„Vestigia“, Fußspuren, heißt der neue achtminütige Kurzfilm der 17-jährigen Hannah Stolze aus Harpolingen, der am Donnerstag im gut besuchten evangelischen Gemeindezentrum in Bad Säckingen Premiere hatte. Direkt vor der Premiere war nochmals der deutlich längere Vorgängerfilm „Brooklyn Pritsch“ zu sehen, der vor rund einem Jahr erstmals vorgestellt worden war. Trotz der recht kurzfristig anberaumten Veranstaltung hatten die Jugendlichen rund um Filmemacherin Hannah Stolze mit eigens frisch gemachtem Popcorn für richtiges Kinofeeling gesorgt.

Vor dem ersten Wettbewerb

„Ich wollte die Premiere unbedingt noch vor dem ersten Wettbewerb hinkriegen“, begründet die junge Filmemacherin den Premierentermin. Am 3. November nämlich wird „Vestigia“ schon auf der Videografika in Untermarchtal gezeigt, läuft dann noch mal am 17. November auf dem Kurzfilmfestival Girls Go Movie in Mannheim und am 21. November bei der Camgaroo Award Night in München.

Herausforderung für Filmemacherin

Bei der Premierenveranstaltung, bei den Wettbewerbsteilnahmen, auch im Film selbst stimmt die Dramaturgie. Zwar verrät Hannah Stolze, es sei eine Herausforderung für sie gewesen, die Bilder, die sie im Kopf hatte, aufs Papier zu bringen, wollte sie doch einen Film ohne vorgegebene Dialoge produzieren. Sie habe aber mit Hauptdarstellerin Laura-Sophie Lerch, mit der sie zuvor in der Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums schon zusammengearbeitet hatte, ausgedehnte Gespräche über deren Rolle geführt. Die habe anfangs zu Bedenken gegeben, sie sei ein ganz anderer Typ als das Mädchen im Film, habe dann aber gezeigt, was schauspielerisch in ihr stecke, und sich letztlich auch völlig mit ihrer Rolle zu identifizieren verstanden. Sie habe vorher eigens depressive Musik gehört.

"Vestigia", Fußspuren, heißt der neue Kurzfilm von Hannah Stolze, der am Donnerstag im evangelischen Gemeindezentrum in Bad Säckingen ...
"Vestigia", Fußspuren, heißt der neue Kurzfilm von Hannah Stolze, der am Donnerstag im evangelischen Gemeindezentrum in Bad Säckingen Premiere hatte, hier die Filmemacherin mit ihrer Hauptdarstellerin (rechts) | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Lob für Darsteller

Sehr positiv überrascht war Hannah Stolze auch über die Fähigkeit ihrer Darsteller, eine Schulstunde komplett zu improvisieren, und die kleine Schwester der Hauptdarstellerin, die am Esstisch der Familie ganz naiv unbedarft über ihre Erfolge erzählt, habe zu dem, worüber sie reden solle, ein Bild gemalt, und dann beim Dreh einfach dieses Bild nacherzählt und damit die Vorgabe, ununterbrochen zu reden, bestens umgesetzt. Die Dramaturgie des Films beginnt indes schon vor dem Auftritt der Hauptdarstellerin.

Gelungener Einstieg

Als überaus gelungener Einstieg ist zu Beginn einfach nur nerviges Weckerklingeln zu hören. Der Wecker wird abgestellt, und erst dann blendet die Filmemacherin ihre Darstellerin ein. Diese Abfolge wiederholt sich, die Tristesse des alltäglichen Trotts wird deutlich spürbar. Hinzu kommen eine Nervosität, die sich in andauerndem Lernen, auch während des Essens, äußert, und eine beinahe schon trostlose Mattigkeit. Diese Schülerin wirkt eindeutig gestresst. Hier kommt ein hohes Maß an technischem Können mit ins Spiel, nicht nur, wenn die das Mädchen umgebenden Stimmen sich so anhören, als wäre sie in einer Taucherglocke gefangen. Auch die Überblendungen als filmisches Mittel sind genial gemacht, wenn sie in ihrer Klasse sitzt und vor ihrem geistigen Auge plötzlich ihre Mitschüler in ihren späteren Berufen sieht.

„Das Ende habe ich bewusst offen gehalten“, meint Hannah Stolze. Jeder solle die Handlung für sich selbst weiterspinnen. Hannah Stolze bedankte sich bei allen anwesenden Mitwirkenden vor und hinter der Kamera mit einer Rose. Das nächste Projekt ist bereits in Planung.