Die seelischen Wunden derer, die Opfer eines Einbruchs wurden, heilen lange nicht, zu tief sitzt der Schock. Das Eindringen in die Privatsphäre wiegt meist höher als der materielle Schaden. Der kommt am Ende gar hinzu, bei eventueller Unterversicherung. Auch die heile Welt des Dorfes ist ins Ungleichgewicht geraten, bedingt durch die jüngste Einbruchserie in Wallbach. Hilfe zur Selbsthilfe ist gefragt, daher veranstaltete der Vorstand des Wallbacher Vereins "Nachbarn für Nachbarn" am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Feuerwehrgerätehauses eine Infoveranstaltung zur Einbruchsprävention. Eingeladen als Referent zum Thema Sicherheitstechnik war Kriminaloberkommissar Helmut Adolf vom Polizeipräsidium Freiburg, der jede Menge Sicherungstechnik dabei hatte.

Die Veranstaltung solle den Bürgern ein Sicherheitsgefühl vermitteln, ohne Panikmache, erklärten Klaus-Konrad Umbreit, Vorsitzender des Vereins "Nachbarn für Nachbarn" und dessen Stellvertreter Dieter Troppmann, von der Kripo Lörrach, seit 38 Jahren bei der Polizei. Rund fünf Einbrüche habe es in Wallbach gegeben, teilweise erfolgreich, erklärte Adolf, seit 45 Jahren bei der Polizei, Kriminaltechniker, für Einbruchsberatung zuständig. Einbrüche fänden den ganzen Tag über, zwischen 8 und 20 Uhr statt, erfolgten meist über Balkontüren und Fenster.

So sollte ein fachgerecht gesicherter Licht-/Kellerschacht geschützt sein. Gitterroste von Kellerlichtschächten sollten mit speziellen Abhebsicherungen geschützt sein, Einbrecher treten die Fenster ansonsten mit den Beinen ein.
So sollte ein fachgerecht gesicherter Licht-/Kellerschacht geschützt sein. Gitterroste von Kellerlichtschächten sollten mit speziellen Abhebsicherungen geschützt sein, Einbrecher treten die Fenster ansonsten mit den Beinen ein.

Täter benötigen meist unter fünf Sekunden, um kaum gesicherte Standardtüren und -Fenster mit einem Schraubendreher aufzuhebeln, (das meist verwendete Einbruchswerkzeug, nicht ein Brecheisen, erklärt Adolf den erstaunten Zuhörern). Geräuschlos, unauffällig zu transportieren. Einbrecher wollen innerhalb von fünf bis 15 Minuten zum Ziel gelangen. Adolf zeigte den mehr als interessierten Besuchern die verschiedensten Möglichkeiten zum Schutz ihrer Häuser und Wohnungen auf, informierte über die Möglichkeiten der Nachrüstungen aus dem Fachhandel.

Vieles stimmte nachdenklich, etwa dass Rollläden keinen Schutz bieten, da die Standardlamellen aus Kunststoff mit einem Schraubendreher geräuschlos auseinander gebogen werden können. So sollten sie zumindest gegen Hochschieben gesichert sein. Täter versuchen einen Einbruch immer an mehreren Fenstern, auch den Lichtschächten der Keller. Über ein Drittel der Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken bei den richtigen mechanischen sicherungstechnischen Einrichtungen.

Kriminaloberkommissar Helmut Adolf brachte jede Menge Anschauungsmaterial mit, so dass die Besucher der Veranstaltung einen ersten Überblick bekamen, welche Möglichkeiten es gibt, Fenster und Türen aufzurüsten und gegen Einbruch zu sichern. Einige hatten schon aufgerüstet und so entstand ein reger Erfahrungsaustausch unter den Besuchern. Bilder: Marion Rank
Kriminaloberkommissar Helmut Adolf brachte jede Menge Anschauungsmaterial mit, so dass die Besucher der Veranstaltung einen ersten Überblick bekamen, welche Möglichkeiten es gibt, Fenster und Türen aufzurüsten und gegen Einbruch zu sichern. Einige hatten schon aufgerüstet und so entstand ein reger Erfahrungsaustausch unter den Besuchern. Bilder: Marion Rank

