Manch einer mag sich gewundert haben über den verstärkten Einsatz der Münster-Glocken zu Beginn dieser Woche, doch das gehört eben zur Arbeit von Oliver Rösch und seinem Team von der Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Uni Karlsruhe (MPA) dazu. Mit knapp 60 Metern Höhe sind die Münster-Türme die höchsten im Landkreis Waldshut und der zweithöchste Kirchenbau nach dem Dom in St. Blasien. In die beiden Glockenstühle führen auf steilen Treppen 180 schmale Stufen – ein Fortschritt wenn man bedenke, dass vormals der Weg hinauf über schmale Leitern bestanden werden musste, sagt Rösch. Doch das gehöre zum Glück weitestgehend der Vergangenheit an. Die Auswirkungen des Geläutes auf die beiden Türme, eventuell auftretende Schäden dadurch, Optimierungsvorschläge – das haben Rösch und seine beiden technischen Mitarbeiter von Dienstag bis Donnerstag mit speziellen Gerätschaften ausgemessen und analysiert. Denn Fridolin, Hilarius, Pius, Wendelin, Maria, Josef und Franziskus, die in den beiden Glockentürmen beheimatet sind und ihrer Arbeit mit zuverlässiger Regelmäßigkeit nachgehen, bedeuten für die Türme eine kräftemäßige Herausforderung.

Alle fünf Jahre werden daher diese Messungen durchgeführt, seit 1993 von den Mitarbeitern des MPA – so sind Türme und Glocken quasi alte Bekannte für die Techniker und man könne auf lange Erfahrungswerte aufbauen. Während die beiden Facharbeiter im Glockenturm die Messgeräte anbringen und genau beobachten empfängt Oliver Rösch unten im Messwagen die Daten, steuert die Messgeräte und erkennt schnell wenn etwas in den Türmen nicht stimmt oder zu reparieren ist.

„Die Turmeigenfrequenzen parallel und quer zur Läuterichtung werden mittels eines Unwuchterregers ermittelt. Im Vergleich dazu werden die Frequenzspektren aus natürlicher Anregung (Wind) zur Feststellung möglicher Nichtlinearitäten bestimmt“, sagt er – anders gesagt: die Kräfte, die durch das Glockenläuten frei werden und auf die Türme einwirken werden gemessen ebenso wie natürliche Krafteinwirkungen wie Wind. Gemessen und Kontrolliert werden auch Verschiebungen, Rissöffnungen und der Läutewinkel.

Die dynamische Situation werde nach der DIN-Norm 4178 beurteilt und gegebenenfalls werden Änderungs- bzw. Sanierungsvorschläge gemacht, erklärt er weiter. Auftraggeber für Rösch und seine Leute ist die „Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Konstanz“, an die Rösch seinen Bericht abschließend sendet. Korrekturen und Reparaturen erledigt danach eine Glockenwartfirma aus Schonach und für Rösch und sein Team heißt es nun auf zum nächsten Einsatz.

Die Glocken

Insgesamt sieben Glocken sorgen für das unverkennbare Läuten des Bad Säckinger Münsters. Die Fridolinsglocke wurde 1753 von Franz Anton Grieshaber II. und seinem Vetter Franz Anton Grieshaber I. in Waldshut gegossen. Sie hängt als einzige Glocke in einem alten Holzglockenstuhl des Südturms. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1952, goss Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg sechs weitere Glocken, die alle im Nordturm ebenfalls in einem Holzglockenstuhl hängen.