Vor ziemlich genau 40 Jahren hat sich der Schweizer Franken währungstechnisch über die D-Mark erhoben, so ist es überall zu lesen. Bis Anfang 1979 ging man noch in die Schweiz zum Einkaufen, vor allem in Stein drüben waren die Säckinger fleißig am Posten. Migros und Coop waren fest in deutscher Hand, sehr vieles war drüben deutlich günstiger. Heutzutage kaum mehr vorstellbar, dass wir dort seinerzeit sogar Fleisch- und Wurstwaren massenhaft eingekauft haben.

Um die Hälfte billiger

Vom Brot und Zucker mal ganz abgesehen, hat in der Schweiz vieles gerade mal die Hälfte gekostet. In den 1960er- und 70er-Jahren hat mich meine Mutter fast täglich mit meinem Fahrrad in die Schweiz entsandt, um Brot einzukaufen. Im Sommer und Herbst, während das Obst eingeweckt wurde, musste ich sogar mehrmals täglich über die Holzbrücke und Zucker holen, erlaubte Höchstmenge waren nämlich lediglich zwei Kilo.

Die Satteltaschen voll Zucker

Natürlich habe ich dann kriminelle Energien entwickelt, die Satteltaschen meines Fahrrads mit 10 Kilo Zucker vollgestopft und dann geschickt dem wachsamen Auge der Zöllner vorenthalten. Ich war als Schmuggler nicht wenig stolz, wenn es funktioniert hat. Dasselbe Spiel ein paar Jahre später mit Zigaretten. Erlaubt waren zwei Päckchen, wir aber haben ganze Stangen geschmuggelt und auf dem Schulhof gewinnbringend verhökert.

Heute schmuggeln die Schweizer

So hätte ich also fast Karriere als Schmuggler und Dealer gemacht. Glücklicherweise hat sich 1979 die Parität zu zu Gunsten des Schweizer Franken verändert. Somit war meine kriminelle Laufbahn rechtzeitig vor der Strafmündigkeit beendet. Meine Vergehen verjährt. Jetzt schmuggeln die Schweizer Waren von Säckingen nach drüben. Und das darf ruhig so bleiben.

http://saeckingen.redaktion@suedkurier.de