Die Konzeptionierung des Gesundheitscampus' in Bad Säckingen kommt gut voran, die verantwortlichen Planer von der Firma Gök Consulting können eine immense Resonanz auf das Projekt verbuchen. 25 Ärzte und medizinische Dienstleister haben ein ernsthaftes Interesse bekundet, sich an dem geplanten sektorenübergreifenden Versorgungsangebot mit Schwerpunkt auf Notfallversorgung zu beteiligen. Insgesamt war es eine gute Botschaft, die der zuständige Projektmanager Michael Schaaf dem Kreistag in dessen gestriger Sitzung präsentieren konnte. Gleichwohl verwies er auch auf eine Reihe von drängenden Entscheidungen, die für den weiteren Fortgang der Arbeit von großer Bedeutung sind. Insbesondere gelte dies für die Frage, wie die Trägerschaft des Gesundheitscampus' aussehen soll. Denn darauf komme es an, wenn es um die Aushandlung der Vertrags- und Finanzierungskonditionen gehe. Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl, aber auch der scheidende CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Martin Albers, pochten darauf, "mehr Gas zu geben, um den sportlichen Zeitplan zu bewältigen."

Vor allem Martin Albers, der am Mittwoch seine letzte Kreistagssitzung bestritt, sparte nicht mit Kritik an die Kreisverwaltung und an Landrat Martin Kistler im Speziellen: "Ich vermisse von Ihnen klarstellende Worte, wie es jetzt weitergeht. Gerade bei den Fragen, wie die Gesellschafterstruktuktur aussehen soll und wer wieviel bezahlt, schleichen alle herum wie die Katze um den heißen Brei", so Albers. Landrat Kistler, aber auch die Stadt Bad Säckingen und die Spitäler Hochrhein müssten "endlich mal sagen, was sie genau wollen", mahnte Albers. Dringlichkeit bei diesen Fragen hatte Michael Schaaf bereits vor einigen Wochen im Gespräch mit dem SÜDKURIER formuliert, erinnerte Albers seine Ratskollegen: "Seither ist nichts passiert und augenscheinlich soll das Gremium auch in der nächsten Sitzung am 16. Mai nicht darüber diskutieren", so Albers weiter. Die Gefahr sei groß, dass "das wieder vermasselt wird", wenn nicht zügig konkrete Entscheidungen getroffen werden. Zumal bereits wieder die unterschiedlichsten und teils missverständliche Informationen die Runde machten, so Albers. Auch warnte er davor, den weiteren Fortgang hinter verschlossenen Türen nicht-öffentlich zu behandeln.

Landrat Kistler ließ sich trotz dieser deutlichen Worte nicht aus der Ruhe bringen: Die Planung baue modular aufeinander auf. Zunächst müssten alle Fakten zusammengetragen werden, bevor weiterführende Entscheidungen getroffen werden könnten. Ob dies bereits bis zum 16. Mai möglich sei, sei derzeit noch unklar. Derweil konstatierte Kistler auf Nachfrage Albers, dass der Kreis sich mit der Stadt Bad Säckingen die Kosten für den Campus-Manager teilen wird, der bereits heute öffentlich vorgestellt wird. Ein entsprechender Vertrag sei bereits abgeschlossen, wenngleich die Gesellschafterfrage eben noch offen sei. Die Campus-Planung habe er dem Sozialministerium vorgetragen: "Dort wurde es mit Interesse zur Kenntnis genommen. Die Maßgabe lautet aber weiterhin, dass es kein zweites Krankenhaus geben darf."

Klaus Denzinger (FDP) und Ruth Cremer-Ricken (Grüne) warnten indes davor, dass Sand ins Getriebe der Planung kommen könnte, weil möglicherweise andere Projektträger mit eigenen Vorhaben dazwischenfunken. Cremer-Ricken dazu: "Wir sollten uns an die gefassten, bindenden Beschlüsse halten und uns nicht von etwaigen anderen Projekten davon abbringen lassen."

Auch Alexander Guhl warb für eine zügige Klärung der drängenden Fragen: "Die Resonanz ist enorm und die Sorge der Bürger im Hinblick auf eine funktionierende Notfallversorgung ebenso. Die besten Planungen in dieser Hinsicht bringen erst etwas, wenn sie umgesetzt werden." Wichtig sei hier besonders die Frage, wie die Situation für die Mediziner möglichst lukrativ gestaltet werden kann, zumal Notfallmedizin an sich in der Regel finanziell wenig reizvoll sei.

Laut Planer Michael Schaaf seien gerade für den Bereich Notfallversorgung vielversprechende Gespräche mit einem Allgemeinarzt mit Schwerpunkt Notfallmedizin im Gange. Aber um allen Interessenten konkrete Daten zu Miete und weiteren Kosten nennen zu können, müssten eben die Eckpunkte der Finanzierung geklärt sein. Er plädierte etwa für eine Querfinanzierung der Notfallmedizin durch die künftigen Gesellschafter, um die Konditionen möchlichst attraktiv zu gestalten. Um die geplanten disziplinübergreifenden Versorgungsketten mit Leben zu füllen, seien sowohl Selektivverträge mit den künftigen Mietern denkbar, aber auch eine Mischvergütung, die sich am DIG-System orientiert.

Am Mittwochabend befasste sich auch der Bad Säckinger Gemeinderat in einer Sondersitzung mit der Gesundheitscampus-Planung (wir berichten noch).

 

Der aktuelle Stand beim Gesundheitscampus

  • Schwerpunkt Notfallversorgung: Eine durchgehende Versorgung ist zunächst in der Zeit von 8 bis 20 Uhr geplant. Ein Ausbau ist aber denkbar. Die Vorteile einer zentralen Anlaufstelle für Notfälle sieht Planer Michael Schaaf insbesondere bei der Zeitersparnis für Betroffene. Diese erhalten zeitnah eine kompetente Diagnose und könnten entsprechend weiterbehandelt werden. Dabei sollen leichtere Fälle und auch ambulante Operationen direkt vor Ort behandelt, die akuten an Krankenhäuser weitervermittelt werden.
  • Flächenbedarf: Die Planer konzentrieren sich beim Flächenkonzept auf das bestehende Spitalgebäude, das nach Möglichkeit weiter genutzt werden soll, sofern dies wirtschaftlich darstellbar ist. Allerdings ist auf jeden Fall gravierender Sanierungsbedarf zu erwarten. Entsprechende Fachuntersuchungen sind noch im Gange. Auf Basis der bislang von den Interessenten angemeldeten Flächenbedarfe ließen sich bereits mehr als 90 Prozent der 12000 Quadratmeter Nutzfläche verplanen, die das bestehende Spitalgebäude bietet, so Schaaf. Würden alle Pläne der Interessenten realisiert, überträfe dies sogar den vorhandenen Platz.
  • Die nächsten Schritte in der Planung wurden teilweise bereits parallel zur vor wenigen Wochen abgeschlossenen Ausrichtungskonzeptionierung in Angriff genommen. Erste Anhaltspunkte gibt es demnach bei der wirtschaftlichen Bewertung. Auch eine Baubegehung wurde schon durchgeführt. Diese Bereiche sollen nun noch intensiver mit Daten angereichert werden. Der Campusmanager soll bereits im April seinen Dienst aufnehmen und bei der weiteren Strategieentwicklung und Umsetzungsplanung eine führende Rolle spielen. 

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