Die Pächter Angelika und Volkmar Reinhardt geben das Gasthaus "Engel" in Wallbach zum 29. März auf. Wie es gastronomisch in dem Gebäude weitergeht, ist unklar. Die Geschichte des Gastronomiepaars, das aus Dresden an den Hochrhein kam, lesen Sie hier.

Wallbach (mara) Einst hatte das Dorf drei Gasthäuser: Das 1967 eröffnete Café "Egger", in dem zu Beginn noch Livebands spielten und die Wallbacher Traditionswirtschaft "Zur Traube", deren Festsaal für Theateraufführungen und Wallbacher Dorftratsch benutzt wurde. Die erste für diese Gaststätte bekannte Schankerlaubnis wurde 1835 ausgestellt. Anstelle der beiden Gaststätten findet sich heute moderne Wohnbebauung. Nur eine Gaststätte ist dem Dorf erhalten geblieben: Das Gasthaus "Engel" an der Hauptstraße. Doch auch das wird bald Geschichte sein, Wallbach verliert seine letzte Dorfkneipe. Die Pächter, Angelika und Volkmar Reinhardt, werden ihr Lokal am Gründonnerstag, 29. März, schließen. Sie haben das Gasthaus "Engel" seit Juli 1992, also fast 26 Jahre, betrieben. Was mit den Räumlichkeiten geschehen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Angelika Reinhardt (67) und ihr Mann Volkmar (66) kamen ursprünglich von Dresden an den Hochrhein. Zuerst nach Rheinfelden, wo sie unter anderem das FC-Heim führten, später nach Wallbach. Der "Engel" habe ihnen gleich gefallen, erzählen sie. Damals gab es noch eine Tankstelle, eine Postfiliale, einen Edeka und zwei Banken im Ort, erinnern sie sich. Die Mitarbeiter der Alunova kamen um 14.30 Uhr nach Feierabend zum Stammtisch, bevor sie heimfuhren. Rund 15 Jahre hatten sie den "Engel" durchgehend geöffnet, als sie dann ankündigten, dass sie am Nachmittag von 14 bis 16.30 Uhr Mittagspause machen würde, sei ein Aufschrei durch das Dorf gegangen. Doch sie hatten es alleine einfach nicht mehr geschafft. In den ersten Jahren half ihr Sohn, doch nach seinem Wegzug arbeitete das Paar die vergangenen 14 Jahre alleine, er in der Küche, sie im Service.

"Ich bin mit Leib und Seele Koch", sagt Volkmar Reinhardt, der nach dem Abitur eine Lehre als Koch im Zwinger und im Kulturpalast in Dresden absolvierte, später in zahlreichen größeren Hotels als Küchenleiter arbeitete. Seine Frau begann ihre Lehre mit 17 Jahren im Luisenhof in Dresden, arbeitete später im Gewandhaus. "Ich bin jetzt 50 Jahre in der Gastronomie, irgendwann reicht es", sagt Angelika Reinhardt. Obwohl, leicht fällt es ihnen nicht, das Lokal aufzugeben, es sei nicht aus Altersgründen. Das Gasthaus hätte längst renoviert werden sollen. Nun haben sie resigniert, hoffen, noch Gaststättenzubehör, wie Geschirr und Töpfe, verkaufen zu können. Was mit der Lokalität passiert, wissen sie nicht.

Corinna Franzen, der das Wohnhaus nebst Gaststätte gehört, wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt unserer Zeitung gegenüber noch nicht äußern, wie es mit dem Gasthaus "Engel" weiter geht. Ortsvorsteher Fred Thelen bedauert die Schließung des "Engels" sehr. "Das Chinalokal kann man schlecht als Dorfbeize bezeichnen. Nach einem positiven Gespräch mit der Hausbesitzerin, die die Räume weiterhin als Gaststätte vermieten will, hoffen wir, den "Engel" mit einem neuen Wirt behalten zu können", sagt Thelen.