Satire – der Stachel im Fleisch der Mächtigen. Und keine Frage – die Kabarettistin Lisa Catena hat den Panda-Code geknackt. Mit ihrem zweiten Kabarett-Solo gastierte sie am Mittwoch im Bad Säckinger Kursaal im Rahmen der 10. "Kultur im Kursaal"-Reihe und brachte das Publikum sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln und Lachen. Die Außensicht einer Schweizerin auf Deutschland und seine politischen Verhältnisse traf ins Schwarze.

Lisa Catena zeigt viele Aspekte aus Politik und Gesellschaft durch die Linse der Satire.
Lisa Catena zeigt viele Aspekte aus Politik und Gesellschaft durch die Linse der Satire. | Bild: hak

"Ich bin nicht hier, um günstig einzukaufen oder die Parkplätze zuzustopfen", nahm sie gleich ihre Landsleute und den von ihnen praktizierten Einkaufstourismus ins deutsche Grenzgebiet aufs Korn. "Es ist aufregend, hier in Europa zu spielen." Nämlich zur Langsamkeit, welche die Deutschen der Schweiz bald streitig machen würden. Doch in einem Punkt bleibt die Schweiz führend: "Bis wir Schweizer in der EU drin sein werden, sind alle anderen längst raus." Und es wäre keine politische Satire, wenn es nicht gleich knüppelhart zu Sache ginge – zur Ausländerfeindlichkeit. Da ist sich die Kabarettistin sicher: auch in Sachen Ausländerfeindlichkeit werde Deutschland wohl der Schweiz den Rang ablaufen – vor allem, nachdem sich Alice Weidel von ihrem Wohnsitz in Biel wieder in Richtung Heimat Deutschland entfernt hat.

Ein Körnchen Wahrheit ist überall versteckt

Beißender Humor und Spitzfindigkeiten wechseln sich ab mit Pointen, die erst bei genauem Zuhören den Hintergrund zeigen. Ein Körnchen Wahrheit ist überall in Catenas Programm versteckt. Widersprüche werden zur Normalität, Normalität zum Widerspruch. Sie regt an zum Nachdenken, zum Hinterfragen. Kabarett klärt auf, das kommt bei ihr ganz klar zum Ausdruck. Und um alles zu veranschaulichen, unterteilt sie Menschen und Gruppierungen in die Kategorien Pandas und Laubfrösche. "Frau Merkel ist ein Pandabär. Deutschland ist ein Laubfrosch – die haben die weißen Socken in Treckingsandalen erfunden und Boris Becker." Die Halbitalienerin Lisa Catena macht nicht halt vor Mussolini und Berlusconi. Sie vergleicht Politiker mit domestizierten Wildschweinen, analysiert Hysterie, macht rülpsende Kühe für Klimawandel verantwortlich. Ganz krass geht es über zur Sterbehilfe: "Wir Schweizer tun was für die Umwelt – wir leisten Sterbehilfe", wovon auch deutsche "Sterbetouristen" profitieren.

Satire zeigt viele Aspekte der Wahrheit.
Satire zeigt viele Aspekte der Wahrheit. | Bild: hak

Seit 2012 tourt die Schweizer Kabarettistin mit eigenem Programm. Als einzige Frau im deutschsprachigen Raum hostet sie ihre eigene politische Satiresendung auf SRF1. Ebenso schreibt sie als Kolumnistin für den Blick am Abend, den Nebelspalter und das Thuner Tagblatt. In drei Jahren räumte sie sämtliche Preise in ihrem Heimatland ab: den Swiss Comedy Award, den Förderpreis Oltner Kabarett-Tage und den "Goldige Biberflade". Auch den Kabarett Kaktus 2015 in München sowie 2017 den Stuttgarter Besen in Silber holte sie in die Schweiz. Das Publikum belohnte die Künstlerin für ihr interessantes Programm mit viel Applaus.

Ein leckerer Burgunder statt Blumen, wie sonst für Damen üblich – da freut sich die Kabarettistin.
Ein leckerer Burgunder statt Blumen, wie sonst für Damen üblich – da freut sich die Kabarettistin. | Bild: hak