Keimzelle von Obersäckingen, zugleich uralter Kulturboden, ist die Kapelle im Friedhof. Sie ist der 1490 errichtete Chor-Anbau der ehemaligen Obersäckinger Pfarrkirche, die bereits 1135 an dieser Stelle stand. Nachdem 200 Meter nördlich davon 1863 die heutige St.-Martins-Kirche eingeweiht wurde, riss man den seit 1135 bestehenden romanischen Teil der Kirche ab und übernahm den gotischen Chor von 1490 als Friedhofskapelle.

St. Martin wurde schon beim Bau der ersten Kirche, vermutlich im 8. Jahrhundert, Schutzpatron der damals gegründeten Obersäckinger Pfarrei, die auf die Missionierung des Glaubensboten Fridolin zurückgeht. Beiden Heiligen sind zahlreiche Abbildungen und Skulpturen gewidmet. Beispielsweise die beiden Gemälde aus dem Jahre 1753, die sich über dem Altar der Friedhofskapelle befinden, die der Laufenburger Maler Joseph Tröndlin gefertigt hatte.

In der jahrhundertalten Kirche standen einst drei Altäre, die vom Unteralpfener Schreiner Christoph Schlegel 1753 durch drei neue ersetzt wurden. Doch nur einer davon, der in der heutigen Friedhofskapelle, ist erhalten geblieben. Das Gemälde „Christus am Kreuz“ wurde zum Altarbild, denn es war adäquat zu Begräbniszeremonien.

Das frühere Altarbild „Christus am Kreuz“ kam nach der Restaurierung der Friedhofskapelle zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege an die Seitenwand.
Das frühere Altarbild „Christus am Kreuz“ kam nach der Restaurierung der Friedhofskapelle zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege an die Seitenwand. | Bild: Richard Kaiser

Als in den 1950er Jahren eine Kapellenrestaurierung anstand, rückte man den Ortsheiligen wieder mehr in den Vordergrund. Man tauschte das Kreuz-Bild gegen das ursprüngliche zum Altar gehörende Gemälde, das den heiligen Martin bei der Mantelteilung zum Inhalt hat, das ab 1863 in der heutigen Pfarrkirche hing.

Bevor das Martinsgemälde 1955 in die Friedhofskapelle kam, wurde es restauriert. Ebenso sollte die über dem Bild angebrachte Lünette aufgefrischt werden, die seinerzeit auf einer schwarzbemalten Leinwand lediglich die Buchstabengruppe „IHS“ zeigte.

Als man die Farbschicht ablöste, kam eine kaum beschädigte Darstellung des heiligen Fridolin hervor, wie er den toten Zeugen Ursus zum Gericht geleitet. Auch dieses Gemälde wurde restauriert und leuchtet seither über dem Altar, wie es 1753 von Tröndlin gemalt wurde. Das frühere Altarbild „Christus am Kreuz“ kam dagegen mit einem neuem Rahmen an die Seitenwand der Friedhofskapelle und wurde mit einer passenden Ziertafel versehen zu einem Erinnerungsmal an die Toten der beiden Weltkriege.