Das Thema Bonpflicht ist in der öffentlichen Diskussion am Hochrhein angekommen. Einer, den die Einseitigkeit der Debatte umtreibt, ist Bad Säckinger Bäckermeister Clemens Pfeiffer, Betreiber von acht Filialen und stellvertretender Vorsitzender der Bäckerinnung im Kreis.

Besonders geärgert hat Pfeiffer ein kürzlich erschienener Leserbrief von Michael Merle im SÜDKURIER. Merle ist Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Bad Säckingen und früherer Bürgermeister in Laufenburg. Pfeiffer hat Merles Leserbrief als Verunglimpfung der Bäckerschaft empfunden, sagte er jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung. Merle hatte in seinem Leserbrief die Bonpflicht als sinnvolles Mittel gegen Steuerbetrug verteidigt und dabei das Beispiel der Bäcker gewählt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kein Wunder stieß das dem stellvertretenden Innungsmeister sauer auf. „Im Grunde bin ich in punkto Bonpflicht durchaus Merles Meinung“, räumt Pfeiffer ein. Aber bei diesem Thema immer die Bäcker an den Pranger zu stellen, bringt ihn auf die Palme. „Die Bonpflicht gilt für alle bargeldintensiven Branchen, ich weiß nicht, wieso immer die Bäcker als schlechtes Beispiel herhalten müssen.“

Er selber habe die Bonpflicht in seinen Filialen schon mit der Anschaffung der ersten digitalen Kassen vor vielen Jahren eingeführt. Jeder Vorgang werde boniert. „Denn für den Kunden muss nachvollziehbar sein, was er gekauft hat, was es gekostet hat und zu welchem Steuersatz.“ Das gebe beiden Seiten Sicherheit, so Pfeiffer.

Das könnte Sie auch interessieren

Für ihn ist die neue Bonpflicht deshalb zunächst nichts neues. Pfeiffer hält das neue Kassengesetz für richtig und sinnvoll – nur müsse der Papierbon mit neuen technischen Möglichkeiten bald durch den Digital-Bon fürs Smartphone abgelöst werden, hofft er. Doch hier sind die entsprechenden TSE-Chipsysteme für die elektronischen Kassen offenbar erst noch in der Entwicklung.

Pfeiffer weiß, dass er mit seiner Haltung in der Bäckerinnung nicht die Mehrheitsmeinung vertritt. Unter der Bäckern werde derzeit zuweilen auch heftig über Sinn und Unsinn diese Bonpflicht diskutiert, so Pfeiffer. Für ihn bedeutet das neue Gesetz nicht unerheblich Investitionen. Er wird für seine Filialen zehn neue elektronische Kassen kaufen, jede zwischen 5000 und 6000 Euro, so Pfeiffer – also eine Investition von 50.000 bis 60.000 Euro. Die Kosten für das Bonpapier sei hingegen zu verkraften, es schlage pro Jahr zwischen 1500 und 2000 Euro zu Buche. Insgesamt, so überschlägt Pfeiffer, verbrauchen seine Filialen im Jahr knapp 10.000 Meter Bonrollen.

Über die Frage, ob die Bonpflicht etwas bringt, wird in der ganzen Republik trefflich gestritten. Der Bundesrechnungshof wie auch der Gesetzgeber gehen davon aus, dass dem Staat durch nicht registrierte Bargeldumsätze pro Jahr etwa zehn Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen. Ob solche Zahlen zutreffen, kann Pfeiffer auch nicht sagen. Worüber er sich aber sicher ist: Die Bäcker dienen nicht als Sündenböcke für das neue Kassengesetz.

Die Debatte

Clemens Pfeiffer wehrt sich gegen die Darstellung in einem Leserbrief von Michael Merle. Merle hatte darin die Bonpflicht als sinnvolles Mittel gegen Steuerbetrug verteidigt und als Beispiel Bäckereien gewählt. zur Bonpflicht schrieb er: „Nach dem Motto Kleinvieh macht auch Mist wurde das eine oder andere Brötchen (oder anderes) hergestellt und verkauft, die Umsatzsteuer dabei zwar auch kassiert, aber dem Finanzamt nicht weitergeleitet... Wenn dieser Praxis nun mit der Kassenbelegpflicht begegnet wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Steuerschummelei deutlich reduziert... Ich möchte mit meinem selbst nur seltenen Brötchenkauf auf jeden Fall keinen Steuerverkürzer unterstützen, selbst wenn es für mich nur ein marginaler Steuerbetrag ist.“