Von 1919 bis 1981 besteht in Säckingen ein Kapuzinerkloster. In den 60er Jahren leben die Patres im "Klösterle", einem mehrstöckigen Wohnhaus der ehemaligen Villa Magda in der Basler Straße. Dahinter befindet sich ein eingeschossiges Nebengebäude mit Speicher. In der Waschküche richten die Mönche eine Kapelle ein.

Geschützter Klosterraum

Im größten Raum, der Platz für 25 Besucher bietet, stehen der Altar, Kirchenbänke und ein Beichtstuhl. Durch eine Tür erreicht man den Nebenraum, der den Mönchen als Andachtsraum dient. Daran schließen sich Wirtschaftsräume an. Das Grundstück ist an der Ost-, West- und Nordseite mit einer Mauer umschlossen. Im Süden verhindert eine Hecke den Blick ins Innere. Hier ist der Garten angelegt, der intensiv bewirtschaftet wird.

<strong>Nebengebäude:</strong> Im Nebengebäude des "Klösterle" war die Kapelle untergebracht.
Nebengebäude: Im Nebengebäude des "Klösterle" war die Kapelle untergebracht. | Bild: Archiv Karl Braun

Im Wohnhaus befinden sich die Küche mit Nebenräumen und der Speisesaal. In den Obergeschossen wohnen die Mönche. Das Anwesen ist eine ruhige Insel im Stadtbereich. Im Ordensbereich gilt die Klausur. Ohne Genehmigung darf er nicht betreten werden. Die Mönche dürfen keinen Besuch empfangen oder ohne Zustimmung des Vorstehers das Gelände verlassen.

Gern angenommene Beichtgelegenheit

Ausgenommen von der Regel ist die Kapelle. Hier besteht Kontakt zur Bevölkerung. Täglich wird eine Messe gehalten und Beichtgelegenheit geboten. Wer nicht beim Heimatpfarrer zur Beichte gehen will, kann dies im Klösterle tun, was gern angenommen wird. Abwechselnd werden Mönche für Gottesdienste vermittelt, beispielsweise ins Krankenhaus. Anfang der 60er Jahre ist geplant, eine Verbindung zwischen Kloster und Kapelle zu erstellen.

Planänderung und Umzug

1965 kommt die Wendung. Auf Bitten des erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg übernimmt die Rheinisch-Westfälische Kapuzinerprovinz die Pfarrseelsorge an der am 1. Mai 1966 errichteten Pfarrkuratie Heilig Kreuz. Am 21. September trifft der Pfarrkurat Pater Frowin ein. Am 9. Oktober weiht der Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele die Heilig-Kreuz-Kirche. Zwei Tage später erfolgt der Spatenstich des Pfarrklosters durch Pater Hilarius Weber, der Superior (Klostervorsteher) ist. Das Pfarrhaus baut die Diözese. Am 21. April ist Richtfest. Am 15. Dezember 1967 ziehen die Kapuziner in das Kloster ein.

<strong>Autosegnung: </strong>Pater Frowin segnet die Autos. Im Hintergrund die Baustelle der Realschule, rechts die 1966 erbaute Heilig-Kreuz-Kirche.
Autosegnung: Pater Frowin segnet die Autos. Im Hintergrund die Baustelle der Realschule, rechts die 1966 erbaute Heilig-Kreuz-Kirche. | Bild: Archiv Karl Braun

Pfarrkurat Pater Frowin wird von vielen Menschen wegen seiner liebe- und humorvollen Art geschätzt. Er ist in der Weltgeschichte wie in der Theologie bewandert und ist vielen Menschen Helfer, Freund und Beichtvater. Nach der Schließung des Klosters 1981 ist er in Offenburg als Krankenhausseelsorger tätig. Er verunglückt und stirbt am 31. Oktober 2001 in der Freiburger Uniklinik. Frater Eduard, der 1950 nach Säckingen kommt, wirkt bis zur Auflösung des Klosters als Pförtner, Sakristan und Chronist. Vielen Schülern gibt er Nachhilfeunterricht in alten Sprachen und bei der Vorbereitung auf das Abitur.

<strong>Klösterle heute:</strong> An der Stelle des Klosters steht heute ein Gebäude der Baugenossenschaft Familienheim.
Klösterle heute: An der Stelle des Klosters steht heute ein Gebäude der Baugenossenschaft Familienheim. | Bild: Hans-Walter Mark

Während der Klosterzeit sterben in Bad Säckingen zehn Mönche. Ihre Grabstelle ist an der östlichen Mauer des Au-Friedhofs. Sie bildet die einzige sichtbare Erinnerung an den Kapuzinerorden in der Stadt.

Das Säckinger Kapuzinerkloster

  • Gründung: Ursprünglich ist für die Kapuziner eine Niederlassung bei Wyhlen am Kloster „Himmlespforte“ vorgesehen. Pater Hilarius, der das Haus besichtigt, hält es für ungeeignet. Bevor er die Rückreise antritt, begibt er sich nach Säckingen, um das Münster zu besuchen. Der damalige dortige Gemeindepfarrer Ludwig Herr erreicht beim erzbischöflichen Ordinariat, dass in Säckingen ein Kapuzinerkloster gegründet werden kann.
  • Entwicklung: Zunächst wohnen die Mönche in einem Haus am Ende der Fischergasse. Die Heilige Messe feiern sie im Münster. Am 28. Januar 1920 können sie in die Villa „Magda“ in der Basler Straße einziehen. Der Zweite Weltkrieg verschont das Kloster nicht. Mönche werden eingezogen und durch den Verlust der jungen Kräfte steigt die Arbeitsbelastung der älteren Patres. Auch lassen sich die Klöster nicht mehr so besetzen, wie es den Aufgaben entspricht.
  • Ende: 1965 übernimmt die Rheinisch-Westfälische Kapuzinerprovinz die Pfarrseelsorge an der am 1. Mai 1966 errichteten Pfarrkuratie Heilig Kreuz. Der Plan, eine eigene Klosterkirche in Säckingen zu bauen, wird nicht mehr verwirklicht. Im Dezember 2011 wird das „Klösterle“ abgerissen. Die Bad Säckinger Baugenossenschaft Familienheim errichtet an dieser Stelle ein Wohnhaus.