Eine besondere Theaterpremiere wurde am Samstag in den Räumen der Festspielgemeinde Bad Säckingen gefeiert: das integrative, interkulturelle Theaterstück „Von Heimat zu Heimat“, das sich mit dem Thema Integration befasste. Ein einfühlsames Stück mit starken Darstellern (Jule Kaufmann, Amon Frost, Conan Zipser, Felix Storkenmaier, Satang Tunkara, Modou Touray und Ehab Alsweidani), das berührte und nachdenklich machte, aber auch hoffen ließ. Der Auftritt wurde vom Publikum mit nicht enden wollendem Applaus belohnt.

Vier Jugendliche und drei Flüchtlinge aus Bad Säckingen, zwischen zwölf und 27 Jahre alt, setzten das sensible Thema Flüchtlinge und Integration hervorragend und einfühlsam um. Es war ihr erster gemeinsamer Auftritt als Theatergruppe. Die Konstellation – eher Zufall. Corina Gerspach und Stefan Meier, Ideengeber und Spielleiter, wollten eine Jugendtheatergruppe gründen, zu der auch die drei Flüchtlinge stießen. So entstand gemeinsam die Idee zu einem eigenen Stück. Dass es sich mit dem Thema Integration befasste, ergab sich dabei. Während der Proben kamen auch die Flüchtlinge emotional an ihre Grenzen, schmerzhafte Erinnerungen wurden wach. Das wiederum machte ihr Spiel authentisch. Ist die Einstiegsszene, die in Afrika spielt, anfangs mit Satang Tunkara als singende und kochende Einheimische noch komisch, wechselt sie kurz darauf zur Tragik.

Meta hat Besuch von ihrem Cousin und dessen Freund (Modou Touray und Ehab Alsweidani), doch plötzlich donnernde Maschinengewehrsalven versetzen alle in Angst und Schrecken. Die Männer werden getroffen, lassen eine zu Tode verängstigte und verzweifelte Meta zurück, berührend gespielt von Satang Tunkara. Nach der Flucht nach Deutschland kämpfen die Flüchtlinge gegen die Ablehnung der anderen. Die Sicht der Gesellschaft wird verkörpert durch die oberflächliche Jugend (Jule Kaufmann, Amon Frost, Conan Zipser, Felix Storkenmaier), die „abhängt“, Flüchtlinge ablehnt, Vorurteile hat und misstrauisch ist. Das „Verschanzen“ hinter den selbst gefertigten Masken, eine Anspielung auf die vermeintliche Anonymität in den sozialen Netzwerken. „Die klauen in den Läden.“ Ein vorsichtiges aneinander Herantasten und Taxieren folgt und die Einsicht von Jule: „Die waren voll nett, wir können noch viel von ihnen lernen.“

Im Theaterstück gibt es am Ende ein gemeinsames „Wir“. Und dass im Grunde genommen, die vielen Wünsche und Hoffnungen wie Frieden und Toleranz, die die Flüchtlinge im Theaterstück als Schildchen an die Wand kleben, in jedem stecken, zeigte auch die Befragung der Theatergruppe, die im Abspann gezeigt wurde. Die zentrale Botschaft lautete: „Heimat kann überall sein.“


Flüchtlinge spielen Theater

Das Theaterstück

„Von Heimat zu Heimat“ ist ein integratives, interkulturelles Theaterstück zum Thema Integration von und mit Jugendlichen und mit Flüchtlingen zwischen zwölf und 27 Jahren. Die Idee zu diesem Theaterstück stammt von Corina Gerspach, Leiterin des Kinderhauses in der Rhein-Au Bad Säckingen, und Stefan Meier. Beide stehen kurz vor dem Ende ihrer vierjährigen Ausbildung als Theaterpädagogen.

Die Theatergruppe:

Jule Kaufmann, Amon Frost, Conan Zipser, Felix Storkenmaier und die Flüchtlinge Satang Tunkara, Modou Touray und Ehab Alsweidani.