„Fremdsein“ – unter diesem Titel ist ein Buchprojekt für Flüchtlingskinder unter der Federführung der Journalistin Bianca Fritz, die seit gut einem Jahr Mitglied der Bad Säckinger Schreibwerkstatt Wortfischer ist, realisiert worden.In dem vielschichtigen und facettenreichen E-Book vereinen sich 15 Erzählungen namhafter Autoren sowie dreier Kollegen aus dem Kreis der Wortfischer. Namen wie Franz Hohler, Felicitas Pommerening, Patrick Tschan und Zora Debrunner sind hier ebenso vertreten wie Kathrin Schwarz, Peter Ch. Müller und Bianca Fritz selbst.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse im vergangenen Herbst, als Flüchtlingsheime brannten und Hassreden gegen Asylbewerber und Ausländer auf fruchtbaren Boden fielen, suchte Bianca Fritz nach einem Weg, dem etwas entgegenzusetzen. „Die Idee zu einem Buchprojekt war bald geboren – das Fremde und die Fremdheit als verbindendes Motiv für die Erzählungen soll zum Nachdenken anregen, zur Selbstreflexion“, sagt sie.

Denn Fremdsein sei ein universelles Gefühl. Ein innerer Zustand, ein Gefühl, das Einsamkeit und Heimatlosigkeit widerspiegelt und doch die Menschen verbindet, weil jeder das Fremdsein in irgendeiner Form kenne – nicht nur Menschen auf der Flucht. „Die Leser sollen sich fragen, wann sie sich zum letzten Mal selbst fremd gefühlt haben“, gibt Bianca Fritz zu bedenken. Gleichzeitig und vorrangig sollte mit dem Erlös denen geholfen werden, die am allermeisten unter Krieg, Hass und Verfolgung leiden: den Kindern.

Ihre ersten Mitstreiter fanden sich unter den Wortfischern in Stadtarchivar Peter Ch. Müller und Kathrin Schwarz. Doch der Weg bis zur Realisierung und Veröffentlichung der Anthologie als E-Books war noch ein weiter. Autoren mussten gefunden werden und mögliche Hilfsorganisationen, Möglichkeiten des Marketings und Vertriebsformen mussten abgeklopft werden, Lektoren gefunden und eine passende Gestaltung – Bianca Fritz zog alle Register.

„Neben den Kontakten durch mein großes Netzwerk habe ich Leute angesprochen, wie unter anderem meine persönlichen Lieblingsautoren“, erzählt sie. Die Folge davon war, dass sich in der Anthologie nun einige bisher unveröffentlichte Texte berühmter Schriftsteller finden. „Große Namen machen das E-Book hoffentlich für ein breites Publikum interessant. Ich freue mich aber genauso sehr, dass auch noch bisher unentdeckte Talente dabei sind, die erst wenige Texte veröffentlicht haben, oder in „Fremdsein“ gar ihr Debüt geben.

Die Mischung macht’s“, sagt die Herausgeberin erfreut. Den Autoren zur Seite stand ein Team von drei Frankfurter Lektoren – für die Erstautoren eine neue und sehr bereichernde Erfahrung, wie Peter Ch. Müller verrät. Was das E-Book zu einem besonderen Lesevergnügen macht, ist auch die grafische Gestaltung mit liebevoll handgezeichneten Kalligrafien von Johann Maierhofer. Er hat auch den Titel des Buches kalligrafiert, Rebecca Wild übernahm die Gestaltung des Covers.

Als Vertriebspartner konnte sie Neobooks gewinnen, die Selfpublishing-Plattform, die zur Verlagsgruppe Droemer-Knaur gehört. Mit im Boot sind auch zwei große Schweizer Hilfsorganisationen, die den Erlös für Projekte für Flüchtlingskinder in den Nachbarländern Syriens und auf der Balkanroute einsetzen. Die Einnahmen für das E-Book werden zu gleichen Teilen an Terre des Hommes Schweiz und an Worldvision Schweiz gehen.

„Im Gegenzug kann ich auf ihre Unterstützung im Marketing zählen, um das Buch auch bekannt zu machen“, erzählt Bianca Fritz, die mit ihrem Projekt zu ihrer eigenen Überraschung offene Türen einrannte. „Ganz am Anfang bin ich auch auf kritische und zögerliche Stimmen gestoßen – aber der ehrenamtliche Einsatz der Mitstreiter, die ich gefunden habe, führten uns zu einem glücklichen Ende“, erzählt sie.

Das Projekt

Die Anthologie „Fremdsein“ als E-Book ist seit dem 18. Mai auf dem Markt und im Buchhandel mit der ISBN: 978-3-7380-7065-1 erhältlich. Lesungen sind geplant, ebenso eine Veröffentlichung in Printversion.

Weitere Informationen im Internet: www.fremdsein.net