Das Schicksal des Bad Säckinger Krankenhauses ist besiegelt. Es wird zum Jahresende – ein paar Tage hin oder her – geschlossen. Das Gebäude wird geräumt. Die Lichter gehen aus.

Wie konnte es soweit kommen? Der Weg bis heute ist ein beispielloses Schaustück von Unfähigkeiten, Vertuschung, Lügen und Tricksereien, die das Haus auf der Schneckenhalde über mehr als zehn Jahre getroffen haben. In solchen Situationen sagen Verantwortliche gerne, man müsse den Blick nach vorne richten. Die Suche nach Schuldigen bringe keine Lösung. Dass Verantwortliche keine Rückschau wollen, ist angesichts ihrer Fehler verständlich. Denn mit solchen ist der Weg gepflastert, der in der Schließung des Krankenhauses münden wird. Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch die vergangenen Jahre: das HBH-Abenteuer (Landrat Bernhard Wütz), die Rückholung nach der Fast-Pleite der HBH und die fatale Gründung einer gemeinsamen GmbH mit dem Spital Waldshut (Landrat Tilman Bollacher und Waldshuts OB Martin Albers), die unglücklichen Personalentscheidungen Uwe Lorenz und Simone Jeitner. Beide Geschäftsführer haben mit Akribie die Demontage und letztlich die Zerschlagung des Bad Säckinger Krankenhauses betrieben – und dies zeitweise trotz gegenteiliger Beschlüsse des Kreistages.

Wie konnte die Geschäftsführung – gerade in der neunmonatigen Jeitner-Episode – so ungehindert agieren? Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Kontrolle durch die Gesellschafter hat versagt oder man hat die Geschäftsführer insgeheim billigend und schweigend gewähren lassen. Neben den engeren Gremien spielte dabei auch der Kreistag keine rühmliche Rolle. Zwei seiner Beschlüsse wurden schlichtweg ignoriert. Und das Gremium ließ es sich gefallen. An sich müsste sich jeder Kreisrat so fühlen, als zöge man ihn am Nasenring durch die Arena. Das Gremium hat damit erheblich an Respekt verloren. Nun hat es in der Sache den mittlerweile dritten Beschluss gefasst. Was dieser dritte Beschluss wert ist, wird sich zeigen. Will der Kreistag als demokratisches Organ und als Vertretung der Bürger des Landkreises Respekt zurückgewinnen, bleibt nur die schnelle Umsetzung, andernfalls bleibt die Rolle als Lachnummer.

Gab es Alternativen zu dem Beschluss vom Donnerstag? Es gibt immer Alternativen, die Frage ist nur, ob sie sinnvoll sind? Schauen wir uns die Möglichkeiten an. Ohne den Kompromiss des Bad Säckinger Bürgermeisters Alexander Guhl wäre über den ursprünglichen Beschlussvorschlag von Landrat Kistler abgestimmt worden. Heißt: Schließung und unverbindliche Prüfung des Gesundheitscampusses. Die Mehrheitsverhältnisse waren für beide Seiten unsicher. Szenario 1: Die Befürworter einer Schließung gewinnen. Das Spital macht zum Jahresende dicht. Wie die unverbindliche Prüfung einer Ersatz-Einrichtung ausgeht, rechnet sich bitte jeder selber aus. Szenario 2: Die Gegner einer Schließung gewinnen die Abstimmung. Das Spital bleibt vorerst auf. Vielleicht bis Januar, vielleicht bis Februar. Dann macht Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt das wahr, womit er in der Kreistagssitzung mehrfach gedroht hat: Er stellt den Betrieb des Spitals aus Personalmangel ein.

Was wäre also durch eine Abstimmung über den ursprünglichen Kistler-Beschlussvorschlag gewonnen? Guhl wäre sich des tosenden Beifalles sicher gewesen, hätte er sich nach flammender Rede in diese Abstimmung gestürzt und nachher den tragischen Helden gegeben. Aber Guhl ist kein Hazadeur. In der Abwägung der Chancen hat er befürchtet, alles zu verlieren. Ob man ihm nun Kleinmut vorwirft oder den gefundenen Kompromiss gut findet oder auch nicht: Die beleidigende Art, mit der seine Person derzeit abgewatscht wird, ist nicht hinnehmbar – von den teils abseitigen und kruden Kommentaren in den sozialen Medien ganz zu schweigen. Lassen wir also die Kirche im Dorf: Es gibt weder den Dolchstoß, noch hat Guhl Bad Säckingen verkauft. Politik braucht Mehrheiten, und jeder, der einen Blick auf die Landkarte wirft, kann sich ein Bild von diesen Mehrheiten machen. Man muss schlichtweg zur Kenntnis nehmen, dass ein großer Teil des Landkreises hinter Waldshut im Osten liegt, und deshalb jenen Gemeinden das Schicksal des Bad Säckinger Spitals eben nicht am Herzen liegt.

Was soll nun der Kompromiss mit besagtem Gesundheitscampus bieten?

Im Moment gibt es nur eine Grobdefinition: 24-Stunden-Notfallambulanz, Notarztstandort, stationäre Betten, Geriatrie-Schwerpunkt, Innere Abteilung, Bestand auch nach dem Bau der Zentralklinik. Inwieweit sich daraus krankenhausähnliche Strukturen entwickeln lassen, muss jetzt schnell geklärt werden. Das heißt, schon in der Sitzung am 13. Dezember. Bürgermeister Guhl nannte den Kompromiss im Kreistag „eine Chance“ für Bad Säckingen. Ein Chance ist es, aber im Moment kein bisschen mehr. Wenn also innerhalb der wenigen Eckpfeiler das Optimalste entstehen soll, muss vor allem Bad Säckingen die weitere Planung vorantreiben. Denn große Hilfestellung von anderswoher ist kaum zu erwarten. Dafür braucht Guhl alle Unterstützung – auch die des Fördervereins. Die Enttäuschung bei Pro Spital ist verständlich. Doch es ist ein gutes Zeichen, dass der Verein drei Tage nach dem Beschluss eine konstruktive Haltung einnimmt. Eine trotzige Auflösung des Fördervereins hätte keinem genützt. Zumal klar war, dass der Kreistag niemals die Maximalforderung nach Wiederherstellung eines Grund- und Regelversorgers unterstützen würde. andreas.gerber@suedkurier.de