Der dritte Teil des Schwerpunktprogramms "Nordische Musik" der Säckinger Kammermusik-Abende brachte 22 Nummern der Schauspielmusik zu "Peer Gynt" für Bläserquintett mit der Moderation von Juri Tetzlaff: Eigentlich eine Fassung für Kinder, aber auch für die Abonnenten durchaus anhörenswert. Nach so unterschiedlichen Umsetzungen wie denen vom Orchesterverein Bad Säckingen und dem Casal Quartett mit Katja Riemann war dieser dritte "Peer Gynt"-Abend mit der Bühnenmusik zu dem norwegischen Nationaldrama ein weiterer Aspekt in anderer musikalischer Form.

Der fernsehbekannte Kinderkanal-Moderator erzählt die Geschichte des Fantasten Peer Gynt kindgerecht in eigenen Worten als einem wilden Burschen, der nur Flausen im Kopf hat. Und so reist ein vollbesetzter Kursaal mit ihm und Gynt ruhelos durch die Welt von den norwegischen Bergen bis in ein Zelt in der Sahara.

Mit viel Mimik

Wenn der wie stets jungenhaft wirkende Tetzlaff über die hässlichen Trolle fabuliert, macht er das mit viel Mimik und schauspielerisch. Doch er nahm sich diesmal etwas zurück, kasperte nicht auf der Bühne herum, sondern blieb für seine Verhältnisse recht dezent, was die Geschichte für beide Zielgruppen, Kinder wie Erwachsene, interessant machte. Auch wurden die einzelnen Musikstücke nicht bloß angespielt oder dienten als Hintergrundmusik, sondern waren zusammenhängende Programmmusik. So war die musikalische Handlung gut zu verfolgen. Die Süddeutschen Bläsersolisten von Pro Five ließen sich in dieser von ihrem Oboisten Jochen Müller-Brincken für Blasinstrumente arrangierten Version von den unterschiedlichen Temperamenten der Stücke leiten. Im zweiten Teil, dem "Erwachsenenprogramm", saßen erfreulicherweise noch viele junge Zuhörer in der ersten Reihe.

Im Zeichen französischer Leichtigkeit

Mit Frankreich hatte die Region gewechselt, und die französische Kammermusik stand ganz im Zeichen impressionistischer Klangfarben und französischer Leichtigkeit. Tonlich delikat realisiert wurde Ravels "Tombeau de Couperin" in dem auf die charakteristische Bläserbesetzung zugeschnitten Arrangement von Mason Jones – allerdings nur eine Kurzfassung. Das berühmteste Stück, die Forlane, fehlte. Dafür gab es mit dem spätromantischen Bläserquintett von Paul Taffanel das selten gespielte, aber bekannteste Stück des französischen Flötisten und Komponisten. Hier war opernhafter Schwung gefragt, und das Ensemble fand präzise zusammen und glänzte im Pariser Virtuosenstil des 19. Jahrhunderts. Im Verlauf des Abends wurde es musikalisch immer lebendiger und das Konzert endete erfrischend und köstlich-witzig mit zwei Zugaben von Debussy und Jacques Ibert, wobei die kapriziöse Virtuosität Iberts sich in der technisch-tonlichen Brillanz spiegelte. Es lohnte sich also, alle drei Konzerte in der "Norden"-Reihe anzuhören, so verschieden in den musikalischen Ansätzen sie auch waren.