Unter dem Thema „Licht und Schatten“ steht das nächste Münsterkonzert am Samstag, 23. November, um 19.30 Uhr. Neben Motetten der Bachfamilie und Telemanns Sonate in G-Dur wird Johann Sebastian Bachs „Actus tragicus“, BWV 106, aufgeführt. 

„Apart besetzt“

Dabei handelt es sich um eine der ersten und unbestritten schönsten Kantaten Bachs. Entstanden ist das Werk vermutlich 1707 in Mühlhausen. „Man sieht an diesem Frühwerk – Bach war gerade 21 Jahre alt – schon seine ganze Meisterschaft“, schreibt Bezirkskantor Markus Mackowiak, der die Leitung übernimmt. Ausführende sind das Vocalconsort Bad Säckingen und das Ensemble Musica Cambiata, das auf historischen Instrumenten spielen wird. Der Orchesterpart ist sehr schlank und mit zwei Blockflöten, zwei Gamben und Basso continuo „apart besetzt“, so der Dirigent.

Solisten beim Konzert

Als Solisten werden Marlis Schlageter (Sopran), Irene Hofmann (Alt), Davide Fior (Tenor) und Christian Feichtmair (Bass) auftreten. Der Text des „Actus tragicus“ besteht aus Bibelworten des Alten und Neuen Testaments sowie den Liedstrophen „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ von Martin Luther sowie „Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit“.

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Wird im ersten Teil die Sicht des Alten Testaments auf das Thema Sterben dargestellt, so bestimmt die Sichtweise des Neuen Testaments den zweiten Teil – dieser Dualismus erklärt den symmetrischen Aufbau der Kantate. Der Titel ist etwas irreführend, denn der Text ist nicht tragisch im Sinne der Dramentheorie, die die Unausweichlichkeit des Untergangs und die Unversöhnlichkeit der Gegensätze hervorhebt.

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Zwar geht es in der Kantate um das Sterben und das Bewusstsein der Vergänglichkeit (dies ist geradezu ein barocker Topos), doch wird die Härte des Todes durch die christliche Heilszuversicht und das Vertrauen auf Gott überwölbt und überwunden.

Das Bewusstsein des eigenen Todes führt nicht zur Resignation, sondern wird als Aufforderung verstanden, das irdische Leben bewusster zu gestalten, getragen von der Gewissheit auf Auferstehung. Entsprechend mündet die Kantate in den Lobpreis Gottes. Bach hat diesen Text in eine musikalische Form gefasst, die die traditionelle Kantatenform mit den neuen musikalischen Einflüssen aus Italien verband, namentlich der bedeutenden Rolle der Rezitative und Arien.