Gibt es seit der Schließung des Bad Säckinger Krankenhauses eine Lücke in der Gesundheitsversorgung am Hochrhein? Entsprechende Befürchtungen gibt es bei den Bürgern im westlichen Teil des Landkreises, seitdem die Krankenhausschließung vor zwei Jahren vollzogen wurde. Nun erhalten sie sogar neue Nahrung.

Denn bei der Gewährleistung des ärztlichen Bereitschaftsdiensts der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), der an den Wochenenden im Krankenhausgebäude untergebracht ist, gibt es offenkundig Schwierigkeiten.

Jüngst war demnach beispielsweise einen ganzen Tag lang kein Arzt im Dienst, wie unsere Zeitung von zwei Betroffenen erfahren hat. Die KV bestätigt dies auf Nachfrage. Der eigentlich eingeteilte Arzt sei demnach nicht zum Dienst erschienen und auch nicht erreichbar gewesen, so Pressesprecher Kai Sonntag. Ein Ersatz konnte nicht organisiert werden.

Es handle sich um einen einmaligen Vorfall. Diesem werde aber nachgegangen: „Wir prüfen im Augenblick, ob gegebenenfalls gegen den Arzt disziplinarisch vorgegangen wird.“

Die Schilderungen der betroffenen Patientinnen

„Heute ist kein Arzt hier. Bitte wenden Sie sich an eines der umliegenden Krankenhäuser.“ So lautete nach übereinstimmender Darstellung der beiden Patientinnen, die sich an uns gewandt haben, die Auskunft, die sie am Vormittag des 5. Oktober erhalten haben, als sie den Hausarztnotdienst im Spitalgebäude aufsuchen mussten.

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Die erste Patientin, eine 75 Jahre alte Frau aus Laufenburg, die namentlich nicht genannt werden möchte, hatte akute Schwindel-Attacken und war von ihrem Ehemann nach Bad Säckingen gebracht worden, nachdem sie sich bei der bundesweiten Servicenummer 116117 über die Sprechzeiten der Notfallpraxis vergewissert hatte. „Eigentlich hätte man doch dort bereits erfahren müssen, dass an diesem Tag kein Arzt im Dienst ist.“ Letztlich ist das Ehepaar ins Krankenhaus Lörrach gefahren, wo die Frau zur weiteren Untersuchung stationär aufgenommen worden sei, wie sie berichtet: „Ich hatte also durchaus ein ernstes Problem.“

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Der 84-jährigen Paula Barkschat aus Bad Säckingen erging es ähnlich, wenngleich sie ihr Problem – eine Erkrankung der Augen – als weniger schwerwiegend darstellt. Es sei aber immerhin schwerwiegend genug gewesen, dass sie nicht in der Lage war, noch eine weitere Strecke per Auto zu fahren, auch wenn die Entfernung nach Waldshut oder Schopfheim laut Kai Sonntag von der KVBW als „zumutbar“ eingestuft wird.

Sie sei daher wieder nach Hause gefahren, habe sich übers Wochenende nach eigenem Gutdünken beholfen und Anfang der Woche zu ihrem Augenarzt gegangen, schildert Paula Barkschat ihr weiteres Vorgehen. „Eine Weiterfahrt nach Waldshut oder Lörrach wäre für mich einfach nicht möglich gewesen. Und eine andere Mitfahrgelegenheit gab es nicht.“

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KV erwägt Schritte gegen den betreffenden Mediziner

Auch wenn es sich laut KVBW um einen einmaligen Vorfall handelt, nimmt die Vereinigung den Vorfall überaus ernst, versichert Kai Sonntag: „Der für den Samstag eingeteilte Arzt ist unangekündigt nicht zum Dienst erschienen und konnte nicht erreicht werden.“

Auch einen Ersatz habe der zuständige Notfallpraxisbeauftragte in der Kürze der Zeit nicht finden können. Letztlich sei nichts anderes übrig geblieben, als die Patienten durch die diensthabende medizinische Fachangestellte an die Notfallpraxen Schopfheim und Waldshut weiterleiten zu lassen. „Die Versorgung der Patienten war also sichergestellt“, betont Sonntag. Das Problem habe auch nur am Samstag, allerdings für die gesamte Öffnungszeit des Bereitschaftsdiensts, bestanden.

Er räumt allerdings ein, dass der Betrieb der Notfallpraxis Bad Säckingen ohne Krankenhausanbindung die KV vor „größere Herausforderungen“ stelle: „Wir finden hier nicht mehr die optimalen, strukturellen Voraussetzungen für den Betrieb einer Notfallpraxis, etwa Anbindung an Labor, Röntgen, stationäre Weiterbehandlung der Patienten.“

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Trotz all dieser Einschränkungen habe sich sich die KV seinerzeit entschieden, die Region im Zuge der Krankenhausschließung mit einer ambulanten Notfallversorgung „aufzufangen“. Die Inanspruchnahme der Notfallpraxis Bad Säckingen sei hingegen „vergleichsweise gering“, so Sonntag.

Patienten reagieren besorgt

Patienten wie Paula Barkschat sind derartige Hintergründe indes egal, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Aus Bürgersicht sei es eine „völlige Katastrophe“, wenn die Notfallpraxis einen ganzen Tag lang nicht besetzt sei.

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Zumal: „Ich war bei genügend Infoveranstaltungen rund um die Spitalschließung, auf denen gesagt wurde, dass es kein Problem bei der Notfallversorgung geben wird. Tatsächlich sieht es aber so aus, als lasse man uns ganz ordentlich in der Luft hängen.“

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Medizinische Notfallversorgung in der Region

  • Der Hausarztnotdienst im ehemaligen Krankenhaus Bad Säckingen ist trotz der Schließung des Hauses vor fast zwei Jahren immer noch an den Wochendenden sowie an Feiertagen vorhanden. Die Öffnungszeiten sind Samstag, Sonntag und an Feiertagen jeweils von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr.
  • Über die Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst deutschlandweit außerhalb der regulären Öffnungszeiten von Arztpraxen kostenlos erreichbar. Das dortige Personal teilt den Standort der nächstgelegenen Bereitschaftspraxis mit oder verbindet direkt mit einem Arzt. Fälle für den Bereitschaftsdienst sind Krankheitserscheinungen, deren Behandlung aber dennoch nicht aufgeschoben werden kann, etwa Erkältungen mit hohem Fieber, starke Hals- oder Ohrenschmerzen, kleinere Schnittverletzungen oder auch akute Rücken- oder Bauchschmerzen. Sollte ein Patient nicht mehr mobil sein, kann ihm über die 116117 auch ein ärztlicher Hausbesuch vermittelt werden, so KVBW-Pressesprecher Kai Sonntag.
  • Die Krankenhausambulanz ist für schwerere Verletzungen zuständig, bei denen möglicherweise eine stationäre Behandlung erforderlich werden kann oder die Infrastruktur einer Hausarztpraxis nicht für eine angemessene Behandlung ausreicht, etwa bei Knochenbrüchen, schwereren Verbrennungen oder auch Schnitt- und Platzwunden.
  • Der Rettungsdienst sollte nur in lebensbedrohlichen Notfällen verständigt werden. Bei Ohnmacht, Herzinfarkt, akuten Blutungen und Vergiftungen ist die Notrufnummer 112 zu alarmieren. Die Aufgabe des Rettungsdienstes besteht rein rechtlich darin, noch vor Ort Maßnahmen einzuleiten, die den Patienten am Leben erhalten oder gesundheitliche Schäden vermeiden, und ihn auf dem schnellsten Weg in das nächste Krankenhaus zu bringen. (msb)