Der Rettungsdienst im Raum Bad Säckingen weist nach der Schließung des Krankenhauses in Bad Säckingen Defizite auf und muss nachgebessert werden. Das zumindest ist das Fazit, das Kreisrat Klaus Denzinger nach seinem zweitägigen Einsatz beim Roten Kreuz zieht. Der FDP-Fraktionssprecher im Kreistag war am Dienstag und Mittwoch dieser Woche jeweils zwölf Stunden mit den Rettungsteams unterwegs. Den Rettungssanitätern und Notärzten zollt Denzinger höchsten Respekt für ihre „kompetente und professionelle Arbeit“. Der Grund für die Probleme, die sich für ihn deutlich offenbarten, "liegen deshalb keinesfalls beim Personal, sondern an den Strukturen". Und damit meint er die Schließung des Krankenhauses und den Wegfall der Notfallambulanz. Gegenüber der Presse berichtete er von seinen Erfahrungen.

Kreisrat Denzinger hat an den beiden Tagen insgesamt 15 Einsätze mit den DRK-Rettungssanitätern und den Notärzten gefahren. Ziel dieser Aktion sei es gewesen, sich selber ein Bild von der Rettungsversorgung nach Wegfall des Krankenhauses zu machen. „Das ist ein Thema, das uns noch beschäftigen wird“, sagte Denzinger. Er könne nur jedem Kreispolitiker raten, sich auch mal auf diese Weise direkte Informationen einzuholen und sich nicht nur auf Gutachter zu verlassen.

Klaus Denzinger, Kreisrat FDP
Klaus Denzinger, Kreisrat FDP | Bild: Sandro Kipar

Denzinger hat mehrere Problempunkte ermittelt.

  • Die Fahrtzeiten: Durch den Wegfall des Krankenhauses Bad Säckingen müssen die Rettungswagen (RTW) heute nach Waldshut fahren oder nach Lörrach. Das verlängere die Fahrtzeiten enorm, so Denzinger. Ein RTW sei deshalb übermäßig lange im Einsatz. Beispiel: Ein Rettungseinsatz in Murg. Der RTW mit Notarzt fuhr früher von Bad Säckingen nach Murg, holten den Patienten und brachte ihn ins Spital Bad Säckingen. Reine Fahrzeit: längstens eine halbe Stunde. Heute muss der RTW von Bad Säckingen nach Murg, von dort mit dem Patienten nach Waldshut und dann wieder zurück nach Bad Säckingen. Die Fahrzeit inklusive Übergabezeit liegt laut Denzinger dann bei eineinhalb Stunden. Für Lörrach sehe das ähnlich aus. Solche weiten Wege seien im Rettungssystem des westlichen Landkreises nicht eingeplant. Die aktuell vorhandenen Rettungsmittel seien auf der Existenz eines Spitals mit Notfallambulanz in Bad Säckingen aufgebaut. Nach dem Wegfall müssten deshalb die Kapazitäten im Rettungswesen ausgebaut werden. Wie genau, darüber wolle er sich kein Urteil erlauben, so Denzinger. Ob hier der Einsatz eines zusätzlichen Rettungshubschraubers (z.B. Hütten) helfen kann oder eher weitere Rettungsfahrzeuge, das müssten Fachleute entscheiden. Letztlich ist das auch keine Entscheidung, die das Rote Kreuz allein treffen kann, eine Erhöhung der Kapazitäten muss genehmigt werden.
  • Mehrfacheinsätze: Durch die langen Fahrtzeiten wachse die Wahrscheinlichkeit von Mehrfacheinsätzen dramatisch an, so Denzinger. So seien am Mittwochmorgen zwischen 8.30 und 9 Uhr die beiden Bad Säckinger RTW auf Einsatzfahrt nach Waldshut gewesen, ebenso der in Segeten und der in Laufenburg. Der RTW in Wehr sei erst ab 9 Uhr im Dienst. Denzinger: "Das bedeutet, in dieser Zeit stand im westlichen Landkreis kein einziger Rettungswagen zur Verfügung.“ Glücklicherweise habe es keinen weiteren Notfall gegeben, so Denzinger.
  • Bettenzahl: Unter Strich würden im Landkreis nach der Spitalschließung von Bad Säckingen zu wenig Betten vorgehalten. Auch wenn in den zwei Tagen seines Einsatz keine Notfallpatienten am Krankenhaus Waldshut abgewiesen wurden, so hätten ihm die Rettungskräfte des DRK doch „glaubhaft versichert“, dass das regelmäßig vorkomme – und dies obgleich viele Notfälle von vorne herein gar nicht nach Waldshut gebracht werden. Denn die meisten Patienten in den zwei Tagen seines Einsatzes hätten auf eine Einlieferung ins Krankenhaus Lörrach gepocht, berichtet Denzinger. Das Image des Spitals Waldshut sei schlecht, die Spitäler Hochrhein müssten daran dringend arbeiten, riet Denzinger.