Wichtig dabei: Der Rat eines Fachmannes, dass alles sinnvoll aufeinander abgestimmt ist, die entsprechenden Widerstandsklassen beachtet werden. Die Art der Sicherungstechnik sei auch abhängig von der Lage des Hauses. Oft ist es das Material, das es den Einbrechern ermöglicht, in ein Heim einzudringen. So breche ein Schließstück aus Guss bei einem Einbruch durch ein Fenster, erklärt Adolf, die Verwendung von Stahl ist vonnöten. Ein Kastenschloss mit Sperr-Riegel ersetzt die gute, alte Kette an Eingangstüren. Scheiben würden nicht eingeschlagen, sondern aus sicherer Entfernung eingeworfen, wissen Adolf und Troppmann. Bleibt es still, schlägt der Täter zu. Kameras hielten diese nicht ab, auch nicht Bewegungsmelder, sie erleichtern Tätern die Arbeit. Sie schlagen bei jeder Katze an, so reagiert niemand.

Vorsicht ist geboten, wenn jemand klingelt, es ermöglicht ungehinderten Blick in den Flur, was sich dort befindet. Beim Verlassen des Hauses oder Nachts das Licht anzulassen helfe nicht immer, die Geräuschkulisse fehle, die verursacht wird, wenn jemand zu Hause ist, so Adolf. In Mehrfamilienhäuser brechen Täter eher in den oberen Stockwerken ein, wo sie niemand hört und das Verlassen des Hauses später wenig auffalle. Hunde seien von Nutzen, aber nur wenn sie gut ausgebildet sind, so Adolf. Ist ein Täter im Haus, rät Adolf dazu, Licht einzuschalten, das reiche oft aus, um diesen zu erschrecken.

Dass die Einbruchserie die Wallbacher beunruhigt, zeigte die große Zahl der Besucher, die Adolf am Ende viele Fragen zum Thema stellten.

 

Verhaltensregeln zur Einbruchsprävention

  • Tipps: Fenster, Balkon- und Terrassentüren, auch Gartentore selbst bei kurzer Abwesenheit verschließen, gekippte Fenster sind für Einbrecher ein leichtes Spiel. Häufig gekippte Fenster mit einem Gitter sichern. Kein Plausch mit der Nachbarin gegenüber und die Haustür steht sperrangelweit offen. Haustüre nicht nur zuziehen, sondern den Schlüssel zweimal umdrehen. Bei Verlust des Schlüssels sollte umgehend ein Austausch des Schließzylinders erfolgen. Niemals den Schlüssel draußen verstecken. Rollläden nicht schon tagsüber schließen, signalisiert Abwesenheit. Auf ausreichende Beleuchtung von Türen und Zugangswegen achten, dichte Bepflanzungen vor dem Haus und Einstieghilfen wie herumstehende Leitern oder Tische erleichtern den Zutritt. Hilfreich: Weitwinkel-Türspione mit mindestens 180 Grad, öffnen der Türe nur mit vorgelegtem Sperrbügel, Türsprechanlagen, kombiniert mit integrierter Videokamera. Auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück achten. Keine Hinweise geben auf eine Abwesenheit, etwa durch überfüllte Briefkästen während der Urlaubszeit, besser die Zeitung so lange abbestellen und den Schlüssel für den Briefkasten den Nachbarn geben. Halten Sie Kontakt mit ihren Nachbarn, beobachten Sie Auffälligkeiten auf dem Nachbargrundstück. In Amerika wird dies schon lange praktiziert, in den meisten Straßen stehen Schilder mit dem Aufdruck: "Neighbourhood is watching you." (Auf Deutsch: Die Nachbarn beobachten Dich). Achten Sie auf Fremde im Haus und dem Nachbargrundstück, sprechen Sie sie an. Halten Sie in Mehrfamilienhäusern Eingangs- und Kellertüren stets verschlossen, auch tagsüber. Prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie den Türdrücker betätigen. Wertsachen wie Schmuck und Dokumente gehören in ein Bankschließfach.
  • Notruf: Kontaktieren Sie die Polizei bei Auffälligkeiten und verdächtigen Situationen über den Notruf 110, vor allem auch bei Hilferufen oder ausgelöster Alarmanlage.
  • Kontakt: Helmut Adolf, Polizeipräsidium Freiburg, Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle, Standort Waldshut-Tiengen, Ostpreußenstraße 22, 79761 Waldshut-Tiengen. Die Beratung ist kostenlos. Umfangreiches Infomaterial zum Schutz gegen Einbruch ist dort erhältlich. Telefon: 07741/831 63 27. Internet: www.k-einbruch.de