Man hätte glauben können, dass da wirklich Udo Lindenberg mit Hut und Sonnenbrille am Klavier saß, so trefflich parodiert Michael Sens den Panikrocker. Auch wie er Bach/Gounod, Ave Maria und Peter Maffay übereinander stülpt oder Falco in „Amadeus“ mimt, war tolle Komik in diesem Kabarett nach Noten. Mit seinem Programm „Unerhört Beethoven“, einer Mix-Show zwischen geistreicher Satire und Musikcomedy, kam der bühnenpräsente, stimm- und wortgewaltige Musikkabarettist am Donnerstag in den Kursaal und zeigte, dass er ein Multikünstler ist: Musiker, Autor, Sänger, Pantomime, Kabarettist in einem. Die Leute über klassische Komponisten zum Lachen zu bringen, ist ja nicht gerade einfach. Aber der Geige, Klavier und Gitarre spielende Satire-Meister kann das bestens. Sieht er sich doch als „Bruder“ im Geiste des Romantikgeigers und Schwiegermutterschwarms André Rieu.

Auch als Panikrocker parodistisch unterwegs: Michael Sens in seiner brillanten Udo-Lindenberg-Nummer im Bad Säckinger Kursaal.
Auch als Panikrocker parodistisch unterwegs: Michael Sens in seiner brillanten Udo-Lindenberg-Nummer im Bad Säckinger Kursaal. | Bild: Jürgen Scharf

Stellvertretend spielt Sens wie besessen die Violine, lässt ungarische Csardas-Folklore aus den Saiten springen oder streicht lieblich den Donauwalzer. Als virtuoser Geiger stellt das Multitalent Sens sein Klavierspiel beinahe in den Schatten.

Musikkabarettist Michael Sens in einer witzigen Falco-Nummer.
Musikkabarettist Michael Sens in einer witzigen Falco-Nummer. | Bild: Jürgen Scharf

Das sind alles brillante Musiknummern des Bundeskabarettmeisters von 2011. Ebenso verblüfft der Bassbariton mit brillantem Witz und urkomischen Pointen. Prägend muss sein musikalisches Elternhaus gewesen sein. Will man den knalligen Clustern glauben, die Sohn Michael als Rache (?) fürs Klavierbüffeln in die Tasten haut, muss Vater Egon Sens ein wilder verstörender Neutöner gewesen sein. „Das Casanova-Prinzip“, Sens Buch, in dem er das Geheimnis der Verführung erklärt, färbt auf die Bühne ab, wenn er mit Dörte, der jungen Dame aus der zweiten Reihe, flirtet, die von ihm einfingrigen Klavierunterricht bekommt. Originelle und witzige Antworten findet Sens auf die vielen ungelösten Fragen der Musikgeschichte. Im Beethoven-Jahr kommt er natürlich nicht am Bonner Meister vorbei, macht Ursachenforschung nach Noten und spürt der Widmungsträgerin „Für Elise“ nach.

Garniert mit musikalischen Kalauern

Ansonsten nimmt er Beethoven für das aktuelle Programm nur als Aufhänger, um Plagiate in der Musik zu entlarven. Das ist komödiantisch, gut gemacht, und immer wieder ist der „taube“ Beethoven dabei. Seine genialen älteren Nummern garniert Sens mit musikalischen Kalauern. Spaßig waren die Passagen aus dem vorgeburtlichen „Tagebuch“ und die fast aphoristischen Pointen, die er „Shorties“ nennt, sein „Warm-up“ am Klavier. „Was hat Jürgen Drews mit Beethoven gemeinsam? Beide haben noch nie die Neunte Sinfonie gehört“. Das ist Sens‘ musikalischer Humor. Sein Rundumschlag mit ein paar falschen Tönen wurde nach der Pause immer besser, wortwitziger, pointierter.

Liebesbrief ans Publikum

Von den „Profi-Hustern“ im Saal ging es über die Hanns Eisler-Nummer (Nationalhymne der DDR) mit schnoddriger Berliner Schnauze zum ultimativen Gag, dem Komponistenfußball, der auch in dem neuen Beethoven-Special nicht fehlen darf. Die toten Tonsetzer lässt Sens auf dem Spielfeld zu einem Match antreten. Mit rasender Klavierwildheit bewegt er sich dabei fast im Strafraum. 1:0 für diesen ironischen Musikkabarettisten, der sein Programm noch mit einem „Liebesbrief an mein Publikum“ toppen kann. Ein schöneres Abschiedslied hat das Publikum sicher noch nie als Zugabe gehört.