Ein Fest der Farben erleben die Besucher derzeit im Grand Salon in der Villa Berberich. Im Begleitprogramm hatten sie am Sonntagmittag zudem die Gelegenheit, ein Fest der Klangfarben zu genießen. Verantwortlich dafür waren Christine Schmid und Florian Metz, die mit Charme, Witz und grundsolidem Können den zahlreichen Gästen ein ungetrübtes, zweistündiges Matinee-Vergnügen bereiteten.

Auf den Flügeln des Gesangs

Die Akkordeonistin und Sängerin Christine Schmid kann mühelos die Fachgrenzen überspielen, und Florian Metz wechselte vom Instrumental- ins Gesangsfach und präsentierte eine ganze Reihe von Instrumenten. Im ersten, klassisch ausgerichteten Teil erwies er sich als subtiler Begleiter, der auch am E-Piano für eine absolut ausreichende musikalische Unterfütterung der Gesangsstimme sorgte. In Mendelssohns Lied „Auf den Flügeln des Gesangs“ führte Christine Schmid ihre reiche, voluminöse Mittellage vor, die an einen Mezzosopran erinnerte, und legte mit fast opernhaftem Ausdruck sehr viel Emotionalität in die Gesangslinie.

Mozart ganz kokett

Mit Koketterie präsentierte sie Mozarts „Warnung“, deren „Zuckerplätzchen“ ein unschwer zu entschlüsselndes Symbol sind. „Nicht alles ist so gemeint, wie es geschrieben steht“, sagte Christine Schmid und überließ es der Fantasie der Zuhörer, wen oder was Schubert wohl mit seiner „Forelle“ gemeint haben könnte. Jedenfalls ist das Fischlein, so verriet es ihre lebhafte Phrasierung, ein munteres Lebewesen. Und in einem Brahms-Lied übernahm Florian Metz die Rolle des Galans, der von der Sängerin die Antwort „Meine Türe ist verschlossen“ bekam, die aber mit so viel Koketterie unterlegt war, dass man dem Wortlaut nicht recht Glauben schenkte. Dass die Sängerin neben ihrer reich timbrierten Mittellage auch über eine leicht ansprechende Höhe verfügt, zeigte sie in der Arie der Musette aus Puccinis La Bohème“. Nicht sehr oft zu hören ist Verdis „Sizilianische Vesper“, aus der sie die Arie „Mercè, dilette amiche“ präsentierte und den Herausforderung in Gestalt von Trillern, Koloraturen und markanten Spitzentönen gerecht wurde. Das Trinklied aus Verdis „Traviata“ sowie Ausschnitte aus Operetten von Offenbach, Kálmán und Stolz ergänzten das Programm.

Hommage an Zarah Leander und die Comedian Harmonists

So hingebungsvoll, klangschön (und auch mit dem legitimen Anteil an Sentimentalität) sie die Werke im ersten Teil gesungen hatte, so nüchtern, unsentimental und stilgerecht eher mit einer Sprech- als Opernstimme interpretierte sie die Werke von Kurt Weill: Etwa den Mackie-Messer-Song und den „Surabaya Johnny“, in dem Liebe und Hass eine faszinierende Alliance eingehen. Als studierte Akkordeonistin griff sie selbst zum Instrument und stellte eine Reihe von Chansons vor, etwa aus ihrer CD Paris-Berlin oder den „Tango für einen Mann namens Egon“, wobei Metz sie mit dem Kontrabass begleitete. In dem Musical „Show Boat“ griff er zur Posaune und wurde dank des programmierbaren E-Pianos zu seinem eigene Begleiter. Nicht fehlen durfte eine Hommage an Zarah Leander und die Comedian Harmonists, deren Medley sogar von Zwischenapplaus unterbrochen wurde.