„Wir brauchen politische Akzeptanz in der Stadt und im Kreis“, benennt der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl das augenblicklich vordringlichste Ziel in Sachen Gesundheitscampus.

Gemeinsam mit dem neuen Campusmanager Peter Mast informierte er am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Rathaus über die Inhalte einer nichtöffentlichen Sitzung des Bad Säckinger Gemeinderats zum Campus. Es müsse klar gemacht werden, dass es sich dabei um kein Projekt ausschließlich für Bad Säckingen, sondern um eines für den ganzen westlichen Landkreis handele, und damit das Vorhaben Sache des ganzen Landkreises sei, so Guhl und Mast. Ziel sei die Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region.

Der Gemeinderat hatte sich am Freitag vergangener Woche mit dem Gesundheitscampus befasst. Am Tag danach kam zum selben Thema auch der Kreistag zu einer Klausurtagung zusammen, wie ebenfalls am Mittwoch das Landratsamt in einer Pressemitteilung sagte. Öffentlich wird der Sachstand zum Gesundheitscampus in der Sitzung des Kreistags am 16. Mai in Waldshut dargelegt. Vor dieser Sitzung wollten das Landratsamt und Landrat Martin Kistler sich nicht näher zur Sache äußern.

 

Kreis und Land sollen zahlen

Anders der Bad Säckinger Bürgermeister. Zu den finanziellen Möglichkeiten seiner Stadt erklärte Guhl, es sei jedem bekannt, dass sie „keine Millionen“ beisteuern könne. Für die Umgestaltung des ehemaligen Krankenhauses in einen Gesundheitscampus steht ein Finanzbedarf in Höhe von rund 25 Millionen Euro im Raum. 12,7 Millionen würde der Landkreis geben. Einen weiteren Teil soll das Land tragen. „Und dann bleibt noch was übrig“, so Guhl am Mittwoch.

Keine Aussagen machte er über eine finanzielle Beteiligung Dritter, wie etwa in Calw. Dort tritt die regionale Sparkasse als Investor für einen Teil des dortigen Gesundheitscampus auf.

Für nicht entscheidend hält der Bad Säckinger Bürgermeister, ob die Stadt oder der Landkreis mehr Anteile an der Trägergesellschaft des Campus hat: „Ob da der Kistler oder der Guhl als Vorsitzender unterschreibt, das ist egal.“ Er könne sehr wohl damit leben, wenn die Stadt weniger als 51 Prozent Anteile an der Campus-Gesellschaft besitze, so Guhl. Wichtig sei nur, dass Bad Säckingen beteiligt sei.

Die Notfallversorgung und die Geriatrie sollen so etwas wie den Kern des Gesundheitscampus bilden. Bad Säckingen soll als Schwerpunkt der Altersmedizin im Landkreis aufgebaut werden. Von rund 90 kreisweit benötigten Betten für die stationäre und akute Behandlung sollen rund 60 auf dem Campus zur Verfügung stehen. Ein Ausbau des geriatrischen Angebots macht nach Auffassung von Guhl und Mast angesichts der demographischen Entwicklung Sinn: "Der Bedarf ist da."

Die Notfallversorgung auf dem Campus soll vor allem jene Zeiten abdecken, in denen die örtlichen Arztpraxen nicht geöffnet seien, etwa abends nach 19 Uhr. Eine Notfallversorgung die ganze Nacht über bis zur morgendlichen Öffnung der Arztpraxen hält Campusmanager Peter Mast aber für finanziell nicht darstellbar. Schon gar nicht eine 24 Stunden-Notfallversorgung an sieben Tagen die Woche.

Um Geriatrie und Notfallversorgung herum sollen sich Arztpraxen, Apotheken und andere Einrichtungen aus dem medizinischen und sozialen Bereich, darunter ein Kindergarten, gruppieren. Die Möglichkeit, ambulante Operationen durchzuführen, würde Campusmanager Mast sehr begrüßen. Auch Pflegeeinrichtungen wären denkbar. "Sicherlich wird auch das Reha-Klinikum eine Rolle spielen", so Mast, der zusammen mit dem Gesundheitscampus auch diese Einrichtung leitet. „Wir wollen ein sektorenübergreifendes Konzept“, fasste Guhl zusammen. Dieses müsse für den Betreiber des Campus ökonomisch auskömmlich sein. Guhl ist hier optimistisch: „Die GmbH wird kein Geld verdienen. Sie darf aber auch kein Geld verlieren.“

Kooperation mit Spitäler Hochrhein

Ausschlaggebend für einen erfolgreichen Betrieb hält Guhl das Gelingen der Kooperation mit der künftig wohl kreiseigenen Spitäler Hochrhein GmbH. Hier hat der Bürgermeister ein positives Gefühl: „Ich habe den Eindruck, die Spitäler Hochrhein würden mitziehen.“ Spital und Campus müssen sich auf die Verteilung der stationären geriatrischen Betten im Kreis einigen. Und der Campus soll Patienten an das Spital überweisen.

Ob der Betrieb so aufgeht, wie von Guhl und Mast erwartet, sollen Experten durchrechnen. Wie das Landratsamt mitteilte, werde zunächst ein „business case“ erstellt, in dem ein mögliches Geschäftsszenario auf seine Realisierbarkeit und Rentabilität hin geprüft werde. Damit sei bis Ende Juni zu rechnen. Der neben der erforderlichen Wirtschaftlichkeit zweite Knackpunkt für den Gesundheitscampus ist die Genehmigung des geriatrischen Konzepts durch das Ministerium.

Der Sachstandsbericht zum Gesundheitscampus wird am Mittwoch, 16. Mai, 16.30 in Waldshut m Kreistag vorgestellt.