf den ersten Blick nicht unbedingt berauschend liest, glaubt Bürgermeister Alexander Guhl, dass sich bereits einiges getan hat, seitdem die Befragten im vergangenen Herbst ihr Votum abgegeben haben. Mit Blick auf den Fahrradtransport in öffentlichen Verkehrsmitteln habe das Landratsamt angekündigt, dass die Radmitnahme in Regionalbahnen ab dem 1. August kostenfrei sei, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

„Auch für die Ampelschaltungen ist die Stadt nicht direkt zuständig“, erklärt Guhl. Das Landratsamt habe aber auch hier bereits für Optimierung gesorgt. Der Bürgermeister findet, dass Fortschritte bereits spürbar seien. Die Grünphase der Ampel am Scheffelgymnasium sei für Radfahrer und Fußgänger allerdings noch immer zu kurz. Auch auf den Fahrradwegen sieht er Optimierungsbedarf. „Da müssen wir noch besser markieren und die bestehenden Markierungen zum Teil auffrischen.“ Dass sich die Befragten beim ADFC-Test über die Situation an den Baustellen im Stadtgebiet ärgern, kann Alexander Guhl nachvollziehen. Er will jetzt herausfinden, welche konkreten Verbesserungen umsetzbar seien, zum Beispiel, was die Beleuchtungssituation und die Beschilderung für Radfahrer angeht.

Bei dem von den Testteilnehmern kritisierten Mangel an Leihfahrräder verspricht der Bürgermeister Besserung. „Wir sind dran an dem Thema. Wir haben vom Land Geld bekommen, um den Individualverkehr zu verbessern. Da spielen auch Leihfahrräder eine Rolle.“ Es gelte nun zu eruiren, wo genau man künftige Leih-Stationen errichtet und wie man den praktischen Ablauf organisiert. Über eine der Mietstationen scheint man sich aber bereits einig zu sein. 18 000 Euro bewilligte der Gemeinderat am vergangenen Montag, damit an den Bahnhöfen von Bad Säckingen und der schweizerischen Nachbargemeinde Stein Leihradstationen installiert werden können.

Insgesamt ist Guhl über das Votum von Bad Säckingens Fahrradfahrern nicht überrascht. „Ich finde es aber toll, dass sich so viele beteiligt haben.“ Die Platzierung im bundesweiten Durchschnitt sieht er vor allem als Ansporn. Und gleich wenn es noch einiges zu tun gebe, glaubt der Bürgermeister, dass sich Bad Säckingens Bemühungen im Bezug auf die Fahrradfreundlichkeit durchaus sehen lassen können.

Auch der Umweltbeauftragte der Stadt, Ralf Däubler, freut sich über die wertvolle Rückmeldung. „Bad Säckingen hat zum ersten Mal an dem Test teilgenommen. Damit haben wir uns auf einen Weg begeben.“ Am Ziel sieht sich Däubler erst, wenn deutliche Verbesserungen durchgesetzt werden. Er zeigt sich aber zuversichtlich, was die Signalwirkung des Ergebnisses angeht. Der Blick auf Kommunen, die schon länger am Fahrradklima-Test teilnehmen, zeige, dass die Bewertungen im Laufe der Zeit immer besser ausfallen.

Positiv bewertet er schon jetzt das Thema Fahrradsicherheit und verweist dabei auf die 32 verschließbaren Fahrradboxen, die man am Bahnhof eingerichtet hat: „Die sind bereits ausgebucht. Und da es sogar schon eine längere Warteliste gibt, muss sich die Verwaltung Gedanken um eine Erweiterung machen“, findet Däubler. Er hofft, dass neben diesem Angebot für Berufspendler bald schon zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Radtouristen geschaffen werden.

Dass sich die Fahrradförderung im Vergleich zur Vergangenheit insgesamt schon verbessert habe, findet auch der Fahrradbeauftragte Bernhard Biendl. Potenzial sieht er allerdings bei der Reinigung und dem Winterdienst auf Radwegen. Der Fahrradbeauftragte fordert, dass hier mehr getan wird. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei die neue App „AEM“, über die Radfahrer die Möglichkeit haben, Probleme auf Radwegen – etwa Scherben auf dem Boden oder unlesbar gewordene Markierungen – direkt an die Tiefbauabteilung der Stadt weiterzumelden.

Der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs

Seit 2012 können die Teilnehmer des ADFC-Tests alle zwei Jahre über die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde abstimmen und so Politik und Verwaltung eine Rückmeldung geben. 120 000 Radfahrer haben ihre Kommune zwischen dem 1. September und 30. November 2016 bewertet. Jetzt liegen die Resultate vor.

 

  • Die Fragen: Die 27 Testfragen sind in folgende Kategorien unterteilt: Fahrrad – und Verkehrsklima, Stellenwert des Radverkehrs, Sicherheit beim Radfahren, Komfort beim Radfahren sowie Infrastruktur und Radverkehrsnetz. Die Teilnehmer beantworten die Fragen online oder per Fragebogen.
  • Das Ergebnis: Das Votum der Radfahrer zeigt deutschlandweit keine Verbesserung des Fahrradklimas im Vergleich zu 2014. Insgesamt wird die Fahrradfreundlichkeit der Kommunen mit der Schulnote 4 (ausreichend) bewertet. Immerhin: Keine der 87 baden-württembergischen Kommunen in der Wertung bildet das Schlusslicht ihrer Kategorie. Bei den Städten mit bis zu 50 000 Einwohner landet Reken auf Platz 1. Bocholt und Göttingen sind die Sieger in den Kategorien 50 000 bis 100 000 Einwohner beziehungsweise 100 000 bis 200 000 Einwohner. Bei den Städten mit über 200 000 Einwohnern landet Münster auf Platz 1, gefolgt von Karlsruhe und Freiburg.
  • Allgemeiner Trend: Insgesamt schneiden Großstädte mit über 200 000 Einwohnern in puncto Fahrradfreundlichkeit am besten, Städte zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern hingegen am schlechtesten ab. Die detailierten Ergebnisse des ADFC-Tests lassen sich im Internet (fahrradklima-test.de) einsehen. (das)