Vor 40 Jahren ist die Gemeinschaftszollanlage Bad Säckingen/Stein in Betrieb genommen worden, kurz nach Fertigstellung der Fridolinsbrücke. Jetzt gab es zu diesem Anlass eine kleine Feier. Die Verantwortlichen von Zoll und Grenzschutz beider Staaten trafen sich am Grenzübergang. Das kollegiale Miteinander ist in den Festansprachen deutlich in den Mittelpunkt gerückt worden. Zwei Staaten – eine Gemeinschaftslösung, 1979 war das eine einzigartige Sonderrolle für den Grenzverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz.

Zum Feiern waren die Verantwortlichen der Behörden nach Bad Säckingen gereist (von links): der Leiter des Hauptzollamts Singen, Kai Dade, Daniel Schalbetter vom schweizerischen Zoll Rheinfelden/Stein, Zollamtsleiterin Sabine Hartmann und Heinz Engel vom Kommando 1 in Basel.
Zum Feiern waren die Verantwortlichen der Behörden nach Bad Säckingen gereist (von links): der Leiter des Hauptzollamts Singen, Kai Dade, Daniel Schalbetter vom schweizerischen Zoll Rheinfelden/Stein, Zollamtsleiterin Sabine Hartmann und Heinz Engel vom Kommando 1 in Basel. | Bild: Gerd Leutenecker

An den Uniformen ist weiterhin der Unterschied bemerkbar. Hoheitliche Befugnisse sind koordiniert, zumal auch der zivile Kleidungscode klare Zuständigkeiten erkennen lässt. Die Gemeinschaftszollanlage beherbergt gleichzeitig auch die staatlichen fiskalischen Behörden. Neben der Warenabfertigung ist der Zoll schon seit Langem auch für die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohnes zuständig.

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„Die Zuständigkeiten haben sich in 40 Jahren geändert“, erklärte Sabine Hartmann, die seit vier Jahren Leiterin des Zollamts Bad Säckingen ist. Einige Aufgabenfelder sind abgewandert, andere Zuschnitte der Verwaltungseinheiten haben sich von bundesdeutscher Seite her geändert. Aber was geblieben ist, sei die jetzt weitgehend reibungslose Abwicklung des Handelswarenverkehrs. Bad Säckingen gehört zur übergeordneten Dienststelle des Hauptzollamts Singen. Gleichzeitig ist die Bundespolizei mit den hoheitlichen Aufgaben vor Ort vertreten. Der lange Arm des Innenministeriums ist zumindest für die deutschen Grenzgänger immer sichtbar.

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Ganz im Hintergrund trat auch das staatliche Hoch- und Tiefbauamt bei den Feierlichkeiten zutage. Was gebaut wird und welche Teile der Gemeinschaftszollanlage erneuert werden, wie aktuell die Lastwagen-Abfertigungsspur in Fahrtrichtung Stein, darin zeigt sich das Zusammenspiel der Behörden. Der Charme der 70er Jahre werde bei den Bauwerken weiterhin sichtbar bleiben, aber in feinen Details werde permanent modernisiert. Etwa bei der mobilen Lastwagen-Röntgenanlage oder den Zufahrtswegen zur Waage sei schnell gehandelt worden.

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Das Besondere in Bad Säckingen/Stein ist die zusätzliche Koordinierung mit den schweizerischen Fachstellen und Behörden. Ganz im Businessdress traten die Verantwortlichen der schweizerischen Seite auf. Daniel Schalbetter als langjähriger Chef des Zollamts und Heinz Engel vom Kommando 1 in Basel sehen sich als Vertreter des eidgenössischen Finanzdepartements. Zoll ist Verwaltung und Inspektion. „Aber auch das ist im Fluss“, betonte Schalbetter mit Blick auf die Änderungen. Digitalisierung und Harmonisierungen seien die eidgenössischen Zauberworte der Zukunft des Zolls. „Ein Quickzoll wird die Grenzformalitäten“ weiter beschleunigen, auch am Gemeinschaftszoll in Stein/Bad Säckingen, kündigt Schalbetter an.

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Die langen Lastwagenstaus gehören zur Vergangenheit an der Gemeinschaftszollanlage dazu. In 40 Jahren ist eine Steigerung um 385 Prozent eingetreten. Beim Autoverkehr sogar eine Steigerung um 810 Prozent. Die schweizerische Seite gab diese Zahlen bei der Jubiläumsfeier fast schon beiläufig bekannt. Dieses stark gewachsene Verkehrsaufkommen war eine Herausforderung. Vor 40 Jahren „waren wir proportional die größte Grenzstelle im Aargau“, heute sind mit Laufenburg und dem Autobahnzoll in Rheinfelden weitere leistungsfähige Zollanlagen dazugekommen, betonte Schalbetter in seinem Rückblick.

Eine Baustelle besteht an der Gemeinschaftszollanlage. Die Lastwagenspur in Fahrtrichtung Stein wird saniert und dem neuesten Stand der Technik angepasst. Die Lastwagen-Waage (linke Spur) kann Schwertransporte mit Überlänge nicht aufnehmen.
Eine Baustelle besteht an der Gemeinschaftszollanlage. Die Lastwagenspur in Fahrtrichtung Stein wird saniert und dem neuesten Stand der Technik angepasst. Die Lastwagen-Waage (linke Spur) kann Schwertransporte mit Überlänge nicht aufnehmen. | Bild: Gerd Leutenecker

Sabine Hartmann sieht gleichfalls die besonderen Möglichkeiten in Bad Säckingen als Vorteil an: „Außergewöhnlich waren die Leopard-zwei-Lieferungen in die Schweiz“, berichtet sie. Die Ausfuhrmodalitäten für die Panzerlieferungen seien zwar einfach, nicht aber im Hinblick auf die Logistikleistung. Derzeit sind verstärkt die Produktfälschungen im Visier der Kontrollen. Über die Bargeldkontrollen und den Drogenschmuggel wird nicht gerne geredet – offensichtlich bleibt am Gemeinschaftszoll in Bad Säckingen/Stein weiterhin die komplette Palette an Ermittlungsarbeit beidseits des Rheins Teil des Tagesgeschäftes.