Diese Woche kam die original Trompeterfigur nach ihrer Restaurierung wieder zurück nach Bad Säckingen und findet nun einen neuen Standort im Schloss. In der dem Wetter ausgesetzten Nische auf der Außenseite des Schlosses steht nun eine witterungsfeste Kopie.

Die Rückkehr des Trompeters ist ein guter Grund, an Heinrich Ruf, den Erschaffer der Skulptur, zu erinnern: Heinrich Ruf (1827 bis 1883), Absolvent der Münchner Bildhauerschule, fiel am Münchner Hof in Ungnade und fand neue Auftraggeber in Basel und Säckingen – ein Leben mit tragischen Wendungen. Doch wer schuf die Trompeter-Statue von 1876? Als Victor von Scheffel sich daran machte, ein Vorwort zur 50. Auflage seines Trompeter-Buches zu reimen, vergaß er nicht, Freunde aus alter Säckinger Zeit zu erwähnen:

„Und als ich vor Ballys Schlößlein stand/ Da stand auch Er, mein Trompeter/ In Erz gegossen von Meisterhand/ Und Mann wie Buch kennt ein jeder.“

Seine verhaltene Dankesadresse galt Theodor Bally, der 1856, fünf Jahre nach Scheffels Fortgang aus Säckingen, das heruntergekommene Schloss gekauft hatte. Die Gewinne seiner prosperierenden Seidenband-Fabrik ermöglichten es ihm, das Anwesen instand zu setzen. 20 Jahre später rüstete sich das Kaiserreich zur Feier von Scheffels 50. Geburtstag. Vom unbekannten Poeten war er zum Nationaldichter der Deutschen avanciert.

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Die Säckinger Stadtväter gingen 1875 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde voraus. Wer von den Gebrüdern Bally den Gedanken hatte, eine Statue des Trompeters zum Festjahr anfertigen zu lassen, wissen wir nicht. Jedenfalls konnte der so Geehrte das Objekt in Augenschein nehmen und im Oktober 1876 die oben zitierten Verse schreiben.

Auftrag für Bayrischen Künstler

Der Auftrag zur künstlerischen Ausführung ging an einen Bildhauer, über den wir im Wesentlichen durch zwei Presseartikel der in Augsburg, später in München erscheinenden „Allgemeinen Zeitung“ informiert sind. Über das Geburtsjahr und die Schreibung des Namens zirkulieren bis heute falsche Angaben.

Heinrich Ruf wurde 1827 in München geboren und nicht zehn Jahre später, wie mehrere Künstlerlexika vermerken. Sein Name enthält nur ein „F“ und keine zwei. Ruf kam in München zur Welt. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater war Maurergeselle und schickte den Sohn in die Lehre zu einem Büchsenmacher. Dort zeigte sich sein Geschick beim Verzieren der Gewehre. Der Lehrling schnitt Jagdszenen in das Holz der Schäfte.

Vom Büchsenmacher zum Bildhauer

Zum Leidwesen seiner Eltern machte er die Büchsenmacherei nicht zu seinem Beruf, sondern entschied sich zum Besuch der polytechnischen Schule München. Mit 18 Jahren trat er in die königliche Bildhauerschule ein. Den Professoren fielen sein Fleiß und sein Talent auf.

Proben seiner Kunst durfte er auf der Münchner Kunstausstellung von 1848 präsentieren. Auf eine ihm angetragene Italienreise, Pflichtprogramm im bürgerlichen Bildungskanon, verzichtete er, weil er seine gebrechlichen Eltern nicht alleine lassen wollte. Stattdessen schuftete er als gewerblicher Bildhauer und war sich nicht zu gut, auch einfachere Aufträge zu erledigen.

Werke beeindrucken selbst König Ludwig

Mit 30 Jahren erwarb er ein bescheidenes Haus an der Sendlinger Landstraße (heute Lindwurmstraße) in der Isarvorstadt, die damals ein Handwerkerquartier war. Ende des Jahres 1857 eröffnete er dort ein Atelier mit permanenter Ausstellung, deren Qualität das Publikum in Staunen versetzte. Zu den ersten Besuchern zählte der bayerische König Ludwig I., der auch nach seiner Abdankung die Künste förderte.

Anzeige im „Volksboten für den Bürger und Landmann“ vom 24. Juni 1863.
Anzeige im „Volksboten für den Bürger und Landmann“ vom 24. Juni 1863. | Bild: Crößmann (Scan digiPress der Bayerischen Staatsbibliothek)

Vom amtierenden König Maximilian II. erhielt Heinrich Ruf in den folgenden Jahren diverse Aufträge für das im Bau befindliche Nationalmuseum an der Maximilianstraße (heute „Museum der fünf Kontinente“). Er fertigte eine großvolumige Giebelgruppe an (die bayerische Region „Franken“ symbolisierend) und eine Fassadenfigur, welche die Vaterlandsliebe in Gestalt des „Schmieds von Kochel“ darstellt. Vor ihrer Anbringung stellte er sie stolz im eigenen Atelier aus. Die Figuren wurden in Zinkgusstechnik hergestellt wie später auch die Säckinger Trompeter-Statue.

Ziel: freischaffender Künstler

In den Münchner Kunstausstellungen von 1858 und 1863 war Ruf mit dem Gipsmodell einer Frauenstatue vertreten. Für seine „Loreley“ fand sich kein Auftraggeber. Handwerkliche Dekorationsaufträge reichten ihm nicht. Ruf lag daran, als freischaffender Künstler anerkannt zu werden – für einen Bildhauer ein ehrgeiziges und kostspieliges Unterfangen. Er schien auf gutem Wege, sich einen Namen zu machen.

Der zweite Teil unserer Reihe erzählt davon, wie es zum Zerwürfnis mit dem königlichen Hause kam.