Häuslebauer werden sich freuen, Sparer werden sich weiter ärgern – oder müssen sich gewinnbringendere Anlageformen als das Sparbuch suchen: Die Zinsen bleiben langfristig tief im Keller. So lautete jedenfalls die Prognose von Jan Holthusen, Leiter Fixed Income Research der DZB Bank in Frankfurt anlässlich der mittlerweile zur Tradition gewordenen Jahresauftaktveranstaltung der Volksbank Rhein-Wehra.

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Rund 350 geladene Gäste kamen am Dienstagabend in den Kursaal. Für sie prognostizierte Holthusen das Wirtschaftsjahr 2020 auf breiter Front, und vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Beruhigende Nachrichten hatte Holthusen für die Grenzgänger in der Region: Der Schweizer Franken werde zwar voraussichtlich nicht weiter aufwerten, sich aber – „mit Ziel 1,10 in zwölf Monaten“ – stabilisieren.

Handelsstreit und Brexit

„Das Jahr war kurz aber reich an Ereignissen“, resümierte Vorstandsvorsitzender Werner Thomann eingangs der Veranstaltung. Er nannte unter anderem Handelsstreit und Brexit. Mit der nunmehr bereits achten Jahresauftaktveranstaltung wolle man als Regionalbank mit Förderauftrag einen Mehrwert bieten. „Wir schauen nach vorne, deshalb sind wir heute hier.“ Apropos Förderauftrag für die Region: Die Volksbank Rhein-Wehra stehe fest hinter dem geplanten Gesundheitscampus und habe hier in Sachen Finanzierung den Hut bereits in den Ring geworfen.

Angesichts der zementierten EZB-Politik sowie wirtschaftlich und politisch turbulenter Zeiten sollten sich Kapitalanleger breit aufstellen, so die Empfehlung Holthusens. Das gelte aber auch grundsätzlich. Am Aktienmarkt beispielsweise seien die Deutschen „dramatisch unterinvestiert“. Gleichwohl sei der Aktienmarkt schon hoch bewertet und somit derzeit wohl kein „Premiummarkt“ mehr. Bei den Immobilienpreisen prognostiziert Holthusen einen moderateren Anstieg als in den vergangenen Jahren. Die Nachfrage nach Wohnungen bliebe hoch. Alles in Immobilien zu investieren sei allerdings wegen des dann bestehenden Klumpenrisikos keine gute Idee.

Festhalten am Taggeldkonto

Jochen Matthes, Vertriebsdirektor Union Investment, attestierte den Deutschen bei der Geldanlage gleichfalls wenig Risikobereitschaft. Die meisten hielten am System Taggeldkonto fest. Das gelte es aufzubrechen. Kabarettist und Zauberkünstler Bernd Waldeck verpackte seine Anlagetipps mit Humor und Zaubertricks. So verwandelte er etwa zum Erstaunen des Publikums den Zehn-Euro-Schein eines Besuchers in 50 Euro. Wenn Geldvermehrung so einfach wäre. Für Werner Thomann die Kernbotschaft des Abends: „Wir haben alle Handlungsbedarf.“