Richter Rupert Stork verurteilte eine 57-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte für ein Strafmaß von 50 Tagessätzen zu je 60 Euro plädiert. Die 57-Jährige betreibt nach eigenen Angaben seit 40 Jahren eine Pferdezucht. Sie soll einem Amtstierarzt, der bei einer Routinekontrolle nachgefragt hatte, ob bei den Pferden Chips implantiert seien, gesagt haben: „Chippen Sie sich doch selbst den Hintern.“ (Mit drastischerer Wortwahl) Die Angeklagte gab die Äußerung zu, sie habe den Tierarzt allerdings damit nicht beleidigen wollen.

Sie sehe jedes Mal rot wenn, die Tierärzte vorbeikämen und mit dem Landratsamt sei sie auch im Dauerclinch. Früher hätten die Pferde ein Brandzeichen zur Kennzeichnung bekommen. Das sei weniger schmerzhaft als die Chips, die sie als Tierquälerei empfinde. Die Tiere müssten gewaltsam festgehalten werden, damit der Chip in den Hals implantiert werden könne. Laut Seuchengesetz sei die Kennzeichnung der Pferde auf diese Art jetzt vorgesehen, damit man die Seuchen zurückverfolgen könne. Ihrer Meinung nach gebe es aber keine Seuchen. Solange ihr der Tierarzt die Existenz von Seuchen nicht glaubhaft nachweisen könne, werde sie die Chips nicht implantieren. Dazu wisse man nicht, was in den Chips genau enthalten sei, fügte sie hinzu.

Die Angeklagte habe sich schon des Öfteren respektlos verhalten, gab der Tierarzt vor Gericht an, der als Zeuge geladen war. Das Chippen der Pferde sei seit einiger Zeit Pflicht und weit weniger schmerzhaft als das Brandzeichen. Die Chips seien etwa reiskorngroß und dienten der Rückverfolgung von Seuchen, so der Tierarzt weiter. Das Gespräch habe sich immer mehr zu einem Streit entwickelt. Er habe die Patientin gefragt, wie die Tiere heißen und sie hätte gesagt, sie hätte es vergessen. Ein Bekannter hätte dann gesagt, eines der Tiere heiße „Weihnachtsmann“. Er habe sich durchaus auch bedroht gefühlt, gab der Zeuge an. Sie habe zu ihm gesagt: „Seien Sie froh, dass meine Mieter nicht da sind.“ Insgesamt vermute er, die 57-Jährige leiste Widerstand um des Widerstands willen.

Auch die anderen Zeugen bestätigten die Beleidigung. Eine andere Tierärztin, die damals auch dabei gewesen war, vermutete, die Angeklagte wollte ihren Kollegen lächerlich machen. Die Staatsanwaltschaft sah den Sachverhalt als erwiesen an. Die Angeklagte hatte zugegeben, den Tierarzt beleidigt zu haben. Zugunsten der 57-Jährigen könne sie nichts feststellen. Zu Lasten sehe sie hier, dass die Angeklagte bereits einschlägig wegen Beleidigung vorbestraft war. „Sie haben das als Trotzreaktion gesagt“, resümierte der vorsitzende Richter. „Das ist auf den ersten Blick keine Beleidigung. Allerdings entspricht das, was Sie gesagt haben, dem Zitat des Götz von Berlichingen und das ist eine Beleidigung. Insgesamt sind Sie gut weggekommen“, wandte sich Stork abschließend an die Angeklagte.

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