Die Kirchturmuhr an der Heilig-Kreuz-Kirche läuft wieder. Ein Blitzeinschlag hatte sie bei dem heftigen Gewitter vergangene Woche beschädigt (wir berichteten). Und wie das passierte, ist eine Seltenheit. Wie Fachleute jetzt vermuten, schlug der Blitz direkt in den Minutenzeiger ein. Er fuhr also nicht am höchsten Punkt, dem Kreuz, in den Turm, sondern erst seitlich weiter unten. „Das ist äußerst selten“, sagte Thomas Raphael gegenüber unserer Zeitung.

Raphael leitet den Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung beim Verband Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik in Frankfurt (VDE). Er war über SÜDKURIER Online auf den Blitzeinschlag aufmerksam geworden.

Das könnte Sie auch interessieren
Von dem Bild mit dem verkohlten Minutenzeiger war der Blitzforscher sofort „elektrisiert“, sagte er, „so etwas gibt es nicht oft.“

Für die Blitzforschung sind solche Einschläge wichtig, um weitere Geheimnisse von Gewitterentladungen zu enträtseln. Thomas Raphael geht in der besagten Gewitternacht von folgendem Ereignis aus: „Um 0.27 wurden im Bereich Römerweg mehrere Wolke-Erde-Blitze registriert“, so Raphael, „einer von denen wird es gewesen sein.“

Ein solcher Wolke-Erde-Blitz schlug letzte Woche auch in die Heilig-Kreuz-Kirche ein.
Ein solcher Wolke-Erde-Blitz schlug letzte Woche auch in die Heilig-Kreuz-Kirche ein. | Bild: Hartl

Der Blitzforscher geht davon aus, dass der Blitz dabei die höchste Spitze des Turmes, das Kreuz, ignoriert hat, seitlich am Gebäude entlang schoss und direkt beim Minutenzeiger einschlug. „Wahrscheinlich steht der Zeiger am weitesten von der Wand weg“, schätzt Raphael, und hat damit den Blitz angelockt, der dann durch die Antriebswelle ins Innere gelangte und das Uhrwerk beschädigte.

Ganz oben auf dem Kirchturm der Heilig-Kreuz-Kirche ragt das Kreuz empor. Der Blitz letzte Woche ignorierte jedoch die höchste Erhebung des Turmes und schlug lieber weiter unten in die Uhr ein. Eine Seltenheit, sagen Blitzforscher vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, Abteilung Blitzschutz und Blitzforschung.
Ganz oben auf dem Kirchturm der Heilig-Kreuz-Kirche ragt das Kreuz empor. Der Blitz letzte Woche ignorierte jedoch die höchste Erhebung des Turmes und schlug lieber weiter unten in die Uhr ein. Eine Seltenheit, sagen Blitzforscher vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, Abteilung Blitzschutz und Blitzforschung. | Bild: Rank, Marion

Das Bad Säckinger Beispiel zeigt: Niederer bedeutet eben nicht immer sicherer

Es sei bekannt, dass Blitze in hohe Objekte auch mal seitlich einschlagen können, sagt der Blitzforscher. Das sei zwar sehr selten, werde aber durch das SÜDKURIER-Foto eindrucksvoll dokumentiert. Damit werde wieder einmal deutlich, dass niedrigere Gebäude nicht immer geschützt seien, weil der Blitz automatisch in die höchste Erhebung einschlage. Raphael: „Das ist zwar in der Regel so, aber eben nicht immer, wie man sieht.“

Warum der Blitz diese oder jene Stelle eines Gebäudes bevorzugt, ist zumindest bei unüblichen Fällen oft nicht erklärbar. „Der Blitz sucht Ecken und Kanten“, sagt Raphael. Manchmal schicken solche hervorstehenden Teile auch so genannte Fang-Entladungen los, also kleine Fang-Blitze, um den großen Blitz einzufangen.

Holger Hausin, Mesmer der katholischen Kirche in Bad Säckingen, ist froh, dass die Uhr wieder läuft. Der Monteur hat defekte Teile ausgetauscht – unter anderem eine durchgeschmorte Platine, so Hausin. Die Uhr gehe wieder und außer der großen Glocke auch das Geläut. Die große Glocke werde demnächst wieder angeschlossen.

Mesmer Holger Hausin: „Die Uhr ging immer richtig“

„Die Uhr lief übrigens immer richtig“, fügte Mesmer Hausin hinzu. Es hatte nämlich Rätselraten gegeben über den Umstand, dass der Blitz um 0.27 Uhr einschlug, die Uhr aber um 0.32 Uhr stehen blieb. Ging die Uhr fünf Minuten vor?, war die Frage. Holger Hausin löste das Rätsel jetzt auf. Gleich am Tag nach dem Blitzeinschlag war der Monteure das erste Mal da und brachte die Uhr ganz kurzzeitig zum Laufen. Fünf Minuten lang. Dann blieb sie wieder stehen.

Das könnte Sie auch interessieren