Der erste musikalische Kinoabend am Samstag im Fridolinsmünster kann ohne Zweifel als großer Erfolg verbucht werden. Für zwei Stunden gelang es dem Organisten Stéphane Mottoul, die rund 100 Gäste vom barocken Münster in die in die frühgotische Kathedrale Notre Dame nach Paris zu entführen.

Der Film begeistert schon seit 100 Jahren

Tatsächlich ging die Reise aber nach Minnesota: Hier wurden die Kulissen des 1923 erschienenen Stummfilms „Der Glöckner von Notre Dame“ aufgebaut, hier wurde Lon Chaneys monumentale Verfilmung des berühmten Romans mit damals ungekanntem Aufwand gedreht. Rund eine Million Dollar hat die Verfilmung gekostet, was heute rund 15,2 Million Dollar entsprechen würde. Schnelle Szenenwechsel, detailgenau Kulissen und Ausstattungen sowie eine temporeiche Handlung sorgten bereits vor rund 100 Jahren für Begeisterung.

Der Organist muss den Film sehr gut kennen

Für einen Organisten bedeutet die musikalische Begleitung des zweistündigen Films aber auch eine große Herausforderung. „Man muss den Film natürlich sehr gut kennen“, so Mottoul zur Einführung. Er habe sich, wie bei Richard Wagners „Ring“ im Vorfeld mehrere Leitmotive überlegt, aus denen sich dann sein Spiel entwickele.

Kaum für möglich gehaltene Geräusche aus der Orgel

Lang anhaltender Beifall zeugte davon, wie perfekt es Mottoul gelungen war, mit seinen Improvisationen des nicht Hörbare hörbar und fühlbar zu machen. Ob es das Umschreiben der Hauptfiguren durch kleine Melodien war, oder die Verstärkung dramatischer Szenen und großer Emotionen: Mottoul zog das Publikum in einen Bann, so das die fehlenden Dialoge überhaupt nicht mehr auffielen. Mit Schritten, Glockenläuten und Pferdehufen entlockte der Musiker der altehrwürdigen Orgel zudem Geräusche, die man kaum für möglich halten mag. Die bewegte Geschichte des Zigeunermädchens Esmeralda, des intriganten Jehan und natürlich der tragischen Figur des Glöckners Quasimodo hauchte und spielte Mottoul überaus gekonnt Leben ein.

Ob es eine Forsetzung geben wird, ist offen

Mit seinem Lehrer Thierry Escaich hat sich der studierte Orgelmusiker intensiv mit Stummfilmen auseinandergesetzt und sich dabei besonders auf den „Glöckner von Notre Dame“ spezialisiert. Die Idee für diesen ungewöhnlichen Abend sei im Gespräch mit dem Organisten Lukas Grimm gekommen, so Bezirkskantor Markus Mackowiak. Der Organist wollte eigentlich den Abend gestalten, war dann aber verhindert. Mit dem Organisten der Freiburger Universitätskirche Stéphane Mottoul konnte aber ein mehr als würdiger Ersatz gefunden werden. Ob es man in Zukunft erneut in den Genuss eines besonderen Kinoabends, ganz ohne Popcornknirschen und Chipskrümel kommen wird, ließ der Kantor aber offen.