Der Bau der Hochrheineisenbahn brachte Grundstückspläne mit sich, in denen noch Flurnamen enthalten sind, die es längst nicht mehr gibt. Sie zu deuten, ist mitunter schwer oder gar nicht mehr möglich. So auf der ehemaligen Gemarkung Obersäckingen, die mit einer Länge von rund drei Kilometern vom Bahnbau betroffen war. Noch bevor von 1882 bis 1886 in Obersäckingen die Katastervermessung durchgeführt wurde, die zentimetergenau festgelegte Grundstücksgrenzsteine mit sich brachte, waren die meisten Parzellen schon abgemarkt.

Das kam dem Geometer V. Zamponi zugute, dem es 1853 oblag, den auf der Gemarkung Obersäckingen liegenden Teil der geplanten Eisenbahnstrecke Basel – Konstanz zu Papier zu bringen. Der Maßstab 1:1000 war vorgegeben, und so fanden alle 296 betroffenen Grundstücke dieses Streckenabschnittes auf einem 54 auf 294 Zentimeter großem Plan Platz.

Bauern stellen Land zur Verfügung

In diesem Gütervermessungsplan wurde der 6,3 Hektar umfassende Grunderwerb für das Eisenbahnprojekt geregelt. Doch nicht nur für die Trasse selbst und zwei Schrankenwärterhäuser, sondern auch für einige Ersatzwege hatten die Obersäckinger Bauern Land zur Verfügung zu stellen. Weil die Trasse aber relativ nahe am Rhein verlief, waren außer dem Wassmer-Anwesen, das um den südlichen Teil seines Hausgartens kleiner wurde, keine Gebäudegrundstücke betroffen.

Ein Schrankenwärterhaus gab es auch für den Bahnübergang am Landtenbach. Östlich davon befanden sich seinerzeit die Mooslacher Äcker, deren Bezeichnung der Katastervermessung in den 1880er Jahren zum Opfer fiel. Repros: Richard Kaiser
Ein Schrankenwärterhaus gab es auch für den Bahnübergang am Landtenbach. Östlich davon befanden sich seinerzeit die Mooslacher Äcker, deren Bezeichnung der Katastervermessung in den 1880er Jahren zum Opfer fiel. Repros: Richard Kaiser | Bild: Richard Kaiser

Dem Wassmer-Hof gegenüber, auf der Südseite der Bahnlinie, war ein Wohnhaus für einen Schrankenwärter vorgesehen, der nicht nur den Bahnübergang der angrenzenden Rheinstraße (heute Heinrich-Hübsch-Straße) zu bedienen hatte, sondern auch den des 360 Meter ostwärts geplanten Gleisübergangs. Hatten doch fast alle Landwirte des damals 530 Einwohner zählenden Dorfes im weiten Gebiet östlich des Ortes bis zur Gemarkungsgrenze zu Murg am Rothausbächle ihre Äcker zu bewirtschaften, die künftig durch die Bahnstrecke zerschnitten werden sollten.

Und weil der tiefe Landtenbachgraben ein Passieren des landwirtschaftlichen Verkehrs nicht zuließ, sah der Plan auf der östlichen Seite des Baches einen dritten Bahnübergang auf Obersäckinger Gemarkung vor, sowie dort ein weiteres Bahnwärterhaus, denn die Schranken konnten aus Sichtgründen weder vom 1,7 Kilometer entfernten Obersäckinger Schrankenwärter noch von einem Bediensteten des 2,2 Kilometer entfernten Bahnhofs Murg bedient werden.

Häuser für Schrankenwärter

Beide Schrankenwärterhäuser wurden gebaut; das am Landtenbach um 1970 jedoch wieder abgerissen, nachdem man es schon Jahrzehnte zuvor nicht mehr benötigte, weil man den dortigen Übergang schloss. Es war nicht jedermanns Sache, an der Rheinmündung des Landtenbachs abgelegen zu wohnen; insbesondere für die Kinder der Schrankenwärterfamilie, die bis Ostern 1937 in die Schule nach Murg, alsdann in die nach Obersäckingen laufen mussten, was im Winter recht beschwerlich war.

Als einziger Bahnübergang, seit etwa 1970 jedoch mit automatischen Halbschranken versehen, existiert nach wie vor jener an der Heinrich-Hübsch-Straße, über den die Bewohner südlich der Bahnlinie, aber noch viel mehr die zahlreichen Grundstücksbesitzer und Vereinsmitglieder, um zu ihren Wohnhäusern, Clubheimen und Kleingärten zu gelangen, denn längst wird auf den weit über 100 Parzellen entlang des Murger Weges keine Landwirtschaft mehr betrieben.

Benötigt wird dieser Bahnübergang aber auch als Zufahrt zum Feuerwehrgerätehaus, zum THW-Stützpunkt, zur Stadtgärtnerei und zur Grünkompostierungsanlage. Ein eigener Bahnhaltepunkt war für Obersäckingen nie vorgesehen, dafür war die Entfernung zum 1,8 Kilometer entfernten Bahnhof von Säckingen viel zu kurz. Dagegen gibt ein im Güterplan zu erwerbender Geländestreifen mit einer Länge von 72 Metern, der wie ein Bahnsteigvorhaben aussieht und heute noch im Eigentum der Deutschen Bahn ist, Rätsel auf. Weitsichtig plante man 1853 bezüglich des zweigleisigen Streckenausbaues, so dass bei seiner Verwirklichung in den 1980er Jahren hierfür kein Geländeerwerb erforderlich war.

Flurnamen seit Jahrhunderten

Flur- oder Gewannnamen existieren in Obersäckingen schon seit etlichen Jahrhunderten. Sie wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, doch aufgeschrieben wurden sie erst Ende des 18. Jahrhunderts. Im Obersäckinger Bannplan von 1776 wird zwar nur vom Oberen Feld (östlich des Dorfes) und vom Unteren Feld (westlich des Dorfes) unterschieden, doch im Gütervermessungsplan von 1853 sind entlang der Bahnstrecke einige Flurnamen zu ersehen, so (von West nach Ost) Brückliäcker, Untere Dorfäcker, Rheinmatten, Hintere Kirchäcker, Sandäcker, Im großen Feld, Neumattenäcker, Landtenbachäcker, Mooslacheräcker und Rothausmatten.

Bei der Katastervermessung von 1882 bis 1886 wurden einige Flurnamen etwas abgeändert, die Mooslacheräcker und die Rothausmatten aber ersatzlos gestrichen, indem man die Landtenbachäcker bis zum Rothausbächle verlängerte. Ob die darin liegenden Äcker, die sich westlich der Rothausmatten befanden, einst einem gewissen Herrn Mooslach oder Mooslacher gehörten, war vermutlich schon 1886 nicht mehr erklärbar. Möglicherweise war dieser einst ein Besitzer oder Verwalter des Roten Hauses (um 1900 abgerissen), das an einer Engstelle der Hochrheinstraße stand und den südlichsten Punkt der Verteidigungslinie gegen einfallende Franzosen markierte.

Vielleicht leiten sich die Mooslacher Äcker aber auch von der dortigen Bodenbeschaffenheit ab. Der im Obersäckinger Sprachgebrauch genannte Landtenbach ist übrigens der Krebsbach, der von Rippolingen herkommt. Die Obersäckinger lehnten diesen Namen stets ab, genau so wie sie einst den von Egg herkommenden durch ihren Ort verlaufenden Heimbach als Dorfbach bezeichneten.