Der Freundeskreis der Rudolf-Eberle-Schule Bad Säckingen veranstaltet die Themenwoche „Flucht und Asyl“. Die Ausstellung „Gesichter der Flucht“ ist im Foyer der Schule zu sehen und zeigt persönliche Geschichten von heute aber auch von Flüchtenden in der Vergangenheit. Zwei ganz persönliche Lebensgeschichten konnten die Schüler der Rudolf-Eberle-Schule bei der Podiumsdiskussion hautnah erleben.

Abdul Deirieh und Walaa Al Mohammad brachten den Mut auf, über ihre Erlebnisse bei der Flucht zu sprechen und erläuterten ihre Beweggründe für die Flucht nach Deutschland. Die Schüler hatten im Anschluss viele Fragen, die von den beiden offen beantwortet wurden.

Abdul Deirieh, der seit drei Jahren in Deutschland wohnt und aktuell eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement in Schopfheim absolviert, ist froh, hier zu sein. Wäre er in seiner Heimatstadt Aleppo in Syrien geblieben, wäre er nach seinem Studium zum Kriegsdienst gezwungen worden.

Abdul Deirieh entschied sich für die Flucht nach Deutschland ganz bewusst, weil er in Aleppo für sich keine Perspektive sah. Er sagte: "Im Jahr 2015 kam es in der Stadt immer wieder zu gefährlichen Situationen, die Kämpfe und Angriffe fanden direkt in der Stadt statt." Auch Professoren und Lehrer, so Abdul Deirieh, seien Mangelware, da sie ebenfalls aus dem Krisengebiet geflohen sind.

Über die Flucht selbst berichtete sowohl Abdul Deirieh als auch Walaa Al Mohammad nur kurz. Auf Nachfragen aus der Schülerschaft antworteten die beiden aber offen. So nahm Abdul Deirieh den Weg über das Meer und musste ein komplett überfülltes Boot, dessen Motor ausgefallen war, mit sechs anderen Männern schwimmend über die Grenze ziehen. Er brauchte für die Flucht nach Deutschland 21 Tage.

Walaa Al Mohammad war mit ihrer einjährigen Tochter zu Fuß über die Berge unterwegs und wurde immer wieder zurückgewiesen. Ihre Reise dauerte über 50 Tage mit Kleinkind. Ihre Tochter besucht mittlerweile den Kindergarten, Walaa Al Mohammad ist fest entschlossen, ihre Ausbildung zur Chemikerin hier in Deutschland fortzuführen.

Frank von Veen war als Vorsitzender von Refugees Integrated anwesend und beleuchtete die rechtlichen Aspekte. Er sagte: "Aktuell haben wir 100 Schutzsuchende in Bad Säckingen untergebracht, es hat deutlich abgenommen." Und weiter: "Es wird rational bewertet, ob jemand Schutz benötigt oder nicht." Die Vorsitzende Andrea Menne sagte: "Wir wollen in der Hektik der Vorweihnachtszeit inne halten und einen Blick auf die Not der Menschen werfen, die ihr Zuhause verlassen mussten."