Genau ein Jahr ist es her, dass sich in der Eggbergstraße in Bad Säckingen ein tödlicher Unfall ereignete. Am 10. September 2017 überfuhr ein Mann mit einem Auto an einer Fußgängerfurt eine 22-jährige Joggerin. Sie erlag nur kurze Zeit später ihren schweren Verletzungen. Seither steht die Frage im Raum, wie es zu diesem Unglück kommen konnte – und wer Schuld träg am Tod der jungen Frau. Auf der Suche nach der Antwort begann vor dem Amtsgericht Bad Säckingen der Prozess gegen den 30-jährigen Mann, der damals am Steuer des Unfallwagens saß und heute in der Nähe von Karlsruhe lebt.

Vorwurf der überhöhten Geschwindigkeit

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete dabei auf fahrlässige Tötung. So soll der Angeklagte innerorts mit zu hoher Geschwindigkeit die Eggbergstraße hinuntergefahren sein. Den Tod der jungen Frau, die zu diesem Zeitpunkt parallel zur Straße auf der rechten Fußgängerseite lief und unterhalb der Einmündung Santeramostraße die Fahrbahn überqueren wollte, habe er auf diese Weise in Kauf genommen. Klar zum Ausdruck kam vor Gericht aber auch, dass die Joggerin unvermittelt auf die Fahrbahn lief und Ohrhörer getragen habe.

Vollbremsung kam zu spät

Anwesend war der 30-jährige Mann bei dem Prozess nicht. Er ließ sich durch zwei Verteidiger vertreten. In seiner Aussage, aus der Richter Rupert Stork zu Beginn der Verhandlung in Auszügen vorließ, wies der Angeklagte die alleinige Schuld an dem tragischen Unfall zurück. So sei die 22-Jährige an diesem Nachmittag unvermittelt auf die Fahrbahn getreten.

"Es war durch nichts zu erkennen, dass sie die Straße überqueren wollte", gab der Beschuldigte an. Auch eine Vollbremsung konnte den tödlichen Zusammenprall dann nicht mehr verhindern, durch den die Joggerin mehr als 20 Meter weit durch die Luft geschleudert wurde.

Joggerin mit Kopfhörern im Ohr unterwegs

Die Aussage deckte sich mit jener von zwei Zeugen – Verwandten des Angeklagten -, die während des Unfalls ebenfalls im Auto saßen. Ein Dritter Beobachter, der an diesem Nachmittag die Eggbergstraße hinauf und der Joggerin somit entgegen lief, widersprach dieser Version jedoch. "So nahe, wie sie sich am Rande des Bordsteins befand, war bemerkbar, dass sie die Straße überqueren wollte", sagte der Zeuge. Er habe sie noch warnen wollen, habe "Achtung! Achtung!" gerufen. Doch die 22-Jährige reagierte nicht. "Sie hatte Kopfhörer im Ohr", erklärte der Mann. Eine Aussage, die alle Zeugen bestätigten.

Unfall hätte verhindert werden können

Besonders in den Fokus rückte an diesem Prozesstag das Gutachten des Kfz-Sachverständigen. Er hatte zahlreiche technische Mängel an dem Unfallauto festgestellt, das der Angeklagte an Tage des Unfalls ausgeliehen hatte: darunter ein defektes Antiblockiersystem (ABS) sowie abgefahrene Reifern. "Angesichts der trockenen Fahrbahn waren das allerdings keine unfallursächlichen Mängel", so der Sachverständige.

Er errechnete nach Auswertung der Bremsspuren eine Annäherungsgeschwindigkeit von 77 Stundenkilometern. Bei einer Geschwindigkeit von 63 Stundenkilometern hätte der Unfall nach Berechnungen des Experten verhindert werden können.

Verteidiger fordern zweites Gutachten

Die Verteidiger des Angeklagten zweifelten allerdings nicht nur an den Methoden des Sachverständigen. Sie stellten ebenso fest, dass der Experte bei seiner Berechnung das Gefälle der Strecke nicht berücksichtigt hatte – und forderten deshalb ein zweites Gutachten.

Auch eine Einstellung des Verfahrens oder eine Reduzierung der Strafe auf 90 Tagessätze stand zu diesem Zeitpunkt zur Diskussion, scheiterte jedoch am Einspruch der Staatsanwaltschaft.

Verfahren vorerst ausgesetzt

Entsprechend verfügte Richter Rupert Stork, dass das Verfahren ausgesetzt wird, bis ein neues Gutachten Aufschluss darüber liefert, wer Schuld trägt am tödlichen Unfall in der Eggbergstraße. "Es ist eine Strecke, auf der häufig zu schnell gefahren wird, das weiß ich aus eigener Erfahrung", mahnte Richter Rupert Stork abschließend.

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