Bad Säckingen – „Ich fühle, fühle – eine aufsteigende Wärme in mir“, meint die altjüngferliche Schwester des Barons und wird von Zuckungen befallen. Klassischer Fall von Hysterie des 19. Jahrhunderts, ganz nach dem freudschen Lehrbuch, denkt man. Doch plötzlich bricht sie zusammen und stirbt. Der Bittermandelgeruch und die Hautverfärbungen lassen keine Zweifel aufkommen: Hier wurde ein Mord mit Blausäure verübt.

Erwischt: Der Dorfpolizist nimmt die Drahtzieherin des Verbrechens fest. Bilder: Michael Gottstein
Erwischt: Der Dorfpolizist nimmt die Drahtzieherin des Verbrechens fest. Bilder: Michael Gottstein | Bild: Michael Gottstein

Die Suche nach dem Mörder wurde zu einem rund dreistündigen Rate- und Speisevergnügen, als das von Stefan Meier und Monika Blank verfasste Krimidinner „Mord in der Fuchshöhle“ nach fünf Aufführungen am Mittwochabend seine Dernière im gleichnamigen Restaurant feierte. Es war ein Schauspiel nach klassischem Krimimuster mit versteckten Hinweisen, zahlreichen Verdächtigen und viel Bad Säckinger Lokalkolorit. Kostümbildnerin Ruth Nowack hatte die Mitglieder der Festspielgemeinde sowie drei Laienschauspieler, die erst beim Eintritt instruiert wurden, in gründerzeitliche Kostüme gesteckt.

Gespannt: Pater Fridolin vom Hl. Kreuz.
Gespannt: Pater Fridolin vom Hl. Kreuz. | Bild: Michael Gottstein

Anlass ist der 70. Geburtstag des grantelnden Barons von Schönau (gespielt von Gerald Hacker), der aber in seiner Jugend kein Kostverächter gewesen war. Butler Helmut Kaltenbach stellt die Gäste ihrem Rang entsprechend vor und verteilt großzügig Adelstitel, schließlich befindet man sich im statusbewussten 19. Jahrhundert, kurz nach dem Jahre 1883, als die römischen Katholiken das Münster von den Altkatholiken zurückerobert hatten – sehr zur Freude der Geistlichkeit in Person von Pater Fridolin vom Heiligen Kreuz (Johannes Brenke), Schwester Bernadette (Beatrix Ullrich) sowie des Bürgermeisters Anton Leo (Alexander Guhl), der so gerne gegen die Altkatholiken wettert.

Kein ungetrübtes Familienidyll: Der Baron mit seiner Tochter und Schwester.
Kein ungetrübtes Familienidyll: Der Baron mit seiner Tochter und Schwester. | Bild: Michael Gottstein

Die größte Freude im Leben des Barons ist seine Tochter (Evelyn Marten), hingegen machen ihm sein trunksüchtiger Sohn Gregor (Amon Frost) und seine altjüngferliche Schwester (Carola Plassmann) das Leben schwer. Diese bricht nach dem Genuss der Apfel-Kürbis-Suppe zusammen, und sogleich beginnt das Ratespiel: Sind religiöse Intrigen im Spiel, waren es gar die Altkatholiken, wie der Bürgermeister gleich vermutet? Oder spielen geheime Gänge zwischen Schloss und Kloster eine Rolle, um die Keuschheitsgelübde zu brechen? Schließlich weiß auch Hutmacherin Fräulein Sophie Stoll (Edith Beising) Pikantes über die Mutter des Butlers zu berichten.

Bürgermeister Anton Leo mit Gattin
Bürgermeister Anton Leo mit Gattin | Bild: Michael Gottstein

Oder galt der Anschlag der Tochter, da sie mit ihrer Tante den Platz getauscht hatte? Spielt etwa geschwisterliche Rivalität eine Rolle? Mit diesen offenen Handlungsfäden wurden die Gäste in den Hauptgang entlassen, bei dem wahlweise Rinderbraten, Trüffel-Risotto oder Zanderfilet serviert wurde.

Mondän: Noch scheint die „Dame“ mit Vergangenheit siegessicher.
Mondän: Noch scheint die „Dame“ mit Vergangenheit siegessicher. | Bild: Michael Gottstein

Schließlich taucht zum Schreck der Kleinstadthonoratioren eine mondäne Dame auf, und Carola Plassman genoss es, den verruchten Charakter der Figur ebenso hervorzukehren, wie sie zuvor die altjüngferliche, mit leicht hysterischen Untertönen durchzogene Betulichkeit der Ermordeten dargestellt hatte. Die „Dame“ entpuppt sich als ehemaliges Kindermädchen, das ein Verhältnis mit dem Baron gehabt hatte. Sie ist die Mutter Gregors.

Die Honoratioren der Stadt feiern den Geburtstag des Barons.
Die Honoratioren der Stadt feiern den Geburtstag des Barons. | Bild: Michael Gottstein

Hat sie den Sohn angestiftet, seine stets bevorzugte Schwester zu vergiften, um sich das Erbe des Barons zu sichern? Ein handfestes Motiv zwar, aber Gregor fehlte die Gelegenheit. Wer sich den Unterarm der Bedienung (Tina David) genau angesehen hatte, verfügte über genügend Hinweise, um vor dem Dessert (Schokoladenschaum mit Eis und Apfelkompott) den Fall zu lösen. Zum krönenden Abschluss half der Herausgeber der „Trompeterblattes“ (Stephan Otto Müller) dem Dorfpolizisten (Raimund Huber) bei der Lösung: Die Bedienung ist die Schwester der Dame und wurde von ihr überredet, die Suppe der Baronesse mit Zyanid zu „würzen“, um Gregor zum Erbe zu verhelfen – leider traf der Anschlag aber die Falsche. Für den „knalligen“ Abschluss sorgte schließlich die fremde Dame.

„Alles muss man selber machen“, schrie sie und zog eine Pistole, um gründlich „abzuräumen“, wurde aber vom Polizisten daran gehindert. Zwei Gäste errieten die Mörderin und das Motiv, und eine Dame erkannte zusätzlich das Muttermal der Bedienung; sie darf sich nun über einen Gutschein für die Fuchshöhle freuen.