Franz Müntefering, ehemaliger Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales, besuchte am Mittwochabend das Marienhaus in Bad Säckingen. Gemeinsam mit Heimleiter Hartmut Fricke, Vorsitzender des Demografiestrategischen Forums (DSF), Bürgermeister Alexander Guhl,der Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter sowie Bürgern wurde das Thema "Perspektiven im Sozial- und Gesundheitswesen" diskutiert.

Interessiert lauschen alle Anwesenden den Ausführungen des ehemaligen Vizekanzlers. Bild: Sandro Kipar
Interessiert lauschen alle Anwesenden den Ausführungen des ehemaligen Vizekanzlers. Bild: Sandro Kipar
Zahlreiche Themen wurden im Vorfeld von Schwarzelühr-Sutter angesprochen. Das Wohnen im Alter und die damit verbundenen Bedürfnisse, wie Städte und Kommunen damit umgehen, die Perspektive von Pflegern und Gepflegten sowie den am Hochrhein kritisch gesehenen Wettbewerb mit der Schweiz. Guhl und Fricke hängen an diese Liste noch die Spitaldiskussion und den Mangel an Wohnraum dran. Auf alles hatte Müntefering letztlich keine Antwort. Besonders die spezielle Situation der Region Hochrhein ist keine Thematik, in der er bisher tief eingetaucht sei. "Das müssen Sie mit der Landesregierung besprechen", so Müntefering. Dennoch kann er einen Vergleich zu seiner Heimat Westfalen ziehen, die an die Niederlande angrenzt: Hier sei auf regionaler Ebene viel Zusammenarbeit entstanden, die bis heute gut funktioniere. Auch die Spitalfrage ist Müntefering nicht bekannt genug, um eine konkrete Aussage treffen zu können: "Das Krankenhaus und die gesundheitliche Versorgung müssen zur Region passen. Nach meiner Erfahrung liegt auch hier in der Zusammenarbeit die größte Chance."

Bei anderen Themen kann Müntefering, der auch ehrenamtlicher Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes ist, deutlicher werden. Etwa die Tendenz, dass die Menschen in die Großstädte ziehen: "Diese Binnenwanderung kommt in den Diskussionen viel zu kurz", so Müntefering. "Für die Städte wird es in den nächsten Jahren eine große Aufgabe sein, dies in ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu stabilisieren. Wir müssen kapieren, was da passiert." Zudem sei es für die kleineren Gemeinden auf dem Land an der Zeit sich die Frage zu stellen, wie das dortige Leben für junge Menschen wieder attraktiver werde. "Eine junge Frau schaut nach dem Studium, wo es die beste ärztliche Versorgung, wo es Kitas und Schulen gibt. Dort wird sie dann eine Familie gründen." Den Kommunen solle mehr Geld und Entscheidungsmacht gegeben werden, denn diese würden am besten Wissen, wo Investitionen am Nötigsten sind.

Franz Müntefering (links) und Rita Schwarzelühr-Sutter diskutieren im Marienhaus über die Herausforderungen von morgen. Bild: Sandro Kipar
Franz Müntefering (links) und Rita Schwarzelühr-Sutter diskutieren im Marienhaus über die Herausforderungen von morgen. Bild: Sandro Kipar

Trotz der von ihm beschriebenen Herausforderungen ist Müntefering optimistisch: "Wir können Dinge bewegen, diese Hürden unterliegen keinen unverrückbaren Naturgesetzen." Auch hinsichtlich der Rente mache er sich keine Sorgen. Ein Krieg der Generationen sei Quatsch, so Müntefering. Auch die Rente mit 67, für die er als ehemaliger Minister für Arbeit und Soziales verantwortlich war, verteidigt er nach wie vor. Das Problem liege in den prekären Arbeitsverhältnissen: "Unsere Gesellschaft akzeptiert es nicht, dass einfache Jobs gebraucht und gut bezahlt werden müssen.

" Der jüngeren Generation, die erst in 40 oder mehr Jahren in Rente gehen wird, empfiehlt Müntefering vor allem eins: Gute Bildung. "Damit meine ich aber nicht nur die schulische Ausbildung, sondern auch politische Bildung und etwas, das wir früher Herzensbildung genannt haben", erklärt er abschließend.