Vier grüne Stadträte saßen in den letzten fünf Jahren am Bad Säckinger Ratstisch – zwei Frauen und zwei Männer.

  • Die Bilanz: Die vergangenen fünf Jahre waren „hart“, bringt es Fraktionschefin Ruth Cremer-Ricken auf einen kurzen Nenner. Drei enorm schweren Themen hätten den Gemeinderat schwer belastet: Sie spricht dabei von der Gesundheitsversorgung, dem Pumpspeicherwerk Atdorf sowie vom Brennet-Areal. Diese Themen, so meint die Fraktionssprecherin, hätte von ihrer Intensität für mehrere Legislaturperioden gereicht. Die Krankenhausdebatte habe sie als Kreisrätin doppelt belastet, sagte Ruth Cremer-Ricken.
  • Die wichtigsten Themen: Hier spricht sie dieselben Themen an. Diese Projekte haben oder hätten die größte Bedeutung für die Stadt über sehr lange Zeit hinweg, sagt Cremer-Ricken. Die Schließung des Krankenhauses, die Entwicklung des Gesundheitscampus und die Erschließung des Brennet-Areals werde die Strukturen der Stadt über viele Jahrzehnten beeinflussen. Gleiches hätte für das Pumpspeicherwerk Atdorf mit seinem Unterbecken im Haselbachtal gegolten, so Cremer-Ricken – wann es denn realisiert worden wäre.
  • Der größte Erfolg: Im Aus für das Projekt Atdorf sieht die Grünen-Chefin einen riesigen Erfolg. Energiepolitisch, daraus haben die lokalen Grünen nie einen Hehl gemacht, war Atdorf für sie nie ein grünes Projekt. Im Gegenteil seien durch die Verhinderung wesentliche grüne Positionen im Naturschutz durchgesetzt worden. Hinzu kommen laut Cremer-Ricken die unabsehbaren Gefahren für die Heilquellen der Stadt. In diesem Zusammenhang begrüßt sie die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Atdorf und dem Bund für Umwelt und Naturschutz. Ohne deren Unterstützung über Jahre hinweg wäre der Erfolg gegen Atdorf kaum möglich gewesen. Von Erfolgen spricht die Fraktionschefin auch beim Brennet-Areal. Die Einkaufsmeile sei vor allem durch die stete Intervention der Grünen für Radfahrer und Fußgänger gut an Innenstadt und Weststadt angebunden. Hartnäckigkeit zeige ihre Fraktion zudem beim Thema Trinkwasserschutz. Gute Arbeit sei auch im Bereich Schulen und Kindergärten geleistet worden. Das betreffe den ganzen Gemeinderat.
  • Niederlagen: Eine schmerzhafte Niederlage war die voreilige Schließung des Spitals. Cremer-Ricken selber war als Gemeinde- und Kreisrätin gleich an zwei Fronten unterwegs. Dennoch ringt sie dem Ganzen mit dem Gesundheitscampus etwas Positives ab. „Das Krankenhaus hätten wir spätestens mit der Fertigstellung der Zentralklinik ohnehin verloren“, vermutet sie. Dann hätte auch der Campus keine Chance mehr gehabt. Insofern fahre die Stadt mit der jetzigen Lösung wahrscheinlich besser. Dennoch: Ein Ersatz für das verlorene Spital sei der Campus nicht – vor allem im Bereich der Notfallversorgung. Hier sei im Campus eine kassenärztliche Notfallpraxis geplant. Die hänge nach wie vor in der Luft. Die Grünen wollen hier weiter den Finger in die Wunde legen.
  • Kontrolle der Verwaltung: „Wir könnten uns alle das Leben viel einfacher machen, wenn die Kommunikation zwischen Bürgermeister und Gemeinderat besser liefe,“ sagt Cremer-Ricken. Die Grünen-Chefin spricht dabei mehrere Projekte an, bei denen sich einige Fraktionen zu spät informiert und mithin übergangen fühlten. Deshalb gingen solche Projekte meist zurück an die Verwaltung. Aber ist diese Reaktion nicht bloßer Trotz? Diese Frage verneint die Grünen-Sprecherin vehement. Dies sei nicht der Fall, sondern einem anderen Umstand geschuldet: Der Bürgermeister wolle sicher immer was Gutes für die Stadt, nur über die Frage, was gut ist, sei man eben manchmal unterschiedlicher Meinung.
  • Bürgerbeteiligung: Die Grünen haben kein Instrument wie etwa ein Bürgertelefon, um regelmäßig Meinungen, Wünsche und Nöte der Bürger zu ermitteln. Allerdings seien die vier Stadträte jederzeit ansprechbar, was auch rege genutzt werde, so Cremer-Ricken.
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