Schon das Ambiente im Eingangsfoyer der Gewerbeschule war bei der Abschlussfeier ungewöhnlich. Die diesjährigen Absolventen wollten sich und ihren Familien und Freunden einen feierlichen Rahmen. Weitgehend selbstorganisiert war der offizielle Teil der Zeugnisübergabe fast nur eine Nebensache der Feier. Schulleiter Schopp schmunzelte bei dieser Feststellung: „Ihr habt von Anfang an verstanden, dass ihr im Mittelpunkt steht.“

Schnell sei erkennbar gewesen, dass Ambitionen und Ehrgeiz bei den beiden Klassen in den jeweiligen Fachrichtungen Technik oder Biologie vorhanden ist. Klassenlehrerin Treyer betonte die außergewöhnliche Gruppendynamik: „Das hat gepasst, von Anfang an. Keine Gruppenbildung, alle waren für alle da und das Gegenseitige hat gestimmt.“ Mathelehrer Keppler gab freimütig zu, „das war in all den Jahren endlich mal wieder anders. Die wollten.“ Das mag an der Konzeption dieses Schultyps liegen. In der Regel haben die Schüler bereits eine Ausbildung absolviert, haben konkrete Ziele und haben sich eigenständig und mit Bedacht für ein Jahr Schule entschieden.

Als landesweite Besonderheit am Schulstandort Bad Säckingen hat sich die Möglichkeit aufgetan, nach einem einjährigen dualen Berufskolleg der Fachrichtung Soziales an der benachbarten hauswirtschaftlichen Schule ebenso die Zulassung zum Berufskolleg Fachhochschulreife zu bekommen. So ist die Altersspanne bei den Schülern wieder etwas größer geworden. In diesem Jahr war der älteste Schüler 27 Jahre alt.

„Alle Wege stehen Ihnen offen“, gab Schopp den Schulabsolventen in seiner Abschlussrede mit auf den Weg. Trotz vereinzelter Zweifel beim Durchhaltevermögen, „gingen nur sehr wenige verlustig.“ Die Mehrheit habe immer ihre Ziele deutlich vor Augen behalten und sich bewiesen, dass sich neue Möglichkeiten auftun, so die Feststellung von Schulleiter Schopp. Klassensprecher Tim Lange bilanzierte auch die Erfahrungen von vergangenen Schulen, dass die ganze Sacha auch ganz anders hätte laufen können. Die ersten haben bereits feste Studiumszusagen, andere werden noch die baden-württembergische Besonderheit der Deltaprüfung ablegen. Dann kann auch an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen im Land ein Studium begonnen werden – und somit ist zum Abitur ein gleichwertiger Abschluss erreicht.