Als 2015 die große Flüchtlingswelle über Deutschland rollte, ging es primär darum, erst einmal allen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Jetzt haben sich die Aufgaben geändert. Die Flüchtlinge, die in der Region geblieben sind, versuchen jetzt, dort Fuß zu fassen. Sie benötigen eine Wohnung und Arbeit. Doch was ist zu tun? Diese Fragen beantworten die drei Integrationsmanager, die in Bad Säckingen ihre Arbeit aufgenommen habe.

Wohnungs- und Arbeitssuche und Behördengänge

Sie unterstützen die Flüchtlinge bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei Behördengängen oder bei weiteren Fragen. Die Integrationsmanager arbeiten unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Seit 1. Juni sind Aydogan Rafika, Bülent Beskaya und Peter Buda im Dienst. Sie besuchen die Flüchtlinge in ihren Wohnungen und haben gleichzeitig Sprechstunden in der Gemeinschaftsunterkunft Gettnau eingerichtet.

Wie ein Baum, der Schatten spendet

„Wir wollen der Baum sein, der diesen Menschen Schatten spendet“, beschreibt es Aydogan Rafika. Ihre Familie lebt zwar bereits in der vierten Generation in Deutschland, doch kennt auch sie die Probleme, nach Deutschland zu kommen und die Sprache nicht sprechen zu können. Sie weiß aber auch: „Viele Menschen kommen mit ganz falschen Vorstellungen nach Deutschland.“ Denn schon bevor die Flüchtlinge vor zwei Jahren nach Bad Säckingen kamen, war der Wohnungsmarkt angespannt und ist inzwischen auch nicht besser geworden.

Integrationsplan für die Flüchtlinge

„Viele erwarten einfach, dass sie eine Wohnung und Arbeit bekommen, weil ihnen das in ihrer Heimat versprochen worden ist“, sagt Aydogan Rafika weiter. Anders ist aber auch die Situation, dass gerade Frauen mit Kindern unter der Enge und der fehlenden Privatsphäre in den Gemeinschaftsunterkünften leiden. „Wir müssen mit den Flüchtlingen einen Integrationsplan erstellen, denn Arbeit, Wohnung und Ausbildung sind wichtige Aspekte für eine Integration“, so Rafika weiter.

Integrationsmanager betreuen 191 Flüchtlinge

Momentan leben in Bad Säckingen 191 Flüchtlinge, die von den drei Integrationsmanagern betreut werden. Bei vielen läuft das Asylverfahren noch. 92 Flüchtlinge sind bereits in Wohnungen untergebracht. „Wir integrieren alle, als ob sie bleiben dürfen“, sagt Bülent Beskaya. „Und wenn sie wieder zurück in ihre Heimat müssen, haben wir wenigstens etwas für die Zukunft dieser Menschen getan“, erklärt er.

Während Ayodan Rafika zu 100 Prozent im Einsatz ist, arbeitet ihr Kollege Peter Buda 80 Prozent. Zwei Tage in der Woche hat er eine Sprechstunde in der Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet. „Zum Teil kommen die Flüchtlinge auf uns zu, wenn sie Fragen haben“, erklärt Buda. Aber sie sprechen auch die Flüchtlinge an, und bieten ihre Hilfe an. Bülent Beskaya arbeitet zu 25 Prozent im Integrationsmanagement.

Hintergrund zur Arbeit der Integrationsmanager

Jetzt geht es darum, die Flüchtlinge dabei zu unterstützen, eine Wohnung und Arbeit zu finden. Dazu sind verschiedene Behördengänge notwendig, um zum Beispiel Wohngeld zu beantragen, oder sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Die Integrationsmanager beraten, unterstützen oder begleiten die Flüchtlinge.

  • Das Ziel: „Diese Sicherheit, dieses Ankommen ermuntert zu mehr“, erklärt Aydogan Rafika. Und diese Sicherheit erhalten sie erst wieder, wenn ein gewisses Stück Alltag eingekehrt, die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind und es wieder Arbeit gibt. Dabei ist es wichtig, dass diese Menschen ihr eigene Kultur beibehalten, aber trotzdem lernen, wie es in Deutschland läuft.
  • Der lange Weg zum Integrationsmanager: Im Oktober 2015 beschloss der Gemeinderat die Schaffung der Stelle eines Integrationsbeauftragten. Die Stelle wollte man sich mit Wehr und Rickenbach teilen. Nachdem der Landkreis Sozialarbeiter für die Integration eingestellt hatte, schlug Guhl im April 2016 vor, statt eines Intergrationsbeauftragten einen Klimaschutzbeauftragten einzustellen. Er kassierte seine Idee allerdings wieder, weil sich schnell Widerstand aus dem Gemeinderat abzeichnete. Im Herbst 2016 appellierte Felix Kromer als Sprecher von Refugees Integrated an den Gemeinderat, die Ablehnung noch einmal zu überdenken. Erfolglos. Im Januar dieses Jahres wurde das Thema erneut aktuell. Der Gemeinderat gab grünes Licht für Integrationsfachleute, weil das Land die Kosten für zwei Jahre übernimmt.
  • Die Kosten: Für die drei Stellen, die auf zwei Jahre festgelegt sind, stellt das Land der Kommune 100 000 Euro zur Verfügung. Die Stellen sind bei der Arbeiterwohlfahrt angesiedelt. (ska)

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