„Wir waren auf alles gefasst“, erzählt Waltraud Wunderle. Die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende der römisch-katholischen Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg ist eine der Mitorganisatorinnen der Protestaktion „Wir haben eine Stimme“. Inspiriert durch die bundesweite Aktion Maria 2.0 hatte eine Gruppe von Frauen der Seelsorgeeinheit am Sonntag vor das Fridolinsmünster geladen. Die Frauen blieben nicht allein. Teilnehmer und Teilnehmerinnen aller Generationen folgten dem Aufruf.

Ein Gruppe von Frauen der Kirchengemeindet Bad Säckingen-Murg hatte gestern zur Aktion „Gib uns eine Stimme“ auf den Münsterplatz eingeladen.
Ein Gruppe von Frauen der Kirchengemeindet Bad Säckingen-Murg hatte gestern zur Aktion „Gib uns eine Stimme“ auf den Münsterplatz eingeladen. | Bild: Brigitte Chymo

„Wir wussten wirklich nichts. Kommen viele oder stehen wir alleine da“, so Wunderle nach der Aktion. „Eigentlich sind wir sogar überrascht, auch wenn wir uns über mehr Leute immer gefreut hätten“, meint die Mitorganisatorin dennoch zufrieden. Immerhin zwischen 80 bis 100 Personen aus der ganzen Seelsorgeeinheit hatten um 10 Uhr vor dem Münsterportal eingefunden. Da waren Kinder, betagte Senioren, viele Frauen und auch viele Männer. Sie alle standen in einem Halbkreis vorm Münsterportal.

Teilnehmer unterschreiben die Petition an Erzbischof Stephan Burger.
Teilnehmer unterschreiben die Petition an Erzbischof Stephan Burger. | Bild: Brigitte Chymo

Rechts vor Portal war eine mit losen Backsteinen aufgebaute Klagemauer, in die später viele ihre auf weiße Zettel geschriebenen Klagen hineinsteckten. Oder auch die Rose, die zu Beginn der Aktion an alle Teilnehmer verteilt worden war. Auf Bistro-Tischen lag die Petition an Erzbischof Stephan Burger aus. Viele unterschrieben sie noch vor Ort. Links vor dem Münsterportal standen zwei große Informationstafeln. Eine Wand war gespickt mit Fakten, auch zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, die andere mit Presseberichten zur Protestwoche Maria 2.0.

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Vor dem Haupteingang fragte das Organisationsteam mit Andrea Koubik, Roswitha Thesing, Danijela Landes, Sonja Spieldenner, Stefanie Brand, Christine Wurche und Waltraud Wunderle: „Warum stehen wir heute hier?“ Weil es in ihren Augen als Frau so in der Katholischen Kirche nicht weitergehen könne. Warum machten „die hohen Herren“ ihre eigenen Gesetze, wo das Grundgesetz doch sage, alle Menschen seien gleich?

In eine „Klagemauer“ vor dem Münster konnte jeder seine Klagen und Wünsche einlassen.
In eine „Klagemauer“ vor dem Münster konnte jeder seine Klagen und Wünsche einlassen. | Bild: Brigitte Chymo

Die Protestierenden forderten die Aufhebung des Zölibats, den Zugang zum Priesteramt für Frauen, die Exkommunikaton von Priestern, die Missbrauch begangen haben, eine geschwisterliche Kirche und eine des 21. Jahrhunderts. Vor allem aber wollen sie „eine Zukunft für unsere Kirche.“ Applaus dafür kam nicht nur von den Teilnehmern. Es schien, als ob die Münsterglocken an diesem Morgen ganz besonders kräftig und melodisch klangen. Singend marschierten die Teilnehmer anschließend in den Pfarrgarten zu einer etwas anderen Maiandacht. Texte zur Mutter, Mittlerin und Fürbitterin Maria sollten Denkanstöße geben. Zum Abschluss wurde frisches Brot verteilt.

Nach der Maiandacht gab es frischgebackenes Brot.
Nach der Maiandacht gab es frischgebackenes Brot. | Bild: Brigitte Chymo

Die weißen Zettel aus der Klagemauer sind gut verwahrt. „Die Klagen sind eine gute Hilfe“, meint Waltraud Wunderle. Die Organisatorinnen wollen die auf den Zettel festgehaltenen Inhalte weitertragen. Erst in die Gemeindeteams, dann in den Pfarrgemeinderat und schließlich „nach oben“.