Ein leichtes Erdbeben der Stärke 3,1 auf der Richterskala hat in der Nacht zum Montag die Region erschüttert. Das Epizentrum lag laut seismographischer Messungen des automatischen Erdbebendiensts der ETH Zürich in etwa 17 Kilometern Tiefe bei Herrischried. Gespürt und gehört hatten die leichten Erdstöße aber nicht nur zahlreiche Anwohner im Hotzenwald. Auch im Kreis Lörrach und in Regionen der Nordschweiz wurde das Beben registriert.

In der Redaktion meldeten sich am Montag zahlreiche Bürger aus der Region und erzählten, wie sie den Moment in der Nacht zum Montag erlebt haben. Erich Nann aus Todtnau im Landkreis Lörrach etwa hat gegen 0.30 Uhr ein mäßig lautes Grollen wahrnehmen können. Das Geräusch sei „ähnlich dem eines Gewitters“ gewesen, berichtet auch Armin Rümmele aus Zell im Wiesental. „Es war mir sofort klar, dass es sich um ein Beben handelt“, schreibt er in einer E-Mail. Zu spüren sei es allerdings kaum gewesen. Auch Leser Hans-Jürgen Sackmann aus Görwihl hat das Beben mitbekommen. „Die Uhrzeit war exakt 0.29“, schreibt er. Bei dem grollenden Geräusch habe er zunächst das Gefühl gehabt, es komme aus südlicher Richtung. Angst habe ihm dieses Naturschauspiel allerdings nicht bereitet. Für Oya Demir Örenbag aus Murg hingegen fühlte sich das Beben so an "als ob irgendetwas unter meinem Bett durchgerast ist".

In Waldshut-Tiengen hat das Beben ebenfalls für Aufmerksamkeit gesorgt. Eine Leserin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, erzählt von ihrer Irritation: „Ich lag um die Uhrzeit (0 bis 1 Uhr) im Bett, habe eine Serie angeguckt und plötzlich vibrierte es unter meinem Hintern ganz leicht und ich verspürte einen kleinen Ruck“, schreibt sie. Anschließend habe sie von weitem ein dumpfes Donnern gehört. Bis sie am Morgen durch eine Arbeitskollegin von dem Beben erfuhr, habe sie die leichte Erschütterung und das donnernde Geräusch für ein Gewitter oder Gepolter in einer Nachbarwohnung gehalten.

Die Polizei hat in der Nacht keine Anrufe von verängstigten Anwohnern erhalten. Auch über Schäden durch das leichte Beben ist den Beamten laut Informationen der Pressestelle nichts bekannt. „Offensichtlich haben die Bürger da oben so einen guten Schlaf, dass sie nichts mitbekommen haben“, sagt Polizei-Pressesprecher Dietmar Ernst auf Nachfrage dieser Zeitung. Bei vergangenen Beben sei das anders gewesen. „Normalerweise werden die Bürger durch so ein Ereignis aufgeschreckt und melden sich bei der Polizei. Diesmal sind jedoch alle gelassen geblieben“, so Dietmar Ernst.

Auch in den Pumpspeicherwerken am Hornberg- und Eggbergbecken der Schluchseewerk AG ist laut Pressesprecher Peter Steinbeck alles ruhig geblieben. In der Zentralwarte des Unternehmens, in der jede Störung mithilfe von sensiblen Messinstrumenten registriert werde, habe es keine Auffälligkeiten gegeben. "Bei Vorfällen wie Erdbeben haben wir eine Störfallplanung mit Alarmierungsketten, die dann greift", erklärt er. Bislang habe es jedoch noch bei keinem Erdbeben in der Region ernsthafte Probleme gegeben. Dass Sondierungs-Bohrungen, wie die im Zuge der Planungen für das mittlerweile abgesagte Projekt Pumpspeicherwerk Atdorf Erdbeben auslösen könnten, denkt Peter Steinbeck nicht. "Wir haben schon lange keine Bohrungen mehr durchgeführt", sagt er. Mit dem Geothermie-Bohrloch, das in Basel seit einiger Zeit zu vermehrt auftretenden Mikrobeben führt, seien die Bohrungen an den Pumpspeicherwerken überdies nicht zu vergleichen.