Im Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur des SÜDKURIER, Torsten Geiling, und dem Regionalleiter Hochrhein, Kai Oldenburg, zeichnete er ein sehr persönliches Bild von der nicht immer einfachen deutsch-Schweizer Nachbarschaft, und der Arbeit eines Journalisten im Ausland.

Im Grunde ist es bei Deutschen und Schweizern wie in jeder Beziehung, ist sich Maurus sicher: Es läuft meistens sehr harmonisch, bisweilen fliegen aber auch die Fetzen. Und trotzdem möchte man das Gegen über nicht missen. Das Leben am Hochrhein ist geprägt von gegenseitigem wirtschaftlichem Nutzen in Form von Einkaufstourismus und Grenzgängern: „Deutschen Kunden sind die Monstershopper zwar häufig ein Graus. Aber immerhin bedeutet der starke Franken für den Hochrhein quasi ein regionales Konjunkturpaket von fünf Milliarden Franken“, so Maurus auf die Frage von Hubert Fehrenbacher nach den Ursachen und Konsequenzen des „Frankenschocks“.

Es gibt aber eben auch Streitpunkte. Besonders der Fluglärmstreit: „Dieses Thema gleicht der Quadratur des Kreises. Eine Lösung ist nicht in Sicht, vor allem weil sich in Berlin kein Mensch für den Flughafen Zürich interessiert“, so die Einschätzung des Korrespondenten. Damit teilte er auch die Einschätzung des früheren Landrats Bernhard Wütz, der in seiner Wortmeldung den mangelnden Rückhalt der Region seitens des Bundes beklagte.

Streitthema Nummer zwei: Die Atomendlagersuche der Schweiz – laut Hans-Jürgen Maurus „eines der Toppthemen der Schweizer Innenpolitik“. Die Schweiz mache sich die Suche nicht leicht, so Maurus: „Das langfristig angelegte Untersuchungsverfahren ist ein deutliches Zeichen dafür. Aber irgendwo muss der Atommüll eben hin.“ Für die Ängste der deutschen Seite gebe es dabei durchaus Verständnis: „Man weiß genau, dass man nicht im luftleeren Raum lebt und agiert.“

Immer wieder erwies sich Hans-Jürgen Maurus als exzellenter Kenner der Schweizer Gesellschaft, ihrer Mentalitäten und Eigenheiten. Das mache seine Arbeit auch derart facettenreich. „Die Schweiz ist für mich auch nach fünf Jahren noch eine Entdeckungsreise und wird es bleiben“, sagt Hans-Jürgen Maurus. Sie sei Kulminationspunkt für Weltpolitik, Weltfinanzen und Tummelplatz der Reichen, Schönen und Skurrilen. Institutionen wie direkte Demokratie faszinieren, der direkte Draht zu Persönlichkeiten sei so leicht zu knüpfen wie kaum in einem anderen Land. An den Schweizern schätze er ihre Diskretion, wenngleich dies nicht in allen Bereichen gleichermaßen zutreffe. Auf die Nachfrage von Harald Kühn zu den Unterschieden im politischen Betrieb zwischen Deutschland und der Schweiz entgegnete Maurus etwa: „Man geht höflich miteinander um, es kann aber auch ordentlich zur Sache gehen.

Und intrigiert wird in Bern ohnehin gern.“ Und bei Themen wie Steuerbetrug und Fifa hätten die Eidgenossen ihre eigene Meinung, die Außenstehende nur schwer nachvollziehen können.

Doch der erfahrene Korrespondent Maurus nutzte den Abend auch für einen Rückblick auf seine 28-jährige Korrespondententätigkeit, die ihn in viele Metropolen und Krisengebiete der Welt geführt hat. Trotz aller Herausforderungen, die teils viel Improvisationskunst erfordert hätten: Die Leidenschaft für seinen Beruf sei ihm immer erhalten geblieben – bis zur Pensionierung, die in zwei Monaten anstehe: „Es war immer Abenteuer ohne Ende, ein Traumjob ohne Ende.“