Richter Rupert Stork hatte am Ende keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten und folgte beim Strafmaß dem Antrag der Staatsanwältin. Eine Videoaufnahme am Bahnhof habe gezeigt, dass es von beiden Seiten ein kurzes Gerangel gegeben habe. Der Angeklagte sei aber nicht geschlagen worden.

Er habe sich kurz weggedreht und dann den Geschädigten zielgerichtet mit der Faust aufs Auge geschlagen, so Stork. Beim Strafmaß wurden die Schwere der Verletzung des Geschädigten und die einschlägige Vorstrafe des Angeklagten berücksichtigt. „Das muss aufhören“, gab der Richter dem Delinquenten mit auf den Weg. 

Im ersten Teil der Hauptverhandlung vor einigen Wochen waren bereits fünf Zeugen gehört worden. Ihre Aussagen hatten noch keinen eindeutigen Aufschluss darüber ergeben, ob der Angeklagte gezielt zugeschlagen oder aus Notwehr um sich geschlagen hatte, wie er selbst es behauptet hatte. In der Fortsetzung der Hauptverhandlung wurde eben die belastende Videoaufnahme der Deutschen Bahn vom Tatort gezeigt.

Außerdem wurde die Rechtsmedizinerin Dr. Geißenberger zu der Frage gehört, ob die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten wegen seines erheblichen Bierkonsums eingeschränkt gewesen sein könnte. Nach eigenen Angaben hatte der 28-Jährige im Verlauf des Tages bis zur Tat etwa acht Liter Bier getrunken. Die Sachverständige führte aus, dass nur die Blutprobe eine zuverlässige Aussage über den Grad der Alkoholisierung liefert. Eine solche war aber nicht entnommen worden.

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Die Berechnung der getrunkenen Menge Alkohols im Verhältnis zu Körpergewicht, -größe und Trinkzeit ergibt nur einen Rahmen der Alkoholkonzentration im Blut. Auch der durchgeführte Alkoholatemtest liefert nur Rahmenwerte, weil mit dem Atem unterschiedliche Alkoholmengen ausgestoßen werden.

Die Sachverständige legte ihrer Einschätzung daher hauptsächlich ihre Wahrnehmung des Angeklagten auf dem Video zugrunde. Danach konnte sie kein Schwanken oder sonstige motorische Ausfallerscheinungen feststellen, damit auch keine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit.

Demgegenüber legte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Schuchter, die alkoholbedingte Schuldunfähigkeit seines Mandanten dar, außerdem Aggressionen seitens der Werder-Fans, und beantragte Freispruch, bzw. vorsorglich eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung.