Mit der Vernehmung weiterer Zeugen wurde am Montag vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichtes Waldshut der Prozess gegen einen 58-jährigen Angeklagten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte fortgesetzt. Dabei wird dem Angeklagten vorgeworfen, sich im Februar dieses Jahres im Raum Bad Säckingen gegen eine polizeiliche Festnahme zur Wehr gesetzt und mit einem 14 Zentimeter langen Messer, ähnlich einem Jagdmesser, vier Mal auf einen Polizeibeamten eingestochen zu haben.

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Zum Auftakt des zweiten Verhandlungstages wurde zunächst ein langjähriger Freund des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen. Wie bei den übrigen Zeugenvernehmungen verdeutliche der Vorsitzende Richter am Landgericht, Martin Hauser, das Ansinnen der Kammer, etwas tiefer in die Vergangenheit einzutauchen, um entsprechend in die Zukunft blicken zu können. So konzentrierten sich die Fragen des Richters in erster Linie auf das Verhalten und etwaige Auffälligkeiten des Angeklagten in der zurückliegenden jahrelangen Freundschaft.

Kartenspielen und SC Freiburg

Die wichtigsten Gemeinsamkeiten in der rund 40-jährigen Freundschaft lagen beim gemeinsamen Kartenspielen und beim regelmäßigen Besuch der Fußballspiele des Sportclubs Freiburg, erklärte der Zeuge. Obwohl er von der jahrelangen psychischen Erkrankung des Angeklagten wusste, bezeichnete er ihn als im Alltag völlig normal, eher etwas passiv und keinesfalls als aggressiv. Auffälligkeiten gab es immer dann, wenn mit den Medikamenten etwas nicht in Ordnung gewesen sei, entweder bei einem Klinikaufenthalt wegen einer Augenoperation oder weil der Angeklagte manchmal selbst ausprobieren wollte, ob er ohne Medikamente auskommt.

Das Gefühl, sich wehren zu müssen

Zur Tatfrage sagte er, der Angeklagte habe ihm von dem Vorfall erzählt und ausgeführt, dass er angesichts der vielen Leute von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst einfach das Gefühl gehabt habe, sich wehren zu müssen. Das Bild des Angeklagten aus der Sicht seines Freundes wurde durch Einzelfragen von Staatsanwältin Carolin Hils und der Verteidigerin Kristina Müller noch vervollständigt.

Immer wieder auffällige Situationen

Auch der zweite Zeuge, ein 62-jähriger Maurermeister, der den Angeklagten seit seiner Jugendzeit kennt, bestätigte, dass es in den zurückliegenden Jahren immer wieder auffällige Situationen gegeben habe, in denen der Angeklagte aufgeregt, euphorisch oder aufgelöst, aber nicht gewaltbereit gewirkt habe. Am Dienstag vor der Tat habe er ihn wegen eines solchen Zustandes nach einem Arztbesuch zur psychiatrischen Klinik nach Reichenau gefahren und dort problemlos abgeliefert. Allerdings habe der Angeklagte nach einem Tag die Klinik wieder verlassen.

Vorwürfe gegen die psychiatrische Klinik

Vorwürfe gegen die Klinikleitung erhob der Bruder des Angeklagten, weil die Angehörigen vom Weggang des Angeklagten aus der Klinik nicht verständigt worden waren. „Wenn das erfolgt wäre, säßen wir vermutlich jetzt nicht hier“, mutmaßte der zwei Jahre jüngere Bruder. Neben der gemeinsamen Vergangenheit wurde dieser Zeuge auch eingehend zum Tathergang befragt. Dazu erklärte er unter anderem, dass die Gewaltbereitschaft seines Bruders und auch die erfolgten Beschimpfungen ihm gegenüber an diesem Tag im Februar erstmals so zu Tage getreten seien. Den Einsatz der Feuerwehr zur Absicherung eines möglichen Sprunges des Angeklagten vom Balkon, betrachte er als reine Vorsichtsmaßnahme der Polizei. Keinesfalls sehe er bei seinem Bruder eine Suizidgefährdung.

So geht es weiter

Die gesundheitlichen Hintergründe des Angeklagten wird der medizinische Sachverständige beim nächsten Verhandlungstag am Mittwoch, 21. August, erläutern, meinte abschließend der Kammervorsitzende, Richter am Landgericht Waldshut Martin Hauser. Die Plädoyers und die Urteilsverkündung sind ebenfalls für den Mittwoch vorgesehen.