Mit einem deutlichen Hinweis, die Bahnstrecke am südöstlichen Rand von Obersäckingen nicht mehr zu betreten, machte dieser Tage die Deutsche Bahn AG auf eine Gefahrenquelle aufmerksam. Zu häufig werden an einer bestimmten Stelle die Gleise von Fußgängern überquert, so dass das Anbringen von zwei Verbotsschildern nicht ausbleiben konnte. Der offizielle Bahnübergang in Obersäckingen befindet sich an der Heinrich-Hübsch-Straße. Etlichen Fußgängern aus diesem Stadtteil, die in das Naherholungsgebiet zwischen Bahn und Rhein wollen, ist dieser Weg wohl zu weit, so dass sie eine Abkürzung vornehmen.

Als 1856 die Hochrheinbahn von Basel bis Waldshut in Betrieb ging, gab es in Obersäckingen zwei Bahnübergänge. Und zwar der noch immer bestehende an der Heinrich-Hübsch-Straße und ein 350 Meter weiter östlich vorhandener Übergang am Ende der heutigen Großfeld-Straße. Beide dienten jahrzehntelang den Obersäckinger Landwirten zur Bewirtschaftung ihrer Grundstücke.

Im Zuge der Rationalisierung der Bahnstrecken wurden ab den 1960-er Jahren nach und nach so ziemlich alle Schrankenwärterposten abgeschafft und die handbedienten Schranken durch automatisierte Halbschranken mit Blinklichtanlagen ersetzt. Gleichzeitig wurden auch zahlreiche Bahnübergänge ganz geschlossen. So auch jener am Feldweg, der später zur Großfeld-Straße ausgebaut wurde. Hier endet derzeit das südliche Baugebiet von Obersäckingen. Doch nicht alle Bewohner konnten sich mit der Beseitigung des Bahnübergangs abfinden und überquerten an dieser Stelle zu Fuß weiterhin die Schienen. Das ging solange einigermaßen gut, bis Mitte der 1980-er Jahre die Strecke zweigleisig ausgebaut wurde und die Züge häufiger fuhren.

Zudem wurde Obersäckingen zum beliebten Neubaugebiet, so dass die illegalen Bahnüberquerungen am stillgelegten Übergang immer mehr zunahmen. Ihr wurde ein Riegel vorgeschoben, indem entlang der Bahnlinie, ab der Straße Rheinwiese ein 180 Meter langer Zaun angebracht wurde, der 30 Meter über den ehemaligen Bahnübergang hinausreicht. Doch damit ließen sich die Obersäckinger nicht abspeisen und eröffneten zehn Meter nach dem Ende des Zauns einen neuen Trampelpfad, der sich auf den Gleiskörper dahingehend auswirkte, dass er zunehmend abflachte. Mit kräftigen, imprägnierten Balken wurde daraufhin auf beiden Seiten der Schienen das Schotterbett gestützt. Den allmählich in die Jahre gekommenen Fußgängern waren diese Schwellen allerdings zu hoch, so dass sie nebenan einen neuen Pfad eröffneten. Sie begaben sich damit weiterhin in große Gefahr und zogen auch das Gleisbett nach wie vor in Mitleidenschaft.

In der Folgezeit wurden immer wieder rotweiße Absperrbänder angebracht, die von den Erholungssuchenden freilich gleich wieder beseitigt wurden. Sie beharrten auf ihrem Gewohnheitsrecht. Da sich die Bahnverwaltung aus vielerlei Gründen verständlicherweise nicht darauf einlässt, blieb ihr vorerst keine andere Wahl, als Verbotsschilder aufzustellen. Sie sind wohl kostengünstiger, als den Zaun nochmals zu verlängern. Vermutlich wird auch davon ausgegangen, dass sich gleich am Ende eines verlängerten Zaunes ein neuer Trampelpfad über die Schienen bildet, denn der Feldweg nördlich entlang der Bahn führt noch einige hundert Meter weiter.