Auch wenn es in einer globalisierten Welt etwas völlig Normales zu sein scheint, auf ferne Kontinente zu reisen, um dort Land und Leute kennenzulernen, muss man den Schritt zum längeren Auslandsaufenthalt bei einer Gastfamilie erstmal wagen. Sechs Schüler der Hauswirtschaftlichen und Kaufmännischen Schulen Bad Säckingen taten genau das und reisten im vergangenen Jahr im Sommer für mehrere Wochen in die Millionenstadt Santiago de Chile.

In diesem Jahr haben sie Besuch der Partnerschüler aus Santiago. Die Lateinamerikaner (ein Mädchen, fünf Jungs) besuchen derzeit den Unterricht an den Säckinger Schulen. Fragt man zwei von ihnen danach, wie sie mit der deutschen Sprache und den hiesigen Gepflogenheiten zurechtkommen, so erhält man in überraschend fließendem Deutsch die Auskunft, das meiste sei nicht so sehr anders als daheim – zumindest nicht, was die Schule angehe. Die Schüler Nicholas Mathews und Agustín Hidrobo, 17 und 18 Jahre alt, lernen Deutsch in ihrer Heimat. Sie sind quer durch Deutschland gereist und haben die populärsten deutschen Großstädte besucht, bevor sie an den Hochrhein kamen.

Unterschiede zwischen den Kulturen

Sie sehen den wesentlichen Unterschied zwischen beiden Kulturen in der besseren deutschen Infrastruktur. Was das Freizeitverhalten der Jugendlichen angeht, so erleben die Chilenen das Leben in Deutschland als vergleichbar mit dem in ihrer Heimat. Das Interview mit den beiden und ihrer deutschen Mitschülerin, der 17-jährigen Joelyn Jaeckel, die ihrerseits sechseinhalb Wochen in Chile war, findet am Wäldertag statt.

Die Schüler äußern Bedauern darüber, ausgerechnet am Mittwoch vor der Weiberfasnacht wieder abreisen zu müssen und so nicht mehr mitfeiern zu können. Joelyn Jaeckel kommt aus Erzingen und berichtet von einem nicht ganz unerheblichen dimensionalen Unterschied zwischen ihrem Heimatort und der chilenischen Hauptstadt. Mit ihrem Schulspanisch sei sie dort leidlich zurechtgekommen, eher habe sie davon profitiert, dass ihre Gastfamilie überwiegend der deutschen Sprache mächtig ist.

Lob für Austauschprogramm

Alle drei äußern ein Bewusstsein darüber, dass es ein Privileg ist, an solch einem Austauschprogramm teilnehmen zu können. Sie schätzen die einmaligen Erfahrungen, die man mache, und die Freundschaften, die entstanden seien. Zum Schluss erzählen sie noch, wie in Chile einer deutschen Schülerin das Handy gestohlen wurde. Ihr chilenischer Gastschüler habe von wenigen Tagen dann seine Geldbörse im Zug liegen lassen und kurz darauf einen Anruf aus Basel mit der Information bekommen, das Portmonee sei gefunden und abgegeben worden.

Es habe nicht ein Cent darin gefehlt. Die Chilenen lachen und sagen, so etwas sei in ihrer Heimat undenkbar. Die Lehrerin Sarah Tolsdorf von der Hauswirtschaftlichen Schule Bad Säckingen unterrichtet Spanisch und Ethik, betreut die Schülergruppen und organisiert den Austausch seit sechs Jahren zusammen mit ihren Kollegen von der Rudolf-Eberle-Schule. Am Austausch an die private Deutsche Schule in Santiago de Chile beteiligen sich auch Schulen aus Waldshut und ganz Deutschland. Tolsdorf berichtet von durchweg guten Erfahrungen.

Auf die kürzlich medial berichteten politischen Unruhen in Santiago de Chile angesprochen, gibt sie Entwarnung. Die Schülerinnen und Schüler seien in Santiago in sehr gut situierten Familien untergebracht. Sie empfiehlt einen Auslandsaustausch quasi jedem Schüler, auch solchen, die zur schüchterneren Art gehören. Häufig öffne eine solche Erfahrung diverse Türen. Auch bereichere der Aufenthalt in jedem Fall die Sprachkenntnisse – und wenn es „nur“ ein besseres Abschneiden im Hörverständnistest ist.