Vor rund 18 Jahren legten Mountainbiker westlich von Rippolingen einen Downhill-Parcours illegal in Privat- und Kommunalwald an. Der Eggberg-Trail ist bei Bikern sehr beliebt und zieht auch Sportler aus der Ferne an. Damit war im Sommer dieses Jahres aber Schluss: Die bislang geduldete Strecke wurde von der Stadt Bad Säckingen gesperrt. Doch Kevin Mann, 19 Jahre alt, setzt sich seither für den Erhalt des Eggberg-Trails ein. Er rief eine Petition ins Leben und ist dabei, mit Gleichgesinnten einen Verein zu gründen, um die Abfahrt zu legalisieren. Denn Mann weiß: "Es gibt keine vergleichbare Strecke in der Region."

Rasante Abfahrt durch den Wald

Etwa fünf Kilometer führt die Eggberg-Abfahrt durch den Wald, immer bergab über Wurzelteppiche, Steinstufen und Sprungschanzen. Rund zehn Meter weit werden die Mountainbiker hier katapultiert, auf bis zu 50 Stundenkilometer werden sie beschleunigt. "Der Eggberg-Trail ist beinahe zwei Jahrzehnte erprobt und bietet optimale Bedingungen für unseren Sport", sagt Mann.

Video: Elias Riedl

So konnte sich der Trail bereits über die Grenzen des Landkreises hinaus einen Namen machen. Mittlerweile aber ist die Strecke von der Stadt gesperrt. "Bis wir eine Lösung für die Probleme finden", erklärt er. Denn die Probleme sind zahlreich: So führt die Abfahrt nicht nur durch Privatwald und Kommunalforst, sie kreuzt außerdem die viel befahrene Landesstraße 152.

Eigentümer haftet bei Unfall

Ein Risiko, dass die Stadt Bad Säckingen nun nicht mehr tragen wollte. Denn haftbar im Falle eines Unglücks ist stets der Waldeigentümer. Das gelte auch dann, wenn die Strecke ohne deren Wissen oder gar Zustimmung angelegt worden sei wie beim Eggberg-Trail, sagt Markus Rothmund, der Leiter des Forstbezirks Bad Säckingen. So regle das Waldgesetz eindeutig, dass derjenige hafte, dem die Verkehrssicherungspflicht obliege. "In letzter Instanz ist das der Revierleiter persönlich", sagt Rothmund.

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Deshalb entschied der Gemeinderat im Juni dieses Jahres, die Eggberg-Abfahrt zu sperren. Gleichzeitig bot man den ansässigen Mountainbikern aber die Möglichkeit, die Strecke zu legalisieren und institutionalisieren: nämlich durch die Gründung eines Vereins und die damit verbundene Übernahme der Verkehrssicherungspflicht.

Bis ein neuer Verein gegründet und die Haftungsfrage neu geregelt ist, bleibt der Eggberg-Trail gesperrt.
Bis ein neuer Verein gegründet und die Haftungsfrage neu geregelt ist, bleibt der Eggberg-Trail gesperrt. | Bild: Reinhardt, Lukas

Satzung des Vereins ist bereits verabschiedet

Rund 20 junge Mitstreiter aus Bad Säckingen und Umgebung hat Kevin Mann seit dieser Entscheidung nun um sich geschart. Sie pflegen die Abfahrt bereits seit Jahren und wollen nun den Verein Eggberg-Trail ins Leben rufen. "Die Satzung ist bereits unterzeichnet und notariell beglaubigt", berichtet Mann. Er wird den Posten des Vereinsvorsitzenden übernehmen.

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Doch zahlreiche bürokratische Hürden verlangsamen den Gründungsprozess: "Und um die Namen der Privatwaldbesitzer zu erfahren und mit ihnen zu verhandeln, muss der Verein bereits bestehen", weiß Mann. Er plant, die Abfahrt zudem um etwa zwei Kilometer zu verkürzen. Denn der obere Abschnitt, der bei Egg beginnt, werde schon heute nicht mehr befahren. Von zunächst 27 Besitzern, durch deren Waldstück die Strecke führt, blieben so nur noch ein bis zwei übrig, sagt Mann: "Und wenn alle Stricke reißen, wird der Trail eben ausschließlich durch Kommunalwald gehen."

Strecke soll zweigeteilt werden

Um die Gefahren der Landesstraße zu umgehen, soll der der Trail zukünftig zudem zweigeteilt werden: "Er endet dann auf einem Feldweg oberhalb der Straße und beginnt erneut auf einem Feldweg darunter." Denn auch für den neu gegründeten Verein gilt: "Dass Mountainbiker einfach über die Straße schießen, können wir nicht verantworten", sagt Mann.

Während der Sperrung bleibt Kevin Mann nur der normale Waldweg zum Mountainbiken. Zwei Meter muss dieser laut Waldgesetz minestens breit ...
Während der Sperrung bleibt Kevin Mann nur der normale Waldweg zum Mountainbiken. Zwei Meter muss dieser laut Waldgesetz minestens breit sein. | Bild: Reinhardt, Lukas

Um dennoch für alle Fälle gerüstet zu sein, muss der Verein zukünftig eine spezielle Versicherung abschließen. Diese soll dann allen Mountainbikern ermöglichen, die Strecke zu befahren – ob sie dem Verein angehören oder nicht. Doch bis alles geklärt, dauert es noch: "Wir hoffen, dass die Strecke bis zur nächsten Mountainbike-Saison Ende März wieder offen ist", so Mann.

Illegale Strecken in der Region

  • Mountainbiker bauen im Landkreis Waldshut immer wieder illegale Abfahrten mit Sprungschanzen und Steilkurven in die Wälder. Das sagt Markus Rothmund, Leiter des Forstbezirks Bad Säckingen. Er kennt neben dem Trail im Bad Säckinger Kommunalwald zwei weitere, nicht genehmigte Mountainbike-Strecken: eine in Waldshut, eine weitere in Niederhof. „Es könnten aber noch mehr sein, von denen ich nichts weiß“, erklärt Rothmund weiter. Anders als die Strecke in Bad Säckingen, die ab dem kommenden Jahr legalisiert werden könnte, werden die Abfahrten in Waldshut und Niederhof jedoch bereits nach und nach zurückgebaut. „Sie sind gesperrt und mit Bäumen als Barrieren versehen“, so Rothmund. Während der Hiebarbeiten im Herbst sollen dann auch die Sprungschanzen und Steilkurven aus Holzstämmen, Felsblöcken und verdichteter Erde wieder aus den Wäldern verschwinden. Grund ist auch hier die Haftungsfrage. „Wenn sich jemand verletzt, können Mountainbiker die Kommunen verklagen“, erklärt Rothmund. Er bestätigt jedoch auch, dass dies in der Vergangenheit bislang noch nicht geschehen sei.
  • Kevin Mann kennt die Mounainbiker-Szene in der Region – und somit auch die zahlreichen Trails, die in den vergangenen Jahren mit steigender Beliebtheit dieses Sports im Landkreis entstanden sind. „Der Unterschied zum Eggberg-Trail ist, dass dieser beinahe professionellen Charakter besitzt und über Jahrzente erprobt und ausgebaut wurde“, erklärt Mann. So seien die Abfahrten in Niederhof und in Waldshut zwar mit viel Aufwand und Anstrengung entstanden, aber dennoch mehr provisorisch als professionell erbaut.