Der Held und sein Wetter: Der Schorsch, also Georg, der Möchtegern-Drachentöter, kämpft gegen Wetter und Sturm. Das ist sicher auch metaphorisch gemeint, diese wichtige Passage aus der neuen Erzählung von Jürgen Glocker mit dem Titel „Aus dem Schwarzen Walde“, die er am Sonntagvormittag vor gut 30 Zuhörern im Rahmen der laufenden Fotoausstellung im Kunstverein Hochrhein in der Villa Berberich gelesen hat.

In dieser Geschichte bleibt alles im Nebel, sie endet nicht eindeutig. Ist es Zufall oder ein Traum? Auch bleibt offen, was es mit besagtem Schorsch auf sich hat. Der Waldhuter Autor und ehemalige Kulturreferent des Landkreises lässt die Geschichte in der Schwebe. Nichts ist eindeutig, alles ist Literatur. Und so kriegt am Schluss der Zuhörer einiges von der Orientierungsnot mit, in der Glockers Protagonist Schorsch steckt.

Aus Zeitgründen kürzte der Autor bei seiner Lesung den ersten Teil der Erzählung, bei der ein Zeitungsmann, Chef der Schopflocher Redaktion, einem Literaturverein einen Text anbietet. In der Geschichte herrscht die ungute Atmosphäre eines klassischen Hochschwarzwälder Novembertages. Schorsch hat Hunger, einen Drachentöterhunger. Der Sommer wurde von Jahr zu Jahr heißer, nicht nur im Rheintal, sondern auch auf den Bergen. Alle Leute reden von Klimaveränderung und Erderwärmung, auch der Schorsch. Dass der Schwarzwaldwinter wieder seine alte Kraft zeigen und mit Macht zuschlagen kann, erfährt man im Folgenden bei einem Naturereignis, einem Wintersturm, wie es ihn selbst im Hochschwarzwald seit Menschengedenken nicht mehr gegeben hat. Der leichtsinnige Schorsch wird vom Wetterumschwung bei einer Autofahrt kalt erwischt. Die Lesung war hier an einer spannenden Stelle angekommen.

Wohin sollte sich der Schwarzwald-Schorsch wenden, als er so tief im Schnee und im Funkloch steckte? Und was bedeutet der Klimawandel für eine Landschaft wie den Schwarzwald? Auch diese Umwelt-Schiene fährt der Autor, aber auch noch andere. Der Schneesturm ist der Plot, aber es ist gleichsam Literatur über Literatur. Was kann Literatur besser beobachten als Politik und Medien, fragt sich Glocker, der auf bestimmte literarische Traditionen fokussiert. So ist es immer auch ein Spiel mit der Literatur, mit inneren Monologen, Anspielungen.

Glocker, ein Anhänger von Beschreibungsliteratur, thematisiert gern das Schreiben. Seine neue Erzählung verweist auf andere Schneestürme großer Erzähler wie Adalbert Stifter, eine weitere literarische Spur im Schnee führt nach Davos zu Thomas Manns „Zauberberg“, einem ähnlichen Schneetraum.

Im Hintergrund der vielschichtigen Erzählung steht aber immer die Frage: „Wie soll man leben?“ Oder: „Wie erzählt man ein Leben?“ Darüber sprach der Autor danach mit den aufmerksamen Zuhörern.

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