"Mit persönlichen Schicksalsschlägen beschäftigt sich niemand gern, schon gar nicht, wenn es um einen Hausbau geht. Treten sie aber ein, können sie katastrophale Auswirkungen haben." Wohl dem, der dann gut abgesichert ist. Welche Versicherungen für Bauherren wirklich wichtig sind, dazu kann Klaus Steimer, Privatkundenbezirksleiter der R+V Versicherungen, eine Menge Ratschläge beisteuern. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekt "Ein Zuhause für junge Familien" von Volksbank Rhein-Wehra, Stadt Bad Säckingen und SÜDKURIER Medienhaus gibt er einen Überblick.

Der Experte unterscheidet zwischen Gefahren, die das Bauobjekt betreffen und denen, die die Bauherrschaft betreffen können. Zu Letzteren zählen insbesondere Krankheit, Arbeitslosigkeit oder sogar Tod des Bauherrn. "Wenn der Hauptverdiener ausfällt, gerät die Finanzierung eines solchen Projekts schnell in Gefahr", so Klaus Steimer. Daher empfiehlt er zumindest den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Risikolebensversicherung. Hier seien die Versicherungsbeiträge in der Regel nach Alter gestaffelt, was es für ältere Bauherren teurer mache. Dennoch sei auch eine derartige Absicherung häufig Grundvoraussetzung, dass ein Kredit für einen Hausbau genehmigt werde, so Steimer. Im Zweifel sollten Bauherren rechtzeitig vor Baubeginn eine individuelle Beratung in Anspruch nehmen.

Im Hinblick auf die Absicherung des im Bau befindlichen Hauses gibt es ebenfalls eine Reihe von Problemen, die während der Bauphase auftauchen können und ein Projekt gefährden. Unfälle auf der Baustelle, Brand, Unwetter oder Vandalismus gehören hierbei zu den gängigsten Vorkommnissen. Klaus Steimer empfiehlt drei Versicherungen gegen derartige Schadensfälle: Eine Feuerrohbauversicherung, eine Bauleistungsversicherung und eine Bauherrenhaftpflicht.

Die Feuerrohbauversicherung werde inzwischen ebenfalls häufig vom Kreditgeber als Bedingung für die Genehmigung eines Darlehens verlangt, so Steimer. Häufig sei diese Versicherung kostenlos, wenn man beim gleichen Versicherer im Anschluss eine Gebäudeversicherung abschließt.

Unverzichtbar aus seiner Sicht ist auch die Bauleistungsversicherung, gewissermaßen eine "Vollkasko für den Hausbau". Diese deckt nicht nur unvorhergesehene Ereignisse wie Sturmschäden oder Erdrutsch, sondern auch den Diebstahl bereits verbauter Dinge ab. Ebenfalls wichtig ist die Bauherrenhaftpflicht. Diese deckt Schäden ab, die während der Bauzeit für Dritte entstehen. Dazu gehört ein Unfall von "Baustellenbesuchern" genauso wie materielle Schäden, etwa an Nachbarhäusern, durch das Bauvorhaben. Bei diesen Versicherungen werden in der Regel Einmalbeträge fällig, die sich an der Höhe der Bausumme orientieren.

Beabsichtigt ein Bauherr, Freunde oder Verwandte auf der Baustelle mithelfen zu lassen, sollte er diese Bauhelfer nicht nur bei der Berufsgenossenschaft anmelden, sondern auch für eine Unfallversicherung sorgen, rät Steimer: "Das ist aber nur dann notwendig, wenn die Helfer nicht schon eine private Unfallversicherung besitzen."

Die Serie

In der zweiten Etappe unserer Serie „Ein Zuhause für junge Familien“ befassen wir uns mit den Fortschritten auf der Baustelle.

8. November: Der Rohbau

15. November: Das Dach

22. November: Versicherung

29. November: Baustellenrundgang

Alle Serienteile finden Sie auch in unserem Dossier im Internet: www.suedkurier.de/Familienzuhause

So lassen sich Fehler bei der Finanzierung vermeiden

Die Finanzierung eines Hausbaus ist eine Meisterleistung. Aber es kommt vor, dass angehende Bauherren mit völlig falschen Erwartungen an so ein Projekt herangehen oder sich überschätzen. Sascha Andrijic, Bezirksdirektor der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigt einige der gängigsten Irrtümer.

  • Man überschätzt sich bei der Tragfähigkeit der Rate: Die anfängliche Euphorie für das Projekt lässt mit der Zeit häufig nach, und die Rate kann zur Belastung werden. "Vor allem überschätzen sich Kreditnehmer fast immer bei den geplanten Sonderzahlungen, wodurch sich deutlich längere Laufzeiten ergeben as geplant", so Sascha Andrijic. Er rät daher: "Die Rate sollte sich dem Leben anpassen und nicht anders herum." Auch sollte man einplanen, dass sich das Einkommen im Laufe der Jahre verändern kann.
  • Die Zinsfalle: Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren zwar fast nur nach unten gegangen, dies kann aber nicht ewig so weitergehen. Ein Zinsanstieg auf den langjährigen Durchschnitt würde für viele eine Verdoppelung der Rate bedeuten. Daher sollten Zinssicherungsinstrumente wie ein Bausparvertrag in Erwägung gezogen werden. Alternativ sollte über eine längere Sollzinsbindung nachgedacht werden. Häufig werde nur eine Sollzinsfestschreibung von zehn Jahren gewählt. "Welche Variante besser ist, hängt sehr stark von den jeweiligen Konditionen ab", so Andrijic. Eine Vergleichsmöglichkeit ist der Gesamteffektivzins.
  • Staatliche Fördermittel werden nicht in Anspruch genommen: KfW-Darlehen oder die Wohnriester-Förderung werden oft nicht in die Finanzierung mit eingebaut, da diese als zu kompliziert empfunden werden. "Hier werden oft viele tausend Euro verschenkt", sagt Andrijic. Staatliche Fördermöglichkeiten sollten unbedingt in das Finanzierungsangebot eingebaut werden.
  • Doppelbelastung: Neben dem Darlehenszins haben auch die bereitstellungszinsfreie Zeit und der Bereitstellungszins Auswirkungen auf die Kosten. Hierbei geht es darum, ab wann man Zinsen zahlen muss, auch wenn das Geld noch nicht ausbezahlt wurde. Der dafür geforderte Zins ist häufig deutlich höher als der Kreditzins. Dies führt oft zu einer Doppelbelastung da in vielen Fällen auch noch die Miete zu bezahlen ist.
  • So lässt sich das Projekt doch noch retten: "Um Kunden, die sich verkalkuliert haben, helfen zu können, ist zuallerst eine detaillierte Bestandsaufnahme unerlässlich", sagt Andrijic. Zum Teil lassen sich Änderungen vornehmen, um Liquidität zu generieren. Diese können dann verwendet werden, um etwa eine Zinssicherung zu betreiben oder zum gewünschten Termin schuldenfrei zu sein. Des Weiteren wird geprüft, inwieweit nachträglich staatliche Förderungen eingebunden werden können. In einigen Fällen lässt sich eine Umschuldung nicht vermeiden. Da hierbei jedoch zum Teil erhebliche Kosten entstehen, sollte dies als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. (msb)