Vor 140 Jahren erbaute das nicht gerade wohlhabende Dorf Rippolingen unter großem Einsatz seiner Bewohner die Schmerzenskapelle, doch heute finden dort nicht mehr allzu viele Gottesdienste statt. Auf diesen Wandel ging Dekan Peter Berg ein, als er am Sonntag zum Fest der Kreuzerhöhung den Festgottesdienst zelebrierte.

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In der voll besetzten Schmerzenskapelle gedachte der Geistliche all der Menschen, die die Kapelle erbaut hatten, und derjenigen, die sie heute noch pflegen und erhalten. „Damals war die Gemeinde stolz auf ihr kleines Gotteshaus, das für viele ein Ort der Einkehr war und die Seele der Gemeinschaft verkörperte.“ In der Gegenwart hätten Kirchen und Kapellen hingegen oft einen musealen Charakter, denn das Verständnis für deren Zeichenhaftigkeit fehle – dies habe ein unbekannter Täter bewiesen, der Ende August das Kreuz auf dem Harpolinger Friedhof beschmiert habe.

Die Schmerzenskapelle Rippolingen wurde vor 140 Jahre konsekriert.
Die Schmerzenskapelle Rippolingen wurde vor 140 Jahre konsekriert. | Bild: Michael Gottstein

Für die christlichen Gemeinden sei es eine Herausforderung, sich in den Kirchen zu versammeln und „die Seele pulsieren zu lassen“, auch wenn kein Priester mehr vor Ort sei. Das Kreuz als Zeichen der Hoffnung, des Lebens und der Liebe Gottes zu den Menschen habe nichts an Aktualität verloren. Es zeige, dass Gott Leid und Freude, Sterben und Tod mit den Menschen teile. Auch Maria, die ihr Kreuz auf sich nehmen musste, sei nicht in Verzweiflung verfallen, sondern habe die Liebe Gottes in sich aufgenommen und an ihre Mitmenschen weitergegeben.

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Im Anschluss begrüßte Johanna Lazarowitz die Gäste im Gemeindesaal. Sie dankte den Helfern, die Speisen und Getränke vorbereitet sowie Richard Kaiser und Thomas Gaßmann, die die Festschrift herausgegeben hatten. Ein Frauenchor und der Gesangverein Rippolingen sorgten für den musikalischen Rahmen. Der neue Ortsvorsteher Franz Stortz hielt seine Jungfernrede. Er erinnerte daran, dass die kirchliche Welt auch vor 140 Jahren nicht in Ordnung gewesen sei, denn damals habe der Kulturkampf zwischen der katholischen Kirche und dem Königreich Preußen (später dem Kaiserreich) getobt.

„Ob wir in 140 Jahren hier noch Gottesdienste feiern werden, kann niemand vorhersagen“, so Stortz, aber die Kirche habe schon in der Vergangenheit Krisen erlebt und sich immer wieder erneuert. Und ein französischer Philosoph, der im 18. Jahrhundert den baldigen Untergang der Kirche vorhergesagt habe, sei schließlich widerlegt worden.

Erinnerung und Dank

Viele Menschen haben durch ihre Arbeitskraft oder durch Geldspenden das Baudenkmal zu dem gemacht, was es heute ist. Großer Dank gebührt ihnen; ebenso den Personen, die durch ihr Mitwirken die regelmäßigen Gottesdienste ermöglicht haben. Nicht zu vergessen die Reinigungskräfte, die auch stets für den Blumenschmuck tätig waren. Seit längerem ist Johanna Lazarowitz die gute Seele der Kapelle. Sie sei stellvertretend genannt.

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