Bad Säckingen (mara) Der islamische Theologe und Islamwissenschaftler Fatih Sahan aus Köln, Landeskoordinator der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) Landesreligionsgemeinschaft Baden, sprach am Mittwoch im Rahmen der Interkulturellen Woche im evangelischen Gemeindehaus in Bad Säckingen über die verschiedenen Strömungen im Islam. Dabei versuchte er, Hintergründe und Ursachen der Krisen in islamischen Ländern aufzuzeigen. Der Vortrag, organisiert vom multikulturellen Beirat in Bad Säckingen, fand großes Interesse unter der deutschen Bevölkerung, unter Muslimen und Andersgläubigen. Unterstützt wurde der Theologe von Adnan Üstün, Imam der türkisch-islamischen Gemeinde Bad Säckingen. Den Abend moderierte der evangelische Pfarrer Winfried Oelschlegel.

Der seit 2002 in Deutschland lebende islamische Theologe Fatih Sahan, der in Freiburg studierte, versuchte, den Zuhörern im voll besetzten Gemeindehaus umfassendes Wissen über den Islam zu vermitteln. So sei "der freie Wille eines der wesentlichen Bestandteile des Glaubens im Islam", so der Theologe, "in der Religion gibt es keinen Zwang, niemand kann zum Übertritt in eine Religion gezwungen werden, sei es Islam, Christentum oder Judentum." Fatih Sahan unterstützte seinen Vortrag mittels verschiedener Koransuren. Der Koran enthalte "nur etwa sechs Prozent Lebensvorschriften", sagte er und versuchte unter anderem ethische Werte zu vermitteln.

Die Besucher hatten viele, teils auch kritische Fragen: "Ob der Islam Angst vor Demokratie habe?" Oder, bezogen auf Bad Säckingen, die Moschee und die zahlreichen, hier lebenden Flüchtlinge: "Wie funktioniert das Zusammenleben, ist es friedlich, welches Konfliktpotenzial bietet sich?" Hans-Peter Karrer vom multikulturellen Beirat interessierte sich: "Wie frei ist der Imam, wie frei in seinem Freitagsgebet, welche Leitlinien hat er?" Fatih Sahan versuchte gemeinsam mit Imam Adnan Üstün, so viele Fragen wie möglich zu klären, doch der zeitliche Rahmen war begrenzt.

Mit einem Blick zurück in die Vergangenheit der einzelnen Glaubensrichtungen versuchte der Theologe aufzuzeigen, wo die Hintergründe und Ursachen für Konflikte zu finden sein könnten. Die Kultur des Herkunftslandes sei prägend "für die Bedeutung von Religion und Religiosität", so Fatih Sahan. Was mit einem Arabischen Frühling begann, sei "mittlerweile ein Arabischer Winter", betitelte Sahan die Geschehnisse ab dem 19. Oktober 2010 und beleuchtete den Verlauf der Proteste bis in die jüngste Zeit.

Fatih Sahan und Adnan Üstün: "Wir sind seit 55 Jahren hier und praktizieren ein gut etabliertes, friedvolles Zusammenleben." Dies konnte der evangelische Pfarrer Winfried Oelschlegel nur bestätigen: "Es besteht ein gutes Miteinander, wir sind hier auf einem guten Weg." Seit vielen Jahren ist daher der Besuch der Moschee fester Bestandteil des Konfirmandenunterrichts. "Niemand soll ausgeschlossen werden, die Türen der Moschee sind für alle Menschen da. Wir fragen die Flüchtlinge nicht nach ihrer Religion, alle kamen zum Fastenbrechen", so Üstün und Sahan, "unsere Moschee gehört nicht zu einer bestimmten Konfession.

" Für das Freitagsgebet gebe es "Empfehlungen, aber sie selbst bestimmten ihre Predigt", sagten Üstün und Sahan. Ihre Mitglieder seien aus verschiedenen politischen Richtungen", erklären sie, doch schränken sie klar ein: "In muslimischen Gotteshäusern sollte keine Politik betrieben werden." Fatih Sahan äußert sich froh: "Der deutsche Staat hat großes Vertrauen in die Arbeit von DITIB." Auch würden die Imamen eine "gewisse Autorität" genießen.

Muslime in Deutschland

Laut einer BAMF Statistik aus dem Jahre 2009 leben laut Faith Sahan 4,3 Millionen Muslime in Deutschland, die Hälfte davon habe die deutsche Staatsangehörigkeit. Insgesamt würden die Muslime fünf Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, so Sahan. Basierend auf der Grundlage der Quelle MLD von 2008, belegte Faith Sahan, dass unter allen Glaubensrichtungen die sunnitische mit 74,1 Prozent die größte sei.

